Titel Logo
Heimatblatt Langgöns
Ausgabe 15/2026
Informationen
Zurück zur vorigen Seite
Zurück zur ersten Seite der aktuellen Ausgabe

Retten, Teilen, Genießen: Foodsharing zu Gast beim Seniorenmittagstisch in Oberkleen

Mit Neugier und Freude stöbern die Besucher des Seniorenmittagstischs durch die geretteten Lebensmittel und stellen sich ihre Auswahl zusammen.

Engagiert für den guten Zweck: Vier der Foodsharing-Damen aus Oberkleen präsentieren die geretteten Lebensmittel und geben Einblicke in ihre Arbeit gegen Verschwendung.

Foodsharing zu Gast beim Seniorenmittagstisch in Oberkleen

 

Oberkleen(ikr). Wenn es um ein Thema geht, das alle Generationen betrifft, dann ist es der verantwortungsvolle Umgang mit Lebensmitteln. Dass dabei Information, Engagement und Gemeinschaft Hand in Hand gehen können, zeigte eindrucksvoll der jüngste Seniorenmittagstisch im Oberkleener Dorfgemeinschaftshaus. Mit 85 Teilnehmern war die Veranstaltung, die monatlich angeboten wird, erneut sehr gut besucht – und bot weit mehr als nur ein gemeinsames Mittagessen.

Im Mittelpunkt stand diesmal die Vorstellung der Initiative „foodsharing", die sich international und auch auf lokaler Ebene gegen Lebensmittelverschwendung engagiert. Mitglieder des Netzwerks nutzten die Gelegenheit, ihre Arbeit vorzustellen und Einblicke in ein Projekt zu geben, das längst zu einer Bewegung geworden ist.

Was im Jahr 2012 in Köln begann, hat seit 2021 auch in Oberkleen Fuß gefasst. Aus zunächst privatem Engagement – etwa dem Verteilen geretteter Backwaren in der Nachbarschaft – entwickelte sich schnell ein stabiles Netzwerk. Heute ist Oberkleen Teil des Foodsharing-Bezirks „Gießen-Landkreis", in dem sich rund 210 Ehrenamtliche aktiv einsetzen, um Lebensmittel vor der Abfalltonne zu bewahren.

Ein wichtiger Bestandteil dieser Arbeit sind die sogenannten „Fairteiler": öffentlich zugängliche Schränke, die unter anderem in Butzbach, Heuchelheim, Großen-Buseck und Pohlheim zu finden sind. Hier können gerettete Lebensmittel unkompliziert abgeholt werden – ein niedrigschwelliges Angebot, das von vielen Menschen genutzt wird.

Schnell wurde deutlich, dass Foodsharing weit mehr ist als das bloße Verteilen von Lebensmitteln. Es geht um ein Umdenken: hin zu mehr Wertschätzung für Ressourcen. In Oberkleen wird dieser Gedanke besonders konsequent umgesetzt: Lebensmittel mit kleinen Makeln oder nahendem Mindesthaltbarkeitsdatum finden ihren Weg zurück auf den Teller. Was für den menschlichen Verzehr nicht mehr geeignet ist, wird dennoch sinnvoll genutzt – etwa als Futter für die Hühner und Schweine im Ort. So entsteht ein regionaler Kreislauf, in dem nahezu nichts verloren geht.

Doch neben dem ökologischen Aspekt steht auch das Miteinander im Vordergrund. Das gemeinsame „Fairteilen" hat in Oberkleen eine lebendige Gemeinschaft entstehen lassen. Hier werden nicht nur Lebensmittel geteilt, sondern auch Rezepte, Ideen und Erfahrungen. Der Austausch bringt Menschen zusammen – generationenübergreifend und offen für alle.

Im Anschluss an den Vortrag wurde das Thema ganz praktisch erlebbar: Die Besucher konnten sich an einem umfangreich bestückten Foodsharing-Stand bedienen. Mit bereitgestellten Taschen ausgestattet, sammelten sie frisches Obst und Gemüse, Süßigkeiten, Konserven und weitere gerettete Lebensmittel. Für viele war es überraschend, dass all dies kostenlos mitgenommen werden durfte. Ein besonderes Highlight bildete zudem eine Box mit geretteten Accessoires, die ebenfalls kostenlos mitgenommen werden durften und ebenfalls für strahlende Gesichter sorgte. So wurde der Nachmittag auf charmante Weise abgerundet.

Die Foodsharing-Damen zeigten bei diesem Seniorenmittagstisch eindrucksvoll, wie einfach es sein kann, Gutes zu tun – für die Umwelt und für die Gemeinschaft. Die Veranstaltung hinterließ nicht nur zufriedene Gäste, sondern auch neue Denkanstöße. Denn eines wurde an diesem Nachmittag deutlich: Lebensmittel retten heißt nicht verzichten, sondern gewinnen – an Bewusstsein, an Gemeinschaft und an Genuss.