Birgit Müller bekommt von Volkhard Guth die Entpflichtungs-Urkunde überreicht.
Den Gottesdienst zur Verabschiedung von Pfarrerin Birgit Müller gestalteten viele Menschen mit, die unterschiedliche Stationen ihres Berufslebens mit ihr geteilt haben.
Der MGV "Liederkranz" Cleeberg verabschiedete Birgit Müller bei der anschließenden Feier musikalisch.
Die Konfis luden Birgit Müller zum "Kutschenspiel" ein.
Cleeberg (ikr). „Birgit Müller ist eine Teamspielerin, von Anfang an bis zuletzt. Ich habe sie stets als kritische und motivierte Pfarrerin erlebt“ – mit diesen Worten würdigte Dekan Volkhard Guth eine Theologin, die ihre Gemeinde über viele Jahre hinweg geprägt hat: In einem feierlichen Gottesdienst wurde Birgit Müller am vergangenen Sonntag in der bis auf den letzten Platz gefüllten historischen Dorfkirche von Cleeberg verabschiedet. Nach 34 Jahren im kirchlichen Dienst tritt die 66-Jährige zum 1. Mai in den Ruhestand.
Höhepunkt des sehr persönlichen Gottesdienstes, zu dem neben Guth Rudolf Niederhäuser, Vorsitzender des Gesamtkirchenvorstands, sowie Präses Tobias Utter eingeladen hatten, war die Entpflichtung der Pfarrerin durch den Dekan. In seiner Ansprache zeichnete er das Bild einer engagierten Seelsorgerin. Müller habe sich stets eingebracht, auch wenn Entscheidungen Kraft kosteten. „Sie sprach Dinge an und bemühte sich um Klarheit und Klärung“, betonte Guth – Eigenschaften, die sie in der Gemeinde ebenso geschätzt wie unverwechselbar gemacht hätten.
Seit 2013 war Müller mit einer halben Stelle als Pfarrerin in Cleeberg und Espa tätig, die seit Jahresbeginn zur Gesamtkirchengemeinde Nördliche Wetterau gehören. Mit der anderen halben Stelle war sie zuletzt ab 2019 in der Altenseelsorge des Dekanats Wetterau engagiert. Ihr Wirken reichte jedoch weit darüber hinaus: Ob in der Konfirmanden-, der Jugendarbeit oder der Gestaltung von Gottesdiensten – Müller setzte immer wieder Impulse.
Besonders lebendig wurde der Gottesdienst in der Dialogpredigt, die Müller gemeinsam mit Pfarrer Volker Nies gestaltete. Persönliche Rückblicke verbanden sich dabei mit ihrem Leitvers aus Psalm 18: „Mit meinem Gott kann ich über Mauern springen.“
Dass ihr Lebensweg sie nach Cleeberg führte, hatte laut Guth auch eine eher ungewöhnliche Ursache. „Eigentlich haben wir es den Pferden von Birgit Müller zu verdanken, dass sie hierherzog“, sagte er augenzwinkernd. Die begeisterte Westernreiterin ist ebenso bodenständig wie vielseitig: Seit den 1980er Jahren betreibt sie außer dem Reitsport die japanische Kampfkunst Aikido und trägt den schwarzen Gürtel.
Geboren 1959 in Stuttgart und aufgewachsen in Frankfurt, führte Müllers beruflicher Weg zunächst ins Lehramtsstudium der Amerikanistik und Religion. Dass sie einmal Pfarrerin werden würde, konnte sie sich zunächst nicht vorstellen. Doch dann studierte sie doch Theologie. Nach Stationen in Frankfurt, Tübingen und Marburg sowie ihrem Vikariat in Frankfurt wurde sie 1992 ordiniert, war später Referentin für Kindergottesdienste und übernahm ab 2007 eine Pfarrstelle in Florstadt sowie parallel das Amt der Dekanatsjugendpfarrerin im Dekanat Wetterau.
Neben den offiziellen Worten prägten auch persönliche Segenswünsche den Abschied. Damit richteten sich Irene Dannemann, Ursula Seeger, Susanne Hess, Anita Weiße und Ernst Rohleder an die scheidende Pfarrerin. Mitgestaltet wurde der Gottesdienst zudem von Peter Bergmann, Mia Viehmann, Cornelia Hankel, David Lieder, Tatjana Krämer, Mitgliedern des Ortskirchenausschusses Cleeberg-Espa sowie Organist Florian Ilge.
Für das anschließende Fest im Bürgerhaus hatte ein engagiertes Vorbereitungsteam um Heike Klingelhöfer, Tatjana Krämer, Bettina Pfaff, Sarah Proske und Jutta Kutt ein reichhaltiges Buffet organisiert und für einen reibungslosen Ablauf gesorgt. Auf klassische Grußworte wurde bewusst verzichtet: Kirchenvorsteher Jörg Schmidt aus Cleeberg sprach kurz, auch als Vertreter für die Feuerwehr, den Ortsbeirat, den Kirchenvorstand sowie den Heimatverein und wies auf die schriftlichen Grußworte hin. So hinterließen zahlreiche Gäste persönliche Erinnerungen und Wünsche auf Pinnwänden, die später zu einem „Erinnerungsbuch“ gebunden werden. Für besondere musikalische Momente sorgte der MGV Cleeberg sowie Beiträge aus der Gemeinde – von einer musikalischen Einlage von Helmut Rühl bis hin zu einem augenzwinkernden „Kutschenspiel“ des Konfi-Teams.
Auch nach Birgit Müllers Abschied bleibt die kirchliche Versorgung in Cleeberg-Espa gesichert. Gottesdienste und Amtshandlungen werden weiterhin angeboten, erster Ansprechpartner ist künftig Pfarrer David Lieder aus Kirch-Göns sowie das Team des Gemeindebüros.