11. Dezember 2025
Bürgermeister Frederik Hohnstein
Sehr geehrte Frau Vorsitzende Alt,
sehr geehrte Damen und Herren des Gemeindevorstands,
meine sehr geehrten Damen und Herren der Gemeindevertretung,
sehr geehrte Vertreterinnen und Vertreter der Gemeindeverwaltung,
liebe Bürgerinnen und Bürger,
heute wird der Haushaltsplan für das Jahr 2026 eingebracht. Es ist ein Haushalt, der uns in aller Deutlichkeit vor Augen führt, welche Herausforderungen auf uns als Gemeinde zukommen und in welch angespanntem finanziellen Umfeld wir uns bewegen. Er zeigt nicht nur die Zahlen des kommenden Jahres, sondern spiegelt die strukturelle Entwicklung wider, die sich in vielen Kommunen unseres Landes beobachten lässt - und die uns in Hosenfeld in besonderer Weise betrifft.
Bevor ich den Blick auf Ursachen, Konsequenzen und mögliche Lösungswege richte, möchte ich Ihnen zunächst die wichtigsten Zahlen und Kennziffern des Haushaltsentwurfs ausführlich erläutern. Es ist mir wichtig, dass wir alle auf Grundlage derselben Faktenlage in die Haushaltsberatung einsteigen.
Die wichtigsten Kennzahlen - wo stehen wir 2026 tatsächlich
Der Ergebnishaushalt für das kommende Jahr weist ordentliche Erträge von 11,793 Millionen Euro und ordentliche Aufwendungen von 13,025 Millionen Euro aus. Damit ergibt sich ein negatives ordentliches Ergebnis von 1,232 Millionen Euro. Unter Berücksichtigung der außerordentlichen Erträge schließt das geplante Jahresergebnis mit einem Minus von 1,208 Millionen Euro - und verschlechtert sich damit gegenüber dem Vorjahresplan um rund 744.000 Euro.
Schon diese Zahlen machen deutlich, dass wir uns in einer strukturellen Schieflage befinden und nicht nur „ein schwieriges Jahr“ vor uns haben, sondern grundsätzliche Entwicklungen im Blick behalten müssen.
Auch im Finanzhaushalt setzen sich die negativen Tendenzen fort. Die Einzahlungen aus laufender Verwaltungstätigkeit betragen rund 11,07 Millionen Euro, die Auszahlungen rund 11,68 Millionen Euro. Der Saldo der laufenden Verwaltungstätigkeit liegt somit bei minus 608.200 Euro - ein weiterer Hinweis darauf, dass sich der Alltagsbetrieb der Gemeinde aus den laufenden Einnahmen nicht mehr trägt.
Bei den Investitionen ergibt sich ein differenziertes Bild. Wir rechnen mit Einzahlungen von rund 1,03 Millionen Euro, aber mit Auszahlungen von knapp 1,85 Millionen Euro, sodass ein negativer Investitionssaldo von minus 813.000 Euro entsteht. Zusammengenommen ergibt sich ein Zahlungsmittelbedarf von rund 1,42 Millionen Euro, der gedeckt werden muss.
Zur Deckung dieses Bedarfs sieht der Haushaltsentwurf eine Kreditaufnahme von 614.000 Euro vor. Gleichzeitig tilgen wir 615.500 Euro an bestehenden Verbindlichkeiten. Das bedeutet: Wir verschulden uns formal nicht weiter, wir halten im Bereich der Investitionskredite eine schwarze Null. Dennoch führt der negative Gesamtsaldo zu einem Rückgang der liquiden Mittel um rund 1,43 Millionen Euro. Wir starten mit über 4 Millionen Euro ins Haushaltsjahr und werden voraussichtlich bei etwa 2,85 Millionen Euro enden. Diese Rücklagen sind ein Polster, aber kein Dauerzustand - wir leben zunehmend von unserer Substanz.
