Mitarbeitende von Städten und Gemeinden im Naturpark Knüll tauschten sich zur naturnahen Gestaltung von Friedhöfen aus © Katrin Anders, Janica Buschbeck
Gemeinsam mit neun Städten und Gemeinden engagiert sich der Naturpark Knüll für mehr Naturvielfalt auf den kommunalen Grünflächen. Im Rahmen einer Exkursion mit Mitarbeitenden der teilnehmenden Kommunen ging es kürzlich um die naturnahe Gestaltung von Friedhöfen.
Friedhöfe sind zentrale kommunale Grünflächen innerhalb der Orte – oft großflächig, ruhig gelegen, wenig versiegelt und mit alten Gehölzbeständen. Genau dort kann ökologische Aufwertung besonders wirksam und sichtbar werden.
Der Wandel der Bestattungskultur verändert die Flächennutzung auf Friedhöfen. Dies ist nicht nur eine Herausforderung für die Friedhofsplanung, sondern auch eine Chance. Städte und Gemeinden können Friedhöfe neu denken: weniger reine Grabflächenverwaltung, mehr multifunktionale Grünfläche mit Würde, Naturwert und Aufenthaltsqualität.
Durch Blühwiesen statt kurz gemähter Rasenflächen, heimische Stauden und Gehölze, insektenfreundliche Grabumfelder, alte Bäume, Laub- und Totholzbereiche sowie wasserdurchlässige Wege können Friedhöfe zu Trittsteinbiotopen im Siedlungsraum werden. Sie verbinden Lebensräume, verbessern das Mikroklima und machen biologische Vielfalt für Bürgerinnen und Bürger direkt erfahrbar.
Die Exkursion führte zunächst nach Morschen. Dort zeigte Anette Leck, zuständig für das Bauamt und die Friedhofsverwaltung, eindrucksvoll, wie der Friedhof in Morschen in den vergangenen Jahren unter Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger umgestaltet wurde. Insbesondere die Integration eines Friedhaines (Urnenbestattung unter Bäumen) fand großen Anklang. In Homberg zeigten die Mitarbeitenden des Bauhofs, wie freigewordener Platz auf dem alten Friedhof zu mehrjährigen Staudenbeeten umgestaltet wurde. In Frielendorf wurde eine große Blühwiese, umsäumt von heimischen Wildrosen, im Ortsteil Welcherod angelegt, und auf dem Hauptfriedhof im Kernort ist inzwischen eine halbanonyme Bestattung unter einer großen Hainbuche möglich. Weiterhin werden große, nicht mehr genutzte Flächen seltener gemäht.
Im Anschluss traf sich die Gruppe im Frielendorfer Rathaus, und Projektleiterin Janica Buschbeck zeigte weitere Beispiele zur naturnahen Gestaltung von Friedhöfen. Die Anwesenden waren sich einig, dass der Austausch zu diesem Thema in Zukunft gestärkt werden soll. Hierzu sollen auch Friedhofskommissionen, Bestattungsunternehmen, Steinmetze u.a. eingebunden werden.
Die naturnahe Gestaltung kommunaler Friedhöfe ist ein wichtiger Baustein des Projekts ‚Ökologisches Grünflächenmanagement in den Siedlungsgebieten des Naturparks Knüll‘. Friedhöfe sind bedeutende innerörtliche Grünflächen und können durch angepasste Pflege, heimische Pflanzen und strukturreiche Bereiche zu wertvollen Lebensräumen für verschiedene Tierarten werden. Zugleich bleiben sie würdevolle Orte des Erinnerns und werden als klimaangepasste, artenreiche Grünräume für die Bevölkerung erlebbar. So tragen sie unmittelbar zur biologischen Vielfalt, zum natürlichen Klimaschutz und zur Lebensqualität in den Städten und Gemeinden des Naturparks Knüll bei.
Das Projekt verfolgt das Ziel, in den Siedlungsgebieten eine höhere Vielfalt heimischer Pflanzen zu erhalten und zu schaffen, Grünflächen extensiver zu pflegen und dadurch Lebensräume sowie Nahrungsquellen für Insekten, Vögel und Kleintiere bereitzustellen. Gemeinsam mit den Kommunen Alheim, Frielendorf, Homberg (Efze), Neuenstein, Neukirchen, Niederaula, Oberaula, Ottrau und Schwarzenborn setzt der Naturpark diese Förderung biologischer Vielfalt in den Orten um.
Das Projekt ist Teil der Bundesinitiative ‚Aktionsprogramm natürlicher Klimaschutz‘ und wird zu 80 % von der KfW-Bank mit Mitteln für den natürlichen Klimaschutz in Kommunen gefördert.