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Heimatblatt Langgöns
Ausgabe 25/2026
Aus dem Rathaus wird berichtet
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Kaffee, Karten und Kommunikation: Ein Vormittag im Langgönser Frauencafé

Gemeinsam lernen, lachen und ins Gespräch kommen: Die Teilnehmerinnen des Frauencafés treffen sich alle zwei Wochen im Faselstall in Lang-Göns. Unterstützt werden sie von Laura Thieringer (Mitte) sowie den Ehrenamtlichen Anne-Marie Michel (2. v.l.) und Ute Wille (6. v.l.).

Laura Thieringer

 

Langgöns (ikr). „Es ist aus roten Früchten, kalt und süß – und im Sommer liebt es jeder …“ Kurz herrscht Grübeln am Tisch im Faselstall in Lang-Göns, dann rufen mehrere Stimmen gleichzeitig: „Erdbeereis!“ Gelächter erfüllt den Raum. Die nächste Karte wird gezogen: „Ampel“. Wieder wird eifrig umschrieben, gestikuliert, gesucht – ohne das Wort selbst zu nennen. Auch bei „Stift“ ist Bewegung im Spiel. „Das geht ja zack zack“, freut sich Laura Thieringer, Koordinatorin der Gemeinwesenarbeit in Langgöns, über die schnellen Rateerfolge. Und tatsächlich: Hier wird gelernt, gelacht und gelebt – ganz ohne Klassenzimmer, aber mit viel Sprache im Alltag.

Im Frauencafé „Sprache und Begegnung“ treffen sich regelmäßig Frauen, die ihre Deutschkenntnisse verbessern und gleichzeitig neue Kontakte knüpfen möchten. Das Angebot gibt es erst seit April, es wurde von Thieringer initiiert. An diesem Vormittag sind fünf Frauen und zwei Kinder dabei, dazu die Koordinatorin sowie die ehrenamtlichen Unterstützerinnen Anne-Marie Michel und Ute Wille. Während ein kleines Mädchen sich eng an seine Mutter kuschelt, malt ein Junge konzentriert mit Buntstiften. Auf dem Tisch stehen Kaffee, Tee und Kekse, die Atmosphäre ist ruhig und vertraut – fast wie ein Treffen unter Nachbarinnen.

Das Angebot der Gemeinwesenarbeit versteht sich als niedrigschwelliger Begegnungsort für zugewanderte Frauen. Es soll Raum geben, Deutsch im Gespräch zu üben, Erfahrungen auszutauschen und neue Kontakte zu knüpfen. Gleichzeitig geht es um gesellschaftliche Teilhabe, Integration und darum, Frauen zu stärken, ihre Fähigkeiten einzubringen und weiterzuentwickeln.

Entstanden ist die Idee aus einer Beobachtung von Laura Thieringer: Viele zugewanderte Frauen haben im Alltag nur wenige Möglichkeiten, Deutsch zu sprechen. „Ich bin auf zugewanderte Menschen in der Gemeinde zugegangen“, berichtet sie. Kontakte ergaben sich unter anderem über die Ukrainehilfe und Sozialarbeit. Dabei zeigte sich ein Muster: Kinder lernen schnell Deutsch, Männer meist im Beruf – doch vielen Müttern fehlt die Sprachpraxis, obwohl der Wunsch danach groß ist. „Sie kommen nicht so raus, haben aber den Wunsch, besser Deutsch zu lernen“, so Thieringer. Aus dieser Lücke heraus entstand das Frauencafé.

Schon nach wenigen Treffen zeigen sich gemeinsame Themen: Alltag in Kita und Schule, Kochen, das gegenseitige Kennenlernen. Vieles ist neu, manches vertraut – und oft wird viel gelacht. Die Frauen kommen aus dem Kernort und den Ortsteilen von Langgöns. Ihre Herkunft ist vielfältig: Eritrea, Afghanistan, Syrien und die Türkei. Manche leben erst seit etwa einem Jahr in Deutschland, andere schon länger, einige haben bereits Sprachkurse besucht. Anfangs wurde das Angebot vor allem in Kitas und über einzelne Kontakte beworben, inzwischen verbreitet es sich zunehmend über Mundpropaganda.

Wie wichtig der persönliche Austausch ist, zeigen die Stimmen der Teilnehmerinnen: Ayhan (32) aus Syrien ist mit ihrer Nachbarin gekommen und möchte künftig regelmäßig teilnehmen. „Es ist schön, mit Menschen in Kontakt zu kommen und zusammen eine schöne Zeit zu haben und Kaffee zu trinken“, sagt sie. Die Information erhielt sie über einen Sozialarbeiter.

Dilan (30) aus der Türkei ist zum ersten Mal dabei. „Ich habe von meiner Nachbarin Ayhan vom Frauencafé erfahren“, erzählt sie langsam auf Deutsch. Noch fällt ihr das Sprechen schwer, doch sie möchte ihre Sprachkenntnisse verbessern und Kontakte knüpfen – und fühlt sich gleich wohl.

Auch Atifa (34) aus Afghanistan kennt die Runde bereits gut und kommt regelmäßig. Ihre Kinder hatten einen Aushang in der Grundschule entdeckt. „Wir haben hier immer viel Spaß, es ist sehr gut hier“, sagt sie lächelnd.

Für Ute Wille, eine der ehrenamtlichen Unterstützerinnen, ist genau dieses Gefühl entscheidend: „Wir geben den Frauen das Gefühl, dass sie hier willkommen sind – egal woher sie kommen, wie alt sie sind und wie viele Kinder sie haben.“ Diese Begegnung auf Augenhöhe sei es, die die Gruppe trage.

Für die Zukunft hat Laura Thieringer klare Wünsche: Das Angebot soll weiter wachsen, vor allem durch zusätzliche ehrenamtliche Unterstützung von Frauen, die ihre Deutschkenntnisse und Erfahrungen einbringen möchten. Denn die Sprachstände in der Gruppe sind sehr unterschiedlich. „Wir sind bestrebt, alle Frauen mitzunehmen“, sagt sie.

Das Frauencafé findet jeden zweiten Freitag von 9.30 bis 11 Uhr im Faselstall, Wiesenstraße 18, statt. Der nächste Termin ist der 19. Juni. In den Sommermonaten kann es aufgrund der Ferienzeit zu Abweichungen vom Zwei-Wochen-Rhythmus kommen. Ansprechpartnerin ist Laura Thieringer (Mobil: 0175 2600376). Gefördert wird das Projekt durch den Landkreis Gießen und umgesetzt vom Zentrum Arbeit und Umwelt – Gießener gemeinnützige Berufsbildungsgesellschaft mbH (ZAUG gGmbH).