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Heimatblatt Langgöns
Ausgabe 17/2026
Heimatblatt
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Entsorgte Autos sorgen für Aufregung – und einen Social-Media-Sturm

Drei im Feld abgestellte Autos sorgen am Wochenanfang für Aufsehen

Blick ins Innere eines Fahrzeugs

Langgöns (ikr). Ein grauer Montagmorgen in Lang-Göns, feuchte Luft über den Feldern der östlichen Gemarkung – und dann dieser ungewöhnliche Anblick: Drei Autos, offenbar seit Längerem dem Verfall preisgegeben, stehen plötzlich am Feldrand. Matthias Boida bleibt stehen, schaut genauer hin. Was auf den ersten Blick wie ein vergessener Abstellplatz wirkt, entpuppt sich schnell als handfester Fall von illegaler Entsorgung.

„Das ist dreist, einfach mal drei Autos entsorgt: Ortspolizei ist informiert", schreibt Boida wenig später in der Facebook-Gruppe Langgöns. Zuvor hatte er noch versucht, eine harmlose Erklärung zu finden. Da die Fahrzeuge nur etwa 200 Meter vom Schrotthandel Willi Eimer entfernt stehen, liegt für ihn die Vermutung nahe, dass sie seitens der Firma dort lediglich zwischengelagert wurden. Ein Anruf beim Händler bringt jedoch Klarheit: Eimer weiß von nichts. Boida informiert daraufhin das Ordnungsamt der Gemeinde, die Polizei nimmt die Ermittlungen auf.

Was dann folgt, hatte mit einem gewöhnlichen Facebook-Post wenig zu tun. Nachdem Boida Fotos und einen kurzen Kommentar veröffentlicht hat, entwickelt sich eine Dynamik, die selbst ihn überraschte. „Das war der Wahnsinn", sagt er rückblickend. Mehr als 300 Kommentare gingen ein – nicht nur aus der Region, sondern „aus ganz Deutschland und sogar aus Österreich".

Besonders aktiv: Auto-Enthusiasten. „Vor allem die Opel-Leute waren wie wild", berichtet Boida. Auf den Bildern erkannten sie sofort, dass es sich um über 20 Jahre alte Opel-Fahrzeuge handelt – für Liebhaber gesuchte Raritäten. Ersatzteile seien kaum noch zu bekommen, entsprechend groß das Interesse. „Ich habe erfahren, dass Sammler bis zu 2000 Euro pro Auto zahlen würden."

Dabei waren die Wagen erst kurz zuvor aufgetaucht. „Am Sonntag standen sie noch nicht dort", sagt Boida. Für ihn ist klar: Die Fahrzeuge müssen in der Nacht zum Montag abgestellt worden sein. Anderslautende Kommentare in den sozialen Netzwerken, die von einem angeblichen „Lost Place" und jahrelangem Verbleib der Autos an dieser Stelle sprachen, weist er entschieden zurück.

Am Dienstagmorgen dann die nächste Wendung: Eines der Autos ist verschwunden, also geklaut worden, bei einem anderen fehlen die Rückleuchten. „Allein die sollen rund 400 Euro wert sein", erzählt Boida. Ein Interessent habe ihn sogar direkt darauf angesprochen – woraufhin er klarstellen musste, dass ihm die Fahrzeuge gar nicht gehören.

Überhaupt entwickelte sich die Diskussion im Netz zu einer Mischung aus Fachsimpelei, Kaufinteresse und Humor. Zwischen ernst gemeinten Anfragen („Wo ist das, ich nehme alle drei") fanden sich auch augenzwinkernde Kommentare: „Vielleicht nur vergessen, die Parkscheibe einzustellen?", „Hat sich Ralf Schumacher schon gemeldet?" oder „Sieht nach ’nem Opeltreffen aus – wo liegen die betrunkenen Fahrer?"

Und dann war da noch der Vorwurf, alles sei nur inszeniert. Boidas Reaktion ließ nicht lange auf sich warten: „Dir geb’ ich Fake – in Langgöns zählt die Wahrheit noch was", schrieb er zurück – und nimmt das Ganze mit Humor.

Seine eigene Theorie zum Ursprung der Fahrzeuge: Die stark vermoosten Autos könnten lange auf einem Grundstück im Freien gestanden haben. Möglicherweise sei der Besitzer verstorben, und die Erben hätten sich auf einfachem Weg der Fahrzeuge entledigen wollen. „Fairerweise haben sie sie zumindest in der Nähe einer Autoverwertung abgestellt", sagt Boida – fügt aber hinzu: „Das war trotzdem dumm." Denn beim Schrotthändler hätte es ohne großen Aufwand Geld gegeben: unbesehen mindestens 100 Euro pro Auto, in manchen Fällen sogar bis zu 400 Euro – von möglichen Sammlerpreisen ganz zu schweigen.

Unterdessen hat sich die Situation vor Ort geklärt: Willi Eimer bot der Gemeinde an, die verbliebenen zwei Fahrzeuge kostenlos abzuholen – und hat dies bereits getan. „Wer weiß, vielleicht wären sie sonst sowieso nach und nach verschwunden", meint Boida augenzwinkernd.

Bürgermeister Marius Reusch bestätigt die laufenden Ermittlungen. Es sei durchaus denkbar, dass die Autos bewusst in der Nähe des Schrotthandels abgestellt wurden. Hinweise auf den Halter erhofft man sich unter anderem durch im Fahrzeug gefundene alte Kennzeichen und einen ausgedruckten Routenplaner. Zudem deuten die Fahrspuren darauf hin, dass die Wagen „vom Limes kommend" an den Feldrand geschleppt oder gezogen wurden. Reusch dankt ausdrücklich Willi Eimer für die schnelle und unbürokratische Unterstützung.

Der Vorfall wirft jedoch auch ein größeres Problem auf. Illegale Müllentsorgung sei „seit langem und mit zunehmender Tendenz ein großes Ärgernis", betont der Bürgermeister. Besonders betroffen seien in der Großgemeinde unter anderem der Bereich am Magna Park und dem Moto-Cross-Platz.

Was bleibt, ist neben dem Ärger über die illegale Entsorgung auch die Erkenntnis, wie schnell ein lokaler Fund bundesweite Aufmerksamkeit erlangen kann. Oder, wie Boida es formuliert: „Ich hätte nie gedacht, dass das so läuft – Social Media ist eine eigene Welt mit ganz eigener Dynamik."