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Mitteilungsblatt Heringen
Ausgabe 6/2026
Vereine und Verbände
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Der „Wannergiebel“ bei (Kleinensee) Großensee

Eine Sage aus alter Zeit, aufgeschrieben von Wilhelm Neuhaus in seinem Buch: „Sagen und Schwänke“

Bei dem Dorfe Kleinensee liegt eine niedrige Bodenerhebung, die der „Wannergiebel" genannt wird. Die alten Leute erzählen, dass es dort früher zwischen 11:00 und 01:00 Uhr „wannerte“. Es waren immer 10 Jungfrauen in weißen, wehenden Gewändern, die schlangen im Spiel ihre Reigen. Niemand durfte sie stören. Wenn aber die Leute am anderen Morgen auf die Felder kamen, wo die Jungfern getanzt hatten, fanden sie oft Goldstücke.

Eine Karte im Hessischen Staatsarchiv Marburg zeigt uns vielleicht eine Lösung dieser Geschichte.

Grundriss über die regulierte Grenze des Territorii zwischen Sachsen-Eisenach und Hessen-Kassel

Datierung 1775

Ausschnitt aus Blatt 9: Der Wanderhuppel!

Die Bezeichnung „Wanderhuppel“ und „Wannergiebel“ bezeichnen wahrscheinlich die gleiche Stelle. Es ist auch im Bereich Kleinensee keine Bezeichnung zu finden, die auf diese Sage hindeutet. Man kann also davon ausgehen, dass es diese Örtlichkeit sein kann.

An den Bezeichnungen der alten Grenzsteine kann man den Ort dieser Erhebung mit der Bezeichnung „der Wanderhuppel“ oberhalb von Großensee lokalisieren. Heute ist von einem Huppel nichts mehr zu sehen und es wurden leider auch keine Goldstücke mehr gefunden.

Das ist die einzige Karte, in der diese Erhebung verzeichnet ist. Spätere Kartenwerke haben nur noch den Heiligenberg aufgezeichnet. Der Wanderhuppel ist wahrscheinlich für die Landwirtschaft eingeebnet worden.

Vielleicht haben aber auch die damaligen Schatzsucher den Boden so durchwühlt, dass kein Hügel mehr zu sehen ist. Niemand hat die Jungfrauen seitdem gesehen, aber in Vollmondnächten lohnt sich vielleicht ein Besuch.