Strahlende Gesichter bei der symbolischen Schlüsselübergabe an Bürgermeister Marius Reusch
Der TreffPunkt Alte Feuerwehr soll ein attraktiver Ort für Bürger und Vereine in Lang-Göns werden
Musikalisch eröffnete der Männerchor des Gesangvereins Frohsinn 1855 Langgöns unter der Leitung von Ivan Bohdanov die Feier.
Auch die Plätze unter der Pergola waren voll besetzt.
Das Blasorchester in Aktion
Langgöns (ikr). Ein sonniger Frühlingsnachmittag, Stimmengewirr auf dem Vorplatz, dazu der Duft von Kaffee und frischem Kuchen – und mittendrin ein Gebäude, das lange Zeit kaum Beachtung fand. Jetzt ist es zurück im Leben des Ortes: Unter großem Publikumsandrang wurde am Freitag der neue „TreffPunkt Alte Feuerwehr“ im Niederhofen in Lang-Göns eröffnet.
Schon vor Beginn der offiziellen Feier füllte sich das Gelände schnell. Die Halle, deren weit geöffnete Türen nahtlos in die vorgelagerte Pergola übergingen, war bis auf den letzten Platz gefüllt, hunderte Bürger waren gekommen, dazu zahlreiche Gäste aus Politik, Wirtschaft und von Behörden. „Ein herrlicher Tag und ein wunderbarer Anlass, dieses neue alte Gebäude seiner Bestimmung zu übergeben“, sagte Bürgermeister Marius Reusch zur Begrüßung. Das Projekt sei „Ergebnis eines gemeinschaftlichen Prozesses“ – ein Satz, der an diesem Nachmittag immer wieder mit Leben gefüllt wurde.
Das ehemalige Feuerwehrhaus hatte seit 2010 leergestanden, wurde lediglich noch als Lagerraum genutzt. „Es hat eine lange Geschichte – die Frage war, wie es weitergehen soll“, erinnerte Reusch. Ziel sei es gewesen, einen zentralen Treffpunkt im Ort zu schaffen, der bislang gefehlt habe. Besonders das Ehrenamt und die örtlichen Vereine sollen profitieren.
Im Rahmen des Dorferneuerungsprogramms IKEK nahm die Idee schließlich Gestalt an – gemeinsam mit engagierten Bürgern. Ein besonderer Dank ging an den Architekten Rainer Tropp, der unter dem Begriff „Orangerie“ die Idee für das Projekt entwickelte. Historisch bezeichnete dieser Begriff Gewächshäuser für Zitruspflanzen – heute steht er in Lang-Göns sinnbildlich für einen offenen, lebendigen Begegnungsort. Mediterrane Pflanzen wie Palmen, große Oliven- und kleine Orangenbäume greifen diese Idee sichtbar auf. Der Name „TreffPunkt Alte Feuerwehr“ wiederum entstand durch einen Bürgerwettbewerb.
Rund 1,1 Millionen Euro wurden in die Umgestaltung investiert, davon etwa 500.000 Euro aus LEADER-Fördermitteln der ländlichen Regionalentwicklung. Das Projekt wurde Ende 2023 vom Gemeindeparlament einstimmig beschlossen, doch angesichts angespannter Haushaltslagen blieb in der Folge Kritik nicht aus – so wurde es von manchen als „Nice-to-have-Projekt“ bezeichnet. Reusch verteidigte die Entscheidung: „Der Bau ist auch ein kleiner Teil Wirtschaftsförderung. Vor allem aber geht es darum, Gemeinschaft möglich zu machen.“
Genau dafür soll der neue Treffpunkt nun stehen. Wo früher die Fahrzeuge standen, ist eine sogenannte Kalthalle entstanden – ausgelegt für Veranstaltungen mit bis zu 200 Personen. Ein Thekenbereich mit Grundausstattung ist vorhanden, auf eine vollständige Küche wurde bewusst verzichtet. Die Nutzungsmöglichkeiten sind vielfältig: Konzerte, Ausstellungen, Vorträge, Eltern-Kind-Angebote, Seminare oder Tauschmärkte – ebenso denkbar ist ein „grünes Klassenzimmer“ für die benachbarte Grundschule. Auch das Außengelände soll perspektivisch weiterentwickelt werden. Gemeinsam mit Bürgerhaus, Sportzentrum und Schule könnte so ein aufgewertetes Areal entstehen. Dass das Projekt auf breite Zustimmung stößt, war an diesem Nachmittag spürbar. Viele Lang-Gönser zeigten sich erleichtert, dass der frühere Leerstand – lange als Schandfleck empfunden – nun einer neuen Nutzung gewichen ist.
Der Langgönser Parlamentspräsident Martin Hanika erinnerte an die Planungsidee von Rainer Tropp, die Schaffung eines Veranstaltungsgebäudes am historischen nördlichen Ortsrand, am Übergang ins Freie: „Dies Ganze könnte ein längst überfälliger zentraler Ort für die soziale, kulturelle und identifikationsstiftende Wertigkeit von Lang-Göns werden.“ Landrätin Anita Schneider sagte: „Dieser Treffpunkt wird gebraucht. Um sich auszutauschen und zusammenzukommen, braucht man Räume – und das ist ein wunderbarer Platz.“ Weitere Grußworte sprachen Anne Peter-Lauff vom Amt für den ländlichen Raum, Kurt Hillgärtner, Vorsitzender des Vereins Region Gießener Land und Uwe Schmal vom Hessischen Landwirtschaftsministerium. Den symbolischen Schlüssel bekam der Bürgermeister von Architekt Mathias Herrlich überreicht.
Für Musik sorgte das Rahmenprogramm: Der Männerchor des Gesangvereins Frohsinn 1855 begann, später spielte das Blasorchester Langgöns ein Konzert. Der Seniorenbeirat und der Verein „Geselliges Lang-Göns“ sorgten für das leibliche Wohl. Am Abend rundete Musik von DJ René Arabin das gesellige Beisammensein ab. Am Ende blieb vor allem ein Eindruck: Hier ist mehr entstanden als ein umgebautes Gebäude. Es ist ein Ort, der Menschen zusammenbringt – und damit genau das erfüllt, was sich viele in Lang-Göns lange gewünscht haben. Wer den TreffPunkt künftig nutzen möchte, kann sich an Gemeindemitarbeiterin Kirstin Velten-Wanke wenden.