Sind sich einig, dass regionale Leitstellen erhalten werden müssen: Fachdienstleiter Gefahrenabwehr Thorsten Bloß, Kreisbrandinspektor Marco Kauffunger, Leitstellendisponent Florian König, Leiter der Zentralen Leitstelle Sebastian Landsberg und Landrat Torsten Warnecke (von links).
Arbeiten im Bereich Täterarbeit zusammen: Christel Zimmermann (stellvertretende Frauen- und Gleichstellungsbeauftragte), Corinna Zehender (Frauen- und Gleichstellungsbeauftragte), Erster Kreisbeigeordneter Dirk Noll, Runa Aasland-Jost (Geschäftsführerin AWO Werra-Meißner), Täterberater Andreas Länge und Maria Franke (Leitung Beratungsstelle für Schwangerschaft, Familie und Sexualität, AWO Werra-Meißner).
Regionale Leitstellen sichern schnelle und verlässliche Hilfe, Torsten Warnecke warnt vor Zentralisierung
Hersfeld-Rotenburg, 27. Januar 2026 - Landrat Torsten Warnecke ist sich mit Thorsten Bloß, Leiter des Fachdienstes Gefahrenabwehr und Kreisbrandinspektor Marco Kauffunger einig, dass regionale Leitstellen erhalten werden müssen.
„Die Zentrale Leitstelle des Landkreises Hersfeld-Rotenburg ist ein unverzichtbarer Bestandteil der öffentlichen Gefahrenabwehr und weit mehr als eine reine Rettungsdienst-Disposition. Wer Leitstellen ausschließlich unter Kostengesichtspunkten betrachtet, verkennt ihre tatsächliche Rolle“, sagt Landrat Torsten Warnecke.
Ortskenntnis rettet Zeit und Leben
Ein wesentlicher Vorteil regionaler Leitstellen ist die konkrete Orts- und Strukturkenntnis. Disponentinnen und Disponenten kennen nicht nur Straßennamen, sondern auch topografische Besonderheiten, Zufahrten, Gefahrenlagen und lokale Netzwerke.
Ein Beispiel vom Anfang des Jahres zeigt das eindrücklich: Bei einem Brand auf Schloss Ludwigseck konnte der diensthabende Disponent aufgrund seiner Ortskenntnis sofort erkennen, dass die steile Zufahrt bei Glätte problematisch sein könnte. Parallel zur Alarmierung der Feuerwehr wurde der Bauhof eingebunden, um bei Schwierigkeiten einzugreifen.
„Solche Entscheidungen kann niemand treffen, der irgendwo in Hessen sitzt und noch nie im Landkreis Hersfeld-Rotenburg unterwegs war, sondern nur ein Mensch mit regionaler Erfahrung und dem passenden Netzwerk“, so Landrat Warnecke: „Im ländlichen Raum wird gemeinsam angepackt und schnellstmöglich gemeinsam ein Problem gelöst.“
Hintergrund: Mitte des vergangenen Jahres haben die Landesvertretung Hessen des Verbands der Ersatzkassen e.V. (vdek), die Kassenärztliche Vereinigung Hessen und die Björn Steiger Stiftung die aktuelle Struktur des Rettungsdienstes in Hessen kritisiert und eine landesweite virtuelle Gesundheitsleitstelle gefordert.
Leitstelle ist mehr als Rettungsdienst
In der Debatte wird seitens des Verbands der Ersatzkassen und der Kassenärztlichen Vereinigung fast ausschließlich der Rettungsdienst betrachtet. „Dabei wird ausgeblendet, dass die Leitstelle auch für sämtliche Feuerwehren, den Katastrophenschutz, die Zivile Verteidigung sowie die Warnung der Bevölkerung verantwortlich ist“, so Kreisbrandinspektor Marco Kauffunger.
Zudem ist die Leitstelle eng mit dem Fachdienst Gesundheit, etwa bei Infektionslagen, der Krankenhauslandschaft und lokalen Hilfsorganisationen und ehrenamtlichen Strukturen verzahnt.
„Diese kurzen Wege, persönlichen Kontakte und gewachsenen Netzwerke sind ein zentraler Erfolgsfaktor, gerade im ländlichen Raum“, betont Thorsten Bloß.
Vernetzt statt zentralisiert
Bereits heute sind die hessischen Leitstellen in einem Leitstellenverbund organisiert. Notrufe gehen nicht verloren, Überläufe werden im Notfall von Leitstellen aus Nachbarkreisen übernommen. Außerdem sind moderne Techniken wie eCall aus Fahrzeugen, oder digitale Notrufsysteme, wie beispielsweise EmergencyEye, längst integriert.
