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Kalbacher Nachrichten
Ausgabe 31/2026
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Vortrag über demenzkranke Menschen

Kalbach.

Zu einem Vortrag zum Thema „Wie gehe ich als Angehöriger mit demenzkranken Menschen um?“ hatte das Team der Seniorenbeauftragten der Gemeinde Kalbach eingeladen.

Seniorenbeauftragter Bruno Fischer begrüßte im Bistro des Seniorenzentrums ArteCare Kalbach als Gastreferenten den Chefarzt der Klinik für Geriatrische und Innere Medizin am Herz-Jesu-Krankenhaus Fulda, Herrn Dr. med. Steffen Schlee. Ebenso hieß er die zahlreichen Zuhörer willkommen, die das Bistro bis auf den letzten Platz füllten.

Zu Beginn seines Referats erklärte Dr. med. Steffen Schlee, dass in der Bundesrepublik Deutschland etwa 1,8 Millionen Menschen an Demenz leiden – das entspricht ungefähr der Einwohnerzahl von Hamburg.

Was bedeutet Demenz? Demenz ist eine Erkrankung des Gehirns, bei der nach und nach wichtige Fähigkeiten verloren gehen. Erinnerungen, Sprache, Orientierung sowie Denk- und Planungsfähigkeit nehmen ab. Im weiteren Verlauf verändert sich auch das Verhalten der Betroffenen. Dabei gilt es stets zu bedenken: Demenz nimmt Fähigkeiten – nicht aber die Würde des Menschen.

Anschließend erläuterte Dr. med. Schlee den Unterschied zwischen normaler Vergesslichkeit und einer Demenzerkrankung. Bei einer Demenz werden beispielsweise Namen naher Angehöriger vergessen, Gegenstände an völlig ungewöhnlichen Orten abgelegt sowie Termine und wichtige Ereignisse dauerhaft vergessen. Wörter fehlen häufig oder werden durch andere ersetzt. Zudem geht die Orientierung selbst in vertrauter Umgebung verloren, und der Alltag kann zunehmend nicht mehr eigenständig bewältigt werden. Entscheidend sei nicht das Vergessen allein, sondern der Verlust der Selbstständigkeit im Alltag, betonte der Referent.

Wie kommuniziere ich mit demenzkranken Menschen?

„Verstehen, Verbinden und Vertrauen“ – diese drei Begriffe stellte Dr. med. Schlee in den Mittelpunkt seiner Ausführungen. Worte seien wichtig, aber nicht alles. Zuhören schaffe Nähe und Sicherheit, Einfühlungsvermögen öffne Türen, auch wenn Worte fehlten. Gute Kommunikation sei der Schlüssel zu Beziehung und Verständnis. Menschen mit Demenz verstünden oft mehr, als man denke – sie benötigten jedoch andere Wege, um gehört und verstanden zu werden.

Besonders wichtig sei es, aufmerksam zuzuhören und auch zwischen den Worten zu hören. Ein freundlicher Blick vermittle Nähe und Sicherheit. Gefühle sollten wahrgenommen, benannt und ernst genommen werden, denn Empathie verbinde Menschen. Kurze Sätze, einfache Wörter und eine ruhige Sprache erleichterten das Verstehen. Ebenso wichtig seien Zeit zum Verarbeiten und zum Antworten sowie Geduld. Es gehe nicht darum, perfekt zu kommunizieren, sondern darum, miteinander in Verbindung zu bleiben. Auch Pausen seien wertvoll, betonte der Referent.

Bei Wortfindungsstörungen solle man geduldig warten, Blickkontakt halten, gegebenenfalls den ersten Buchstaben nennen oder das Gesuchte umschreiben und stets eine positive Rückmeldung geben. Wichtig sei, Zeit zu geben, nicht zu drängen und unterstützende Impulse zu geben, ohne die Antwort vorwegzunehmen.

Bei wiederholten Fragen gelte es, ruhig und freundlich zu antworten und vor allem die Geduld zu bewahren. Ebenso sollten die Gefühle der Betroffenen ernst genommen werden. Es sei wichtig zu zeigen: „Ich bin für Sie da.“ Gefühle sollten nicht weggeredet, sondern verstanden werden. Wertschätzung und Sicherheit könnten Ängste lindern.

Auch bei der Pflege sollten Wahlmöglichkeiten angeboten werden, etwa mit Fragen wie: „Möchten Sie sich jetzt waschen oder später?“ oder „Was möchten Sie selbst übernehmen?“ Gemeinsam mit dem Betroffenen solle man in kleinen Schritten vorgehen und jeden Erfolg loben. So bleibe die Selbstbestimmung möglichst lange erhalten, und gemeinsam könnten Lösungen gefunden werden – ohne Druck auszuüben.

Ein weiterer wichtiger Punkt sei das Nutzen von Erinnerungen. Fragen wie „Was war früher?“ oder „Erzählen Sie mir davon“ könnten wertvolle Gespräche eröffnen. Erinnerungen seien Brücken zu Gefühlen und gäben Identität, Verbundenheit und Freude.

Abschließend betonte Dr. med. Steffen Schlee, dass gute Kommunikation der Schlüssel zu einer wertschätzenden Beziehung sei. Sie helfe dabei, Vertrauen aufzubauen, Sicherheit zu vermitteln und gemeinsam Lösungen zu finden – auch wenn Worte fehlten oder die Orientierung schwerfalle. Ziel sei es, Menschen mit Demenz durch achtsame Kommunikation respektvoll zu begleiten, ihre Würde zu stärken und dazu beizutragen, ihr Leben so lebenswert wie möglich zu gestalten.

Bruno Fischer bedankte sich bei Dr. med. Steffen Schlee für dessen verständlichen und eindrucksvollen Vortrag. Er betonte, dass die Ausführungen außerordentlich gelungen und für ihn geradezu beispielhaft gewesen seien.

Als Gastgeschenk überreichten Robert Jung vom Haus ArteCare und Seniorenbeauftragter Bruno Fischer dem Referenten einen Präsentkorb mit verschiedenen Köstlichkeiten.

Im Anschluss nutzten die Zuhörer die Gelegenheit, sich bei Getränken und einem Imbiss auszutauschen.

Text: Bruno Fischer
Bilder: Arnd Rössel