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Kalbacher Nachrichten
Ausgabe 39/2026
Vereine und Verbände
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Förderverein Landsynagoge Heubach - Von Vertreibung, Nationalismus und der Chance zur Begegnung

Karl Josef Gruber erläuterte auch die historischen Wurzeln der Vertreibung der Sudetendeutschen.

Heubach. „80 Jahre Vertreibung der Sudetendeutschen“ – ein Thema von vorgestern? Offenbar nicht. Denn als sich kürzlich Karl Josef Gruber in Heubachs ehemaliger Synagoge auf Einladung des Fördervereins mit diesem Thema auseinandersetzte, gab es dort keinen freien Stuhl mehr.

Gruber, als Enkel aus Zwug (heute Zbůch), einem Dorf südwestlich von Pilsen, vertriebener Sudetendeutscher, in Heubach aufgewachsen, beschränkte sich nicht auf Familiengeschichte, sondern bettete sein Referat in eine Zusammenschau der historischen Entwicklungen seit dem ausgehenden Mittelalter.

So wurde das angespannte Verhältnis zwischen der tschechischen Mehrheitsbevölkerung und der deutschen Minderheit erklärbar. Mit dem Zusammenbruch der Habsburger-Monarchie und dem erstarkenden Nationalismus wuchsen die Konflikte zwischen der entstandenen Tschechoslowakei und der deutschsprachigen Minderheit. Als Hitler mit dem „Münchener Abkommen“ von 1938 die Annexion des „Sudetenlandes“ erpresste, wurde die Tschechoslowakei von den Alliierten im Stich gelassen.

Mit der totalen Niederlage des Nazi-Reichs war das Schicksal der Deutschen besiegelt: Bei der Potsdamer Konferenz beschlossen die Siegermächte eine Aussiedlung der Deutschen und Ungarn aus der Tschechoslowakei. Gleich nach dem Kriegsende brachen sich Hass- und Rachegelüste Bahn: Deutsche wurden ermordet, misshandelt, vertrieben und um ihr Hab und Gut gebracht. 1945 wurde die deutsche Bevölkerung zunächst zu Zwangsarbeit eingesetzt, dann erfolgte 1946 die Vertreibung.

Grubers Großmutter samt Kindern landete schließlich im nordhessischen Niedervorschütz. Der Großvater, der NSDAP-Mitglied und Bürgermeister von Zwug gewesen war, befand sich zu dieser Zeit in Haft und kam erst später zu seiner Familie. Das Verlangen der Großeltern, wieder als Landwirte tätig zu sein, brachte die Familie schließlich nach Heubach auf den „Koarbalze“ Hof.

„Nicht die Tschechen haben uns vertrieben, sondern der Nationalismus“, zitierte Gruber einen Satz vom „Sudetendeutschen Treffen“ im tschechischen Brno. Der Enkel griff das Motto dieses Treffens auf: „Alles Leben ist Begegnung“. Wo diese nicht stattfinde, komme es zu Unverständnis. „Und das nutzen Extremisten stets zum Unheil der Völker aus. Wagen wir also Begegnung, kommen wir mit dem uns Fremden ins Gespräch.“