Die Simulation zeigt, wie ein möglicher Windpark nahe Oberkleen aussehen könnte.
Langgöns (imr/iri/ikr). Einstimmig hat der Haupt- und Finanzausschuss der Gemeinde Langgöns die interkommunale Zusammenarbeit mit Hüttenberg und Schöffengrund zur möglichen Entwicklung von Windenergieanlagen der Gemeindevertretung empfohlen. In seiner ersten regulären Sitzung der neuen Legislaturperiode unter souveränem Vorsitz von Christoph Meywald (FWG) sprach sich das Gremium zudem für die Gründung einer „Kommunalen Arbeitsgemeinschaft Windenergie“ aus.
Geprüft werden sollen mögliche Standorte im Bereich des Schalsbergs bei Oberkleen, im Hochelheimer Wald und bei Oberwetz. Bürgermeister Marius Reusch (CDU) bezeichnete die Flächen als naturräumlich zusammenhängende Gebiete, die sich für eine gemeinsame Betrachtung anböten. Die Kommunen blieben dabei eigenständig in ihren Entscheidungen. Durch die Zusammenarbeit könnten Synergien etwa bei Stromtrassen, Speicherkapazitäten oder der späteren Energienutzung entstehen.
Über den öffentlich-rechtlichen Vertrag informierte Rechtsanwalt Florian Wenisch von der Kanzlei KLN. Aufgabe der zu bildenden Arbeitsgemeinschaft sei es, geeignete Flächen zu identifizieren, planerisch abzustimmen und mögliche Ausschreibungen vorzubereiten. Außerdem solle geprüft werden, ob Kommunen und Bürgerenergiegenossenschaften an einer späteren Betreibergesellschaft beteiligt werden können. „Ein essenzieller Bestandteil der Arbeitsgruppe wird die Festlegung der Ausschreibungskriterien sein“, erklärte Wenisch. Mit einer Ausschreibung sei frühestens Ende 2026 oder Anfang 2027 zu rechnen. Alle bindenden Entscheidungen würden jedoch ausschließlich von den kommunalen Parlamenten getroffen.
Als Langgönser Vertreter im Arbeitsausschuss wurden Eheline Steffens (Grüne), Prof. Dr. Dr. Axel Wehrend (SPD) und Markus Beppler (FWG) benannt. Die CDU will ihren Vertreter in Kürze festlegen. Die Empfehlungen der Arbeitsgemeinschaft sollen abschließend von der Gemeindevertretung beschlossen werden.
In der Diskussion, an der sich auch zwei der vier Zuhörer beteiligten, standen vor allem Fragen zur weiteren Vorgehensweise und zu den notwendigen Gutachten im Mittelpunkt. Martin Lischka wollte wissen, ob mit einer Ausschreibung die Entscheidung für Windkraft bereits gefallen sei. Reusch entgegnete, bis dahin werde zunächst ergebnisoffen geprüft.
Kritisch diskutiert wurde die Rolle möglicher Projektierer. Lennart Hanika (CDU) äußerte Zweifel daran, ob deren Gutachten ausreichend objektiv seien. „Ich habe große Bauchschmerzen, vieles ist noch unklar“, sagte er. Reusch verwies darauf, dass entsprechende Untersuchungen üblicherweise durch den Projektierer durchgeführt würden, räumte aber ein, dass die Bedenken nachvollziehbar seien. Eigene Gutachten seien möglich, verursachten jedoch erhebliche Kosten. Geronimo Sanches Miguel (Grüne) stellte klar: „Wir nennen die Bedingungen für die Prüfungen, das ist kein Blankoscheck.“
Auch Martin Hanika (CDU) mahnte an, dass die Gemeinde unabhängige Informationen zu Natur-, Klima- und Umweltschutz benötige. Bei den betroffenen Flächen handele es sich um hochwertige Schutzgüter, deren Bewertung besonders sorgfältig erfolgen müsse. Zudem erinnerte er daran, dass die Vorrangfläche bei Oberkleen bereits früher untersucht worden sei. Dies könne Auswirkungen auf den Umfang der nun anstehenden Prüfungen haben.
Auch Bürgerin Barbara Fandré warnte vor den Auswirkungen von Windkraftanlagen im Wald und sprach von einem erheblichen Eingriff in das Ökosystem. Reusch widersprach ihrem Eindruck, die Entscheidung für Windkraft sei bereits gefallen. „Es gibt keine Vorfestlegung“, betonte er. Gerade wegen der möglichen Eingriffe müsse sorgfältig geprüft werden.
Mehrere Redner, darunter Hans Dern und Dr. Michael Buss (beide Grüne), forderten belastbare Grundlagen zu Umweltauswirkungen, Waldqualität und Wirtschaftlichkeit.
Auf Nachfrage von Dr. Erich Herrmann (CDU) erläuterte Wenisch zudem, dass die frühere Beschränkung von Windkraftanlagen auf Vorranggebiete inzwischen gesetzlich gelockert worden sei. Gleichzeitig machte der Jurist deutlich, dass die Kommunen bis zu den späteren Beschlüssen handlungsfähig blieben und diese auch danach wieder ändern könnten. Auf die Frage von Jürgen Knorz (CDU), ab welchem Zeitpunkt ein Ausstieg schwierig werde, verwies Reusch auf den Beschluss über eine Ausschreibung. Erst dann beginne die eigentliche Vergabephase.
Eheline Steffens (Grüne) hob die Bedeutung fachlicher Rechtsbegleitung hervor. „Wir sind alle Laien, wenn wir in so eine Gruppe gehen.“ Reusch kündigte an, nach der Sommerpause über die Inhalte der neuen Arbeitsgemeinschaft zu berichten sowie in der zweiten Jahreshälfte öffentliche Informationsveranstaltungen und erste Gespräche zur Bürgerbeteiligung anzubieten. „Ich hoffe heute, einfach nur loszulaufen“, sagte der Bürgermeister mit Blick auf den Start des gemeinsamen Prozesses.
Zum Abschluss dankte Meywald für die „sachlich-fachliche Diskussion“, die der einstimmigen Beschlussempfehlung vorausgegangen war.