Das ist Rekord: Allein 1.040 „Weihnachten im (Schuh-)Karton“-Päckchen wurden liebevoll gepackt, gesammelt und auf den Weg in die Ukraine geschickt.
Palette für Palette verschwindet im Sattelschlepper.
Das ehrenamtliche Helferteam vor dem gepackten 23. Hilfstransport.
Langgöns (ikr). Es ist ein kalter Dezembertag, als der große Sattelzug langsam auf den Hof der Lagerhalle der Firma Eimer in Langgöns rollt. Die Ehrenamtlichen der Ukrainehilfe Langgöns um Pfarrer i. R. Eberhard Klein ziehen ihre Jacken enger, greifen zu Hubwagen und Packlisten. Karton für Karton, Palette für Palette wird verladen – nicht anonym, sondern mit dem Wissen, dass jede Kiste ein konkretes Ziel hat: ein Kind, eine Familie, eine Klinik, Menschen in einem vom Krieg gezeichneten Land. Mitte Dezember wurde der 23. Hilfstransport der Ukrainehilfe Langgöns seit Weihnachten 2022 beladen – ein weiterer Meilenstein eines außergewöhnlichen zivilgesellschaftlichen Engagements.
Mit 11,82 Tonnen Hilfsgütern, verteilt auf 33 Paletten sowie zahlreiche Einzelstücke, machte sich der Lastwagen anschließend auf den Weg in die Ukraine, in die Städte Korosten und Borispol. Insgesamt hat die Ukrainehilfe Langgöns damit bereits 275,84 Tonnen Hilfsgüter in die Ukraine gebracht – getragen von Spenden, Sachleistungen und unzähligen ehrenamtlichen Arbeitsstunden.
Ein besonderer Schwerpunkt dieses Transports gilt den Jüngsten. 14 Paletten sind ausschließlich für Kinder bestimmt. Herzstück sind 1.040 „Weihnachten im (Schuh-)Karton“-Päckchen, von unzähligen Menschen aus Langgöns und der Region liebevoll gepackt für Kinder im Alter von einem bis 14 Jahren – ein bisheriger Rekord. Dazu kommen Spielwaren, Kleidung, Schuhe sowie Kinderwagen, Betten und Reisebetten. Ergänzt werden die Pakete durch süße Weihnachtsüberraschungen: drei Paletten mit rund 9.800 Süßigkeiten von Ferrero sowie zusätzliche Spenden von REWE aus Obermörlen. „Für viele Kinder, die seit Monaten oder Jahren im Ausnahmezustand leben, bedeuten diese Päckchen weit mehr als Geschenke – sie stehen für Aufmerksamkeit, Normalität und einen Moment unbeschwerter Freude“, betont Eberhard Klein.
Wie wichtig diese Zeichen sind, beschreibt Marina Mashkova aus Borispol, Dolmetscherin und Unterstützerin beim Kinderurlaubsprojekts 2024 der Hilfsorganisation. Sie wird allein in einer Schule 41 der Weihnachtspäckchen verteilen. In ihrem Dankesbrief schreibt sie: „Es bedeutet uns sehr viel zu wissen, dass Sie an uns denken und uns so tatkräftig helfen. Ihre Hilfe schenkt Hoffnung und Wärme.“
Ein zweiter Schwerpunkt liegt auf Hilfsmitteln für Soldaten und Einsatzkräfte. Geladen wurden unter anderem Schlafsäcke, Taschenlampen, Campinglaternen, Gasheizungen und -brenner, Powerstationen, Generatoren und Powerbanks. Hinzu kommen dringend benötigte Hygieneartikel, T-Shirts in dunklen Farben sowie Medikamente und 1.250 sogenannte Büchsenlichter für Orte ohne verlässliche Stromversorgung. Besonders praktisch sind auch die 23 Leitern aus Holz und Metall, die bei Aufräumarbeiten und der Minensuche eingesetzt werden können.
Rund 300 gebrauchte und neue Werkzeuge und Maschinen bilden den dritten Schwerpunkt. Sie sind für Feuerwehren und Soldaten bestimmt und reichen von Notstromaggregaten und Benzinkanistern über elektrische Maschinen bis hin zu Schaufeln, Äxten, Sägen, Heizstrahlern und Seilzügen. Diese Ausrüstung hilft dort, wo Infrastruktur zerstört ist und Menschen selbst anpacken müssen, um Sicherheit und Ordnung wiederherzustellen.
Der vierte Schwerpunkt richtet sich an Kliniken, Krankenstationen, Hospize und Heime. Vier Paletten mit 138 Kartons enthalten medizinisches Verbrauchsmaterial, Pflege- und Hygienemittel, Verbandsmaterial, Schutzkleidung und Desinfektionsmittel – Dinge, die im Kriegsalltag überlebenswichtig sind. Rund 220 Kartons und Plastiksäcke mit Kleidung, Decken sowie private Pakete runden den Transport ab.
Die Arbeit der Ukrainehilfe geht weiter: Zwei weitere Hilfslieferungen sind bereits geplant: Die nächsten Beladungen sollen am 9. Januar und 6. Februar erfolgen. Rund 70 Paletten stehen dafür schon bereit. Eine weitere Frühjahrssammlung ist für Februar/März vorgesehen. „Unsere Hilfe kommt eins zu eins bei den Menschen in der Ukraine an. Sie ist aber nur dadurch möglich, weil so viele Menschen mit anpacken und spenden. Dafür bin ich zutiefst dankbar“, sagte Klein.
Als der Sattelzug schließlich vom Hof der Lagerhalle rollt, bleibt für einen Moment Stille zurück. Doch sie ist gefüllt mit dem Wissen, dass aus Langgöns erneut konkrete Hilfe auf den Weg gebracht wurde – Hilfe, die ankommt.
Spenden sind willkommen, um diese humanitäre Arbeit fortsetzen zu können. Sie werden über das Konto der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde Lang-Göns gesammelt (IBAN: DE81 5139 0000 0015 3800 04, Verwendungszweck: Ukrainehilfe).