Einnahmen - sie stabilisieren sich, reichen aber bei weitem nicht aus
Die geplanten Gesamterträge von 11,82 Millionen Euro liegen nur geringfügig über dem Vorjahreswert - ein Plus von lediglich rund 19.500 Euro. Auf den ersten Blick sind die Erträge stabil. Auf den zweiten Blick wird jedoch klar: Sie reichen nicht, um die dynamisch steigenden Ausgaben zu finanzieren.
Die Struktur der Erträge verdeutlicht diese Abhängigkeiten sehr deutlich:
Steuern und steuerähnliche Erträge: 6,19 Mio. Euro (rund 52 %)
Laufende Zuweisungen und Zuschüsse: 2,84 Mio. Euro (rund 24 %)
Entgelte (Gebühren etc.): 1,39 Mio. Euro (rund 12 %)
Auflösung von Sonderposten: 724.000 Euro (rund 6 %)
Besondere Aufmerksamkeit verdient dabei die Entwicklung der Gewerbesteuer. Diese Einnahmequelle ist seit Jahren volatil, aber in der Tendenz rückläufig. Nach einem Rekordansatz von 3,6 Millionen Euro im Jahr 2022 liegen wir 2026 nur noch bei 2,4 Millionen Euro. Das sind über eine Million Euro weniger - und dieser Rückgang ist einer der zentralen Gründe für unsere strukturelle Unterdeckung. Auch wenn wir weiterhin einen starken Mittelstand vor Ort haben, zeigen die Zahlen: Die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit spiegelt sich nicht mehr in der gleichen Höhe wie früher in den Gewerbesteuereinnahmen wider.
Auch die Schlüsselzuweisungen des Landes entwickeln sich problematisch. Von über 2,1 Millionen Euro im Jahr 2023 sind sie auf ein zeitweiliges Tief von rund 932.000 Euro gefallen. Zwar steigen sie 2026 wieder auf knapp 2 Millionen Euro, doch auch das liegt deutlich unter dem früheren Niveau. Die kommunale Finanzverteilung ist für uns damit ein zusätzlicher Belastungsfaktor.
Ausgaben - die Strukturprobleme liegen auf der Hand
Auf der Ausgabenseite planen wir 13,025 Millionen Euro und damit 764.000 Euro mehr als im Vorjahr. Damit ergibt sich eine deutliche Ausgabendynamik in nahezu allen Bereichen.
Der größte Ausgabeblock sind die Steuer- und Umlageaufwendungen, also die Zahlungen an Kreis, Land und andere Ebenen. Mit 4,19 Millionen Euro liegen diese Umlagen inzwischen deutlich über dem, was uns die Gewerbesteuer überhaupt einbringt. Sie sind in nur drei Jahren um über 900.000 Euro gestiegen - und diese Gelder fehlen unserer Gemeinde direkt.
Der zweitgrößte Ausgabenpunkt sind die Personalaufwendungen, die sich im Jahr 2026 auf 4,008 Millionen Euro belaufen. Hinzu kommen Versorgungsaufwendungen von rund 238.000 Euro. Insgesamt sprechen wir hier über mehr als 4,2 Millionen Euro - also etwa ein Drittel unseres gesamten Aufwandes. Besonders gravierend: Rund 2,21 Millionen Euro, also 52 Prozent der Personalaufwendungen, entfallen allein auf den Bereich Kinderbetreuung. Dieser Bereich wächst stetig weiter - bedingt durch gesetzliche Standards, steigenden Bedarf, Fachkräftemangel und tarifliche Entwicklungen.
Die Sach- und Dienstleistungen liegen bei 2,32 Millionen Euro, die Abschreibungen steigen auf 1,21 Millionen Euro, und die Zinsaufwendungen erhöhen sich auf 268.100 Euro. Diese Zinssteigerung mag moderat wirken, aber sie ist ein deutliches Signal, dass künftige Investitionsprogramme - etwa in der Wasserversorgung - nur mit zunehmender Neuverschuldung möglich sein werden.
