Auch im 44ten Jahr der Städtepartnerschaft Homberg-Thouarè sur Loire genießen die maßgeblich vom deutsch-französischen Jugendwerk (DFJW) unterstützten Jugendaustausche der beiden Partnergemeinden eine ungebrochen große Beliebtheit. Sie leisten damit einen wichtigen und nicht zu unterschätzenden Beitrag für ein gemeinsames und starkes Europa, das sein Selbstverständnis und Zusammenhalt gerade aus den persönlichen Verbindungen der nachwachsenden Generationen zieht. Das erscheint heute sogar wichtiger und elementarer als je zuvor, weil bestimmte politische Strömungen aktuell den europäischen Gedanken zunehmend in Frage stellen wollen.
Diesem europafeindlichen und haltlosen Trend trotzten kürzlich 32 französische Jugendliche und 8 Mitglieder des Partnerschaftskomitees aus Thouare, als sie den über 1000 km langen Anreiseweg nach Oberhessen auf sich nahmen. Manche Jugendliche kamen sogar bereits zum dritten Mal nach Hessen und blicken auf intensive Beziehungen und freundschaftlich gewachsene Bande zurück. Die meisten Teilnehmer kommen in der Regel zweimal nach Hessen, rund ein Drittel kommt jedes Jahr neu dazu, so dass sich auch unter den deutschen Gastgeberfamilien neue Bekanntschaften und sogar Freundschaften ergeben.
Den Sonntag verbrachten die französischen Jugendlichen in den gastgebenden Familien, wobei den Ideen und der Kreativität keine Grenzen gesetzt waren: Einige buchten das „LaserTag“ in Alsfeld, manche stellten sich der Herausforderung eines „EscapeRooms“ in Giessen oder nutzen das kalte Februarwetter zum Schlittschuhlaufen in Lauterbach.
Am Montag morgen besuchten die Gäste zusammen mit den Homberger Jugendlichen den Unterricht an der Ohmtalschule, bevor sie mit den ersten Vorbereitungen für den traditionellen Abschiedsabend begannen. Der offizielle Empfang erfolgt dann am Nachmittag durch Bürgermeisterin Simke Ried und Michael Rotter vom Magistrat im Familienzentrum in Homberg, ehe die Gruppe weiter zum Feuerwehrstützpunkt marschierte.
Dort wurden die jungen Franzosen schon sehnsüchtig von Kommissionsmitglied und Feuerwehrfrau Lena Orth und ihren engagierten Kollegen erwartet. Sie hatten ein tolles und aufsehenerregendes Programm zusammengestellt, um den Gästen das Thema Brand- und Katastrophenschutz sowie Rettung bei Unfällen anschaulich zu demonstrieren. Wer wollte, konnte so selbst Hand anlegen an Bergewerkzeuge und -zangen, um bei Autounfällen eingeklemmte Passagiere zu befreien. Auch der Umgang mit dem Feuerlöscher konnte trainiert werden und viele Einblicke in die Ausrüstung und die Ausstattung von den Löschfahrzeugen. Für die jungen Franzosen gab es als kulinarischen deutschen Beitrag frisch gegrillte Bratwurst und Getränke, die dankbare Abnehmer fanden. Dass die Kommission mit dem Thema Feuerwehr voll ins Schwarze getroffen hatte, zeigte der Umstand, dass viele Teilnehmer noch weit über angesetzte Zeit an der Feuerwehr verweilten und ihre Gastgeber zum Teil noch in die Besichtigung einbanden. Ein ganz großes Dankeschön deshalb auch an die Homberger Feuerwehrleute, die ihre Freizeit opferten, um die Gäste sehr lebendig und anschaulich zu unterhalten.
