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Heimatblatt Langgöns
Ausgabe 23/2026
Gestaltung Innenteil Seite 6
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Von Oberkleen bis zum Schrenzer: Neuer Wanderweg macht Weidigs Leben erlebbar

Die Streckenführung des Weidig-Wanderwegs

Sie enthüllen am Weidig-Gedenkstein eine der zwölf Informationstafeln, die entlang des neuen Wanderweges platziert wurden (v. l.): Annette Wetekam, Marius Reusch, Sascha Huber und Birgit Weckler

Eine der zwölf Informationstafeln

 

Langgöns / Butzbach (ikr). Als Friedrich Ludwig Weidig (1791-1837) einst sagte: „Die Freiheit ist das höchste Gut des Menschen“, meinte er damit keinen abstrakten Gedanken. Er meinte Haltung, Mut und Verantwortung. Knapp 190 Jahre nach Weidigs Tod hallten diese Worte nun erneut über den Schrenzer in Butzbach – dort, wo der berühmte Pädagoge, Pfarrer, Demokrat, Turnpionier und Weggefährte Georg Büchners selbst einst mit jungen Menschen unterwegs war. Unter strahlend blauem Himmel und bei sommerlicher Wärme wurde hier der neue Weidig-Wanderweg offiziell eröffnet – ein interkommunales Projekt der Stadt Butzbach und der Gemeinde Langgöns.

Der Themenweg würdigt den „Demokratiepionier“ Friedrich Ludwig Weidig von seinem Geburtshaus in Oberkleen, über Cleeberg, den Wohnort seiner Kinderjahre, bis hin zu seiner Lebens- und Wirkungsstätte Butzbach. Auf dem Weg wird Geschichte lebendig, er ist weit mehr als nur eine neue Route für Wanderfreunde.

Beteiligte Akteure waren neben den beiden Kommunen der Freundeskreis für Brauchtum und Geschichte Cleeberg, der Heimat- und Geschichtsverein Oberkleen, das Stadthistorische Museum und Stadtarchiv Butzbach, die TourismusRegion Wetterau, der Lahntal Tourismus Verband und die Leader Regionen GießenerLand und Wetterau-Oberhessen. Die Federführung oblag der Stadt Butzbach, die Projektkosten beliefen sich auf insgesamt 60.000 Euro brutto, sie wurden mit LEADER-Fördermitteln unterstützt.

„Es könnte kaum einen passenderen Ort für diesen Anlass geben“, sagte Butzbachs Bürgermeister Sascha Huber am Weidig-Gedenkstein, in unmittelbarer Nähe des ersten Turnplatzes in Hessen, den Weidig um 1814 einrichtete. Für Weidig sei der Schrenzer „weit mehr als nur ein Platz in der Natur“ gewesen. Hier habe er Bildung, Gemeinschaft und Freiheitsgedanken miteinander verbunden. „Genau dieser Geist ist bis heute spürbar.“

Mit dem neuen Weidig-Wanderweg soll dieser Geist nun spür- und erlebbar gemacht werden. Zwölf Stationen führen über 15 Kilometer auf den Spuren des Freiheitskämpfers durch die Region. Informationstafeln, digitale Angebote und Audioguides verbinden Naturerlebnis mit politischer Bildung. Ein rot-weißes Logo mit Weidigs Konterfei weist den Weg.

Huber sprach von einem „sichtbaren Zeichen unserer gemeinsamen Erinnerungskultur und unseres demokratischen Selbstverständnisses“. Gerade heute sei es wichtig, sich bewusst zu machen, dass Freiheit, Mitbestimmung und gesellschaftlicher Zusammenhalt niemals selbstverständlich seien. Der Wanderweg lade dazu ein, „nachzudenken, sich auszutauschen und die Werte von Freiheit, Verantwortung und Zusammenhalt weiterzutragen“.

Der Langgönser Bürgermeister Marius Reusch bekannte: „Für mich persönlich ist ein Herzensprojekt in Erfüllung gegangen – als Bürgermeister und als Oberkleener“, betonte er und sagte mit einem Schmunzeln: „Mehr Weidig als bei mir geht gar nicht.“ Er wohne in der Weidigstraße, habe in der Weidighalle Sport gemacht, an der Weidigschule sein Abitur abgelegt und sich auch im Studium mit ihm beschäftigt.

Weidig sei für ihn bis heute ein Vorbild: „Er ist für Demokratie eingetreten – und das gewaltfrei.“ Gleichzeitig erinnerte Reusch daran, dass Weidig auch die Bedeutung von Bewegung und körperlicher Ertüchtigung erkannt habe. Deshalb passe ein Wanderweg hervorragend zu seiner Person. „Vier bis fünf Stunden ist man schon unterwegs –dabei kann man die Gedanken um ihn kreisen lassen. Im besten Fall kommt man dann auf gute Gedanken.“

Der Weg beginnt an der Michaeliskirche in Oberkleen, wo Weidig getauft wurde, führt über sein nahegelegenes Geburtshaus und Cleeberg, wo er seine Jugendjahre verbrachte, über das Dreiländereck, an dem einst Hessen, Nassau und Preußen aufeinandertrafen. Weitere Stationen sind u. a. das Forsthaus Butzbach, das Weidig-Denkmal auf dem Schrenzer, der Turnvater-Jahn-Platz, die Markuskirche und schließlich das Museum Butzbach mit seiner sehenswerten Dauerausstellung zu Weidig.

„Wenn wir es schaffen, dass die Bürger Weidig noch lange im Alltag erleben, wäre das schön“, sagte Reusch. Der Wanderweg solle künftig auch „mit Veranstaltungen bespielt“ werden. Denkbar sei auch eine Einbindung des Langgönser Bürgerbusses.

Auch die Erste Kreisbeigeordnete des Wetteraukreises, Birgit Weckler, würdigte den besonderen Charakter des Projekts. „Es ist wichtig, gemeinsam Grenzen zu überschreiten“, sagte sie mit Blick auf die interkommunale Zusammenarbeit zwischen den beiden Kommunen und Landkreisen. Der Weg könne „ein weiterer Leuchtturm für die gesamte Region“ werden.

Die Landtagsabgeordnete Annette Wetekam dankte insbesondere den Ehrenamtlichen und Ideengebern. Ihr Wunsch: Der Weidig-Wanderweg solle künftig zum Pflichtprogramm für Schulklassen werden.

Herbert Röhrich vom TSV Oberkleen lud bereits jetzt zum Landeswandertag am 6. September nach Oberkleen ein – eine der drei angebotenen Strecken wird dann über den neuen Weidig-Wanderweg führen.

Am Ende blieb vor allem ein Eindruck: Hier wurde nicht einfach nur ein Wanderweg eröffnet. Hier wurde ein Stück regionaler Geschichte neu erzählt – draußen in der Landschaft, zwischen Waldwegen, Kirchtürmen und Erinnerungsorten. Und vielleicht ist genau das der schönste Aspekt dieses Projekts: dass Demokratie und Freiheit nicht nur in Büchern stehen, sondern unterwegs erfahrbar werden.