Das grundlegende Problem ist klar:
Viele dieser Ausgaben sind Pflichtausgaben oder strukturelle Kosten, die wir kurzfristig kaum beeinflussen können.
Warum die Erhöhung der Grundsteuer unumgänglich ist
An dieser Stelle meine Forderung: Wir müssen über die Erhöhung der Grundsteuer B sprechen!
Dabei ist festzuhalten, wenn wir die Grundsteuer B angehen: Wir tun es nicht aus politischer Bequemlichkeit. Wir tun es nicht, weil wir glauben, dass dies ein einfacher Weg wäre. Und wir tun es schon gar nicht, weil wir Bürgerinnen und Bürger belasten wollen.
Wir tun es, weil der Gesetzgeber uns faktisch zwingt, wenn wir weiterhin als finanzschwach gelten wollen.
Der Hintergrund ist eindeutig:
Eine Gemeinde gilt nur dann als finanzschwach - und damit als förderfähig -, wenn der Hebesatz der Grundsteuer B mindestens 20 Punkte über dem Nivellierungshebesatz liegt. Dieser liegt ab 2026 bei 320 Punkte. Damit müssten wir künftig mindestens 340 Punkte ansetzen, um weiterhin als finanzschwach eingestuft zu werden.
Und diese Einstufung ist enorm wichtig, denn sie entscheidet darüber:
wie hoch unsere Förderquoten sind,
wie hoch einzelne Zuweisungen ausfallen,
wie viel Eigenanteil wir bei Projekten aufbringen müssen,
ob wir überhaupt für bestimmte Programme in Frage kommen,
und wie wir im Vergleich zu anderen Gemeinden bewertet werden.
Mit anderen Worten:
Wenn wir die Grundsteuer nicht anheben, verzichten wir auf Geld. Und zwar dauerhaft und strukturell.
Gleichzeitig müssen wir realistisch bleiben:
Auch eine Erhöhung um 20 oder 30 Punkte wird das strukturelle Defizit nicht schließen. Sie ist eine notwendige Bedingung für zukünftige Förderfähigkeit - aber keine Lösung unserer Haushaltslage.
Sparen durch Investieren - ein notwendiges Dilemma
Ein weiterer Schwerpunkt unserer Überlegungen besteht darin, wie wir unsere laufenden Kosten reduzieren können.
Gerade beim Schwimmbad wird deutlich: Wir können die Betriebskosten nur deutlich senken, wenn wir in Photovoltaik und energetische Optimierung investieren. Ein anderes Beispiel, auch wenn es nicht den Haushalt der Gemeinde betrifft: Das gleiche Prinzip gilt bei der Kläranlage, wo wir über eine PV-Anlage nachdenken, die sich bereits in vier bis fünf Jahren amortisieren würde. Das bedeutet, dass wir nach einer Investition in Höhe von fast 100.000 Euro ca. 25.000 Euro im Jahr sparen. Ein gutes Geschäft, am Ende auch für die Bürgerinnen und Bürger im Hinblick auf Gebühren.
Dieses Dilemma - wir wollen sparen, müssen dafür aber investieren - wird uns in den kommenden Jahren begleiten. Aber wir müssen den Mut haben, diese Investitionen anzugehen, denn sie bringen uns langfristig enorme finanzielle Entlastungen.
Einnahmen stärken - Gewerbe fördern statt Steuern erhöhen
Langfristig müssen wir unsere Einnahmebasis stabilisieren und ausbauen. Das gelingt vor allem über wirtschaftliche Entwicklung.
Wir müssen:
neue Gewerbeflächen ausweisen,
bestehenden Betrieben Entwicklungsmöglichkeiten bieten,
und insgesamt attraktiver für Neuansiedlungen werden.
Unsere Wettbewerber sind nicht nur die Gemeinden im Kreis Fulda, sondern die gesamte Region. Wer Flächen anbieten kann, wer eine gute Infrastruktur vorhält, wer klar und zuverlässig agiert, ist im Vorteil.