Am Dienstag ging es nach einem zweitem Vorbereitungstreffen für den Abschlussabend nach Merkers zur Besichtigung des Salzbergwerks. Die Franzosen von der Altantikküste kamen aus dem Staunen kaum noch heraus. Bis zu 600 m tief wurden sie „eingefahren“ um dort tief unten eine bislang für sie unbekannte Welt zu entdecken. Auf offenen Lastern wurden sie über fast 20 km durch das riesige unterirdische Stollenwerk chauffiert um an vielen Stops Interessantes und Wissenswertes zum Thema Salzabbau zu erfahren. Den krönenden Abschluss bildete eine Laserschow im großen Saal von Merkers, wo regelmäßig auch große Konzerte untertage stattfinden. Unvergessliche Eindrücke, die ausnahmslos auf allen Smartphones festgelhalten wurden und für lebhafte Diskussionen sorgte.
Mittwochs ging es nach Giessen zum Mathematikum. Das Museum, das sich mit der Welt der Mathematik und Physik beschäftigt, ist traditionell fester Bestandteil des Besuchsprogramms und bestätigte auch diesmal aufs Neue seine Anziehungskraft und Popularität. Die Gäste waren kaum von den vielen Spiel- und Entdeckungsstationen loszueisen. Den verbliebenen Restnachmittag nutzen die Jugendlichen, um in der naheglegenden Giessener Fussgängerzone ausgiebig auf Shopping- und Erkundungsstour zu gehen. Manch einer fand hier ein passendes Geschenk für seinen Homberger Gastgeber.
Am Donnerstag stand Schloss Freudenberg in Wiesbaden auf dem Programm. Auch hier waren die jugendlichen Gäste mehr als angetan von der großen eindrucksvollen Schlossanlage, der Rheinpromenade und den Gruppen-Spielchen im Schlosspark zum Teambuilding. Auch in Wiesbaden ergab sich anschließend die Möglichkeit des Bummels durch die Fussgängerzone und Innenstadt.
Den letzten Tag konnten dann die Franzosen mit ihren gastgebenden deutschen Jugendlichen verbringen. Gemeinsam ging es mit zwei Bussen nach Lauterbach in die Eishalle, wo viele zum ersten Mal überhaupt auf den Kufen standen. So waren viel Gelächter und Spaß vorprogrammiert.
Am Freitag abend dann folgte der krönende Abschluss einer erlebnisreichen und spannenden Woche: der Abschlußabend in der Aula der Ohmtalschule. Mit rund 10 Programmpunkten verstanden es die Gäste aus Thouarè das Publikum zu begeistern. Neben 4 musikalischen Einlagen standen eine Tanzperformance und verschiedene gespielte Sketche auf dem Programm, das vom Publikum mit großem Applaus gutiert wurde. Natürlich darf auch das große Buffet nicht unerwähnt bleiben, das von den gastgebenden Familien in unglaublich großer Vielfalt zusammengestellt worden war und einen schönen Querschnitt deutscher Küche präsentierte.
Den kulinarischen Gegenpart setzte Dominique, der ehemalige langjährige und „legendäre“ Busfahrer der Franzosen mit seinen vom ihm selbst vor Ort frisch gemachten „Crepes Dominique“. Er selbst war zusammen mit seiner Frau im eigenen Wohnmobil der Gruppe nachgereist und verkörpert wie kaum ein anderer die gewachsene und schöne Verbundenheit der beiden Partnergemeinden.
Am frühen Samstag hieß es dann „Au revoir“ für alle Teilnehmer und so manche Träne wurde verdrückt. Besonders eine zarte, neue Liebe, die 2 Jugendliche füreinander und vor allen Teilnehmer bekundeten fand rauschenden Beifall, bevor der Bus noch im Dunkeln mit vielen übermüdeten aber glücklichen Gästen Richtung Thouare davon fuhr.
Wieder einmal ging eine unvergessliche Woche für Alle zu Ende. Aber die Vorbereitungen für den Gegenbesuch Ende September laufen bereits auf Hochtouren. Interessenten können sich bereits jetzt über die Ohmtalschule anmelden.