Im 43ten Jahre des deutsch-französischen Jugendaustausch (gefördert durch das deutsch-französische Jugendwerk DFJW) war kürzlich eine Reisegruppe aus der Homberger Partnerstadt Thouaré hier zu Gast. Eine Rekordteilnehmerzahl von diesmal 41 Schülern und 14 Begleitern hatten es sich für eine Woche vom 24.2. bis 2.3. in Homberg heimisch gemacht. Viele neue Gesichter unter den Schülern, aber auch Teilnehmer, die schon zum 6ten Mal den über 1100 km langen Anreiseweg von Thouaré nach Homberg auf sich nahmen. Am Samstagabend wurde der bis auf den letzten Platz besetzte Reisebus mit großem Hallo von den Gastfamilien begeistert empfangen. Der Sonntag stand wie immer im Zeichen des Kennenlernens in den Familien und viele verbanden dies mit Tagesausflügen in die nähere Umgebung wie Schlittschuhlaufen in Lauterbach, Lasertag-Battles in Giessen, Stadtsightseeingtouren in Fulda, Willingen oder Marburg.
Am Montagmorgen ging es in die Ohmtalschule zum gemeinsamen Unterricht mit den gastgebenden Jugendlichen und im Anschluss schon an die Vorbereitung der Schlussfeier. Im Familienzentrum erfolgte dann der traditionelle Empfang durch die Bürgermeisterin der Stadt Homberg, Frau Simke Ried, bevor die Gruppe dann das Oldtimermuseum in Dannenrod besichtigte. Dort durften die französischen Schüler begeistert alte Traktoren bestaunen, selbst am Fahrersitz Platznehmen und ihrer Fantasie freien Lauf lassen.
Vom dortigen Museum ins nächste ging es am Dienstag weiter. Das Filmmuseum in Frankfurt rief insbesondere bei der Schilderung der Entwicklung der Filmproduktion viel Erstaunen unter den sehr interessierten Jugendlichen hervor. Die anschließende Freizeit nutzten die französischen Kids dort entlang der „Zeil“ zum ausgiebigen Shopping, während die erwachsenen Begleiter in der „Kleinen Markthalle“ sich den kulinarischen Spezialitäten der hessischen Essenskultur hingaben.
Die „Essenskult-Tour“ fand dann auch am nächsten Tag in Rauschenberg eine leckere Fortsetzung. Die Familie Damm, die dort eine sehr moderne Landwirtschaft mit Melkroboter und eine eigene Eismanufaktur betreibt, lud zur Betriebsbesichtigung mit anschließender Eisverköstigung ein. Trotz der Eiseskälte meinten einige der Teilnehmer, dass sie noch nie ein so gutes Eis gegessen hatten. Der Nachmittag stand dann den Besuchern im nahegelegenen Marburg zur freien Verfügung.
Am Donnerstag begab sich der Reisetrupp ins nahegelegene Thüringen zur Wartburg in Eisenach. Das thüringische Weltkulturerbe und weltbekannte Baudenkmal steht neben vielen anderen Ereignissen auch als Zeichen der deutsch-französischen Geschichte und Verbundenheit. Aber auch genauso für die hessisch-thüringische Historie, denn beide Ländereien gehörten über mehrere Jahrhunderte zum Besitz der Landgrafen von Thüringen, und so ähneln sich heute noch die beiden Staatswappen in auffallender Weise. Eine weitere Parallele beider Länder besteht in der Person Elisabeth von Thüringen. Nach dem Tod ihres Mannes um 1225 ging sie von der Wartburg ins hessische Marburg, um dort eines der ersten Krankenhäuser überhaupt in Europa aufzubauen. Bereits 1235 und nur vier Jahre nach ihrem Tod wurde sie von der katholischen Kirche heiliggesprochen.
Eine andere Berühmtheit, die ebenfalls Kirchengeschichte geschrieben hat, wirkte ebenfalls auf der Wartburg und sein Zimmer kann heute noch im Originalzustand dort begutachtet werden: Martin Luther, der sich mehrere Monate auf der Wartburg zwischen 1521 und 1522 verbergen musste und in dieser Zeit das Neue Testament von der griechischen Sprache ins Altdeutsche übersetzte. Die französischen Jugendlichen lauschten sehr aufmerksam den Ausführungen des Fremdenführers, bevor sie an einem Druckworkshop im Schlosskeller teilnahmen und begeistert einen selbst angefertigten und signierten Kunstdruck als Andenken mit nachhause nehmen konnten.
Der Freitag und letzte Tag stand ganz im Zeichen von Spaß und Erholung: Zusammen mit den deutschen Gastgebern lieferten sie sich im Lindener Bowling-Center spannende Wettkämpfe und verbrachten anschließend einige Stunden Freizeit gemeinsam in Giessen, um noch restliche Gastgeschenke oder Souvenirs einzukaufen.
Der Abschlussabend wurde in gewohnter Weise gestaltet: Die französischen Gäste stellten das kulturelle Programm zusammen, während die deutschen Gastgeberfamilien für das üppige Büffet, das kaum Wünsche offen ließ, sorgten. Mehrere hochkarätige Musikdarbietungen wie Tanzeinlagen wurden zum Teil mit frenetischem Beifall bedacht, ehe die deutschen Jugendlichen zum gemeinsamen Abschluss-Line-Dance auf die Bühne gebeten wurden. Noch lange saß man gemeinsam zusammen, genoß den mitgebrachten französischen Muscadet-Wein aus der Region Loire-Atlantique oder die legendären „Crepes DoDo“ von Dominique, dem mindestens genauso legendären wie allseits beliebten ehemaligen Busfahrer des Jugendaustausches, der es sich nicht nehmen läßt, auch im Ruhestand die deutsch-französische Begegnung in jeglicher Hinsicht zu bereichern: Ein echter Europäer eben!
Am frühen Samstagmorgen hieß es dann leider wieder viel zu früh Abschied nehmen von unseren französischen Freunden: Um Punkt 7 Uhr brach der Bus in Richtung Champs-Elysee auf, eines der Lieder, was die Gruppe jeden Tag zur Probe für den Abschlussabend mehrmals im Bus gemeinsam gesungen hatte und quasi zur Hymne des diesjährigen Austauschs wurde.
Der Gegenbesuch der Homberger Jugendlichen ist für den 5. bis 12. Oktober in Thouaré geplant. Sowohl die Homberger Schule als auch die Homberger Kommission für den Austausch freut sich über jeden neuen Interessenten! Alors, en y va!