Die Zukunft liegt in einheitlichen Standards, moderner Technik und besserer Verzahnung der Systeme, aber ganz sicher nicht im Abbau regionaler Strukturen“, so Landrat Warnecke.
Sicherheit braucht Nähe
Der Landkreis Hersfeld-Rotenburg wird sich daher klar dafür einsetzen, dass regionale Leitstellen erhalten und weiterentwickelt werden. Eine Reform der Notfallversorgung darf nicht zu Lasten der Sicherheit, Erreichbarkeit und Qualität gehen.
„Unsere Bürgerinnen und Bürger erwarten zu Recht, dass im Notfall jemand ans Telefon geht, der weiß, wo Ransbach, Oberellenbach oder Rhina liegen - und welche Ressourcen vor Ort verfügbar sind“, so Warnecke abschließend.
Konkreter Schutz für Frauen vor Gewalt vor Ort kann besser erfüllt werden
Hersfeld-Rotenburg, 28. Januar 2026 - Der Runde Tisch gegen häusliche und sexualisierte Gewalt im Landkreis Hersfeld-Rotenburg hat in 2023 eine Bestandsaufnahme zur Umsetzung der Istanbul-Konvention auf Landkreisebene veröffentlicht. Als vorrangiger Handlungsbedarf im Bereich der Prävention wurde dabei unter anderem der Ausbau der Täterarbeit identifiziert.
Aktuell stehen im Landkreis Hersfeld-Rotenburg für Täter häuslicher Gewalt vier Beratungsstunden pro Monat zur Verfügung. Der Bedarf übersteigt diese bisherigen zur Verfügung stehenden Beratungsstunden, weshalb eine Ausweitung des Angebots sinnvoll ist. Der ausführende Träger ist die Arbeiterwohlfahrt (AWO) Werra-Meißner e.V. mit dem Täterberater Andreas Länge. Der Landkreis Hersfeld-Rotenburg erweitert durch die Unterzeichnung des neuen Vertrags das bestehende Angebot der Täterarbeit bei häuslicher Gewalt im Landkreis auf ein wöchentliches Beratungsangebot vor Ort in Bad Hersfeld.
„Durch den jetzt geschlossenen Vertrag mit der AWO Werra-Meißner freuen wir uns, das Angebot der Täterarbeit im Landkreis erweitern zu können und somit einen Handlungsbedarf im Rahmen der Umsetzung der Istanbul-Konvention bei uns vor Ort besser erfüllen zu können. Dabei behalten wir die Entwicklungen im Zusammenhang mit dem Gewalthilfegesetz stets im Blick“, erklärt der Erste Kreisbeigeordnete Dirk Noll.
Ziel ist die Förderung gewaltfreier Konfliktlösungen, die nachhaltige Veränderung gewaltförmiger Verhaltensmuster und der Schutz von (Ex-)Partnern und Kindern. Die Erweiterung soll durch zusätzliche Beratungs-, Interventions- und Kooperationsleistungen umgesetzt werden. Dabei soll die Reichweite und Zugänglichkeit der Täterarbeit erhöht werden und somit werden präventive Ansätze zur Vermeidung häuslicher Gewalt im Landkreis Hersfeld-Rotenburg gestärkt.
Mit der Erweiterung des bestehenden Angebots im Bereich der Täterarbeit macht der Landkreis Hersfeld-Rotenburg einen wichtigen Schritt in die richtige Richtung. Dadurch kann der Bedarf zukünftig besser gedeckt und der Ausbau der Täterarbeit weiter forciert werden“, bilanziert Runa Aasland-Jost, Geschäftsführerin des AWO Kreisverbands Werra-Meißner.
Darüber hinaus wird die Zusammenarbeit mit der Polizei, Justiz, Jugendhilfe und Opferschutzeinrichtungen weiter verbessert. Durch das Gewalthilfegesetz, welches in 2025 vom Bundestag verabschiedet wurde, ist Täterarbeit gesetzlich verankert. Das Gesetzgebungsverfahren für ein hessisches Ausführungsgesetz muss bis Ende 2026 abgeschlossen sein.
„Täterarbeit ist konkreter Schutz für Frauen vor Gewalt. Wir begrüßen ausdrücklich, dass auf Initiative des Frauen- und Gleichstellungsbüros nun das bestehende Angebot erheblich erweitert wurde und freuen uns, dass mit Andreas Länge ein Täterarbeiter mit hoher fachlicher Kompetenz im Landkreis vor Ort tätig ist“, ergänzt Corinna Zehender, Frauen- und Gleichstellungsbeauftragte in der Kreisverwaltung.