Wenn wir hier investieren und Rahmenbedingungen verbessern, steigen langfristig auch die Gewerbesteuererträge - nicht über den Hebesatz, sondern über die wirtschaftliche Stärke unserer Unternehmen.
Interkommunale Zusammenarbeit und interne Strukturen
Zur Haushaltskonsolidierung gehört auch, dass wir Aufgaben künftig gemeinsam mit anderen Kommunen erledigen, sofern dies sinnvoll und wirtschaftlich ist.
Mit den Bürgermeistern Fritsch und Klug laufen bereits Gespräche über mögliche Kooperationen. Noch gibt es keine konkreten Vereinbarungen, aber der Wille ist da - und er ist notwendig.
Parallel dazu müssen wir die internen Prozesse der Verwaltung weiterentwickeln, digitalisieren und effizienter gestalten. Ziel ist es nicht, Leistungen abzubauen, sondern Ressourcen klug und wirksam einzusetzen.
Kinderbetreuung - unser größter und sensibelster Kostenblock
Die Kinderbetreuung ist nicht nur finanziell der größte Einzelposten, sondern auch gesellschaftlich einer der bedeutendsten.
Mit über 2,2 Millionen Euro Personalkosten, steigenden Betriebskosten und dem aktuellen Platzmangel stehen wir vor erheblichen Herausforderungen. Es wird notwendig sein, über bauliche Erweiterungen oder andere Lösungen zu sprechen - und gleichzeitig über die Frage, wie die Kosten fair verteilt werden können.
Eine Gebührenerhöhung kann und darf dabei kein Tabu sein, auch wenn wir wissen, dass diese Diskussion sensibel ist. Wir müssen sie offen und transparent führen, denn am Ende geht es um Qualität, Verlässlichkeit und finanzielle Tragfähigkeit.
Wir stehen nicht alleine - aber wir müssen handeln
Wenn wir die Gesamtlage betrachten - sinkende Gewerbesteuer, steigende Umlagen, wachsende Personal- und Betriebskosten sowie notwendige Investitionen -, wird klar: Wir stehen mit diesen Herausforderungen nicht allein da. Viele Kommunen in Hessen und ganz Deutschland kämpfen mit denselben strukturellen Problemen. Trotzdem können wir uns nicht darauf verlassen, dass andere unsere Aufgaben lösen.
Wir müssen selbst aktiv werden:
durch kluge Entscheidungen, durch Prioritätensetzung, durch Investitionen in die Zukunft, durch Stärkung unserer Einnahmenbasis und durch verantwortungsvolle Haushaltsführung.
Doch wir brauchen auch ein Umdenken auf Landes- und Bundesebene. Wenn Kommunen weiter finanziell belastet werden, ohne ausreichende Gegenfinanzierung zu erhalten, verlieren sie nach und nach ihre Handlungsfähigkeit. Wir müssen dies klar ansprechen - gemeinsam und nachvollziehbar.
Schlusswort
Der Haushaltsentwurf 2026 ist kein Wohlfühlhaushalt. Er ist ein ehrlicher, realistischer und notwendiger Schritt, um die finanzielle Lage unserer Gemeinde transparent darzustellen und die Richtung vorzugeben, in die wir uns bewegen müssen.
Ich bitte Sie alle - den Gemeindevorstand, die Verwaltung, die Bürgerinnen und Bürger und besonders die Mitglieder der Gemeindevertretung - um eine sachliche, konstruktive und offene Beratung. Lassen Sie uns gemeinsam die notwendigen Maßnahmen entwickeln, um auch künftig handlungsfähig zu bleiben.
Wir haben engagierte Menschen, starke Vereine und eine leistungsfähige Wirtschaft vor Ort. Wenn wir diese Stärken nutzen und verantwortungsvoll handeln, werden wir auch die kommenden Jahre erfolgreich gestalten.
Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit.