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Heimatblatt Langgöns
Ausgabe 29/2020
Heimatblatt
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Kahlfraß durch den Schwammspinner im Langgönser Wald

Kahlgefressener Eichenbestand

Einzelner Schwammspinner an einer Eiche

Schwammspinneransammlung

Nachdem in diesem Jahr, im zweiten Jahr in Folge, eine Massenvermehrung des Schwammspinners in Bereichen der Forstreviere Langgöns und Hüttenberg erfolgte, wurde durch das Forstamt Wetzlar die Nordwestdeutsche Forstliche Versuchsanstalt Göttingen hierüber informiert. Mehrere Fachleute der Anstalt unter Leitung von Dr. Plasil besichtigten am 8.07.2020 mit den Revierförstern der betroffenen Reviere, Rolf Krämer und Lutz Herbel sowie Forstamtsleiter Stefan Ambraß, die am stärksten betroffenen Waldteile um den Waldsportplatz Oberkleen und am „Kleebaum“ in Cleeberg.

Im Anschluss an die Besichtigung fasste Dr. Plasil das Ergebnis wie folgt zusammen: Grundsätzlich sind durch die Fraßtätigkeit der Raupen des Schwammspinners sehr viele Bäume entlaubt worden. Der Schwammspinner befällt vorrangig die Eiche, ist jedoch nicht nur auf sie spezialisiert, sondern geht auch an andere Laub- und Nadelbäume um hier die notwendige Nahrung aufzunehmen. Es ist davon auszugehen, dass die betroffenen Bäume größtenteils im Rahmen des „Johannistriebs“ wieder austreiben. Eine Bekämpfung käme jedoch aufgrund gesetzlicher Regelungen erst nach der Durchführung eines zweijährigen Monitorings mit dem biologischen Bekämpfungsmittel Bazillus Thuringensis infrage. Es besteht jedoch auch die Möglichkeit, dass die enorme Population des Schwammspinners aufgrund von Krankheiten, Parasiten oder aber einer für diesen Falter ungünstigen Witterung zusammenbrechen kann und sich die Natur so selbst hilft. Um den Zustand und die Vitalität des Schwammspinners in Langgönser Wald zu überprüfen, haben die Fachleute der Forstlichen Versuchsanstalt Proben der Raupen und fertigen Falter genommen, die nun untersucht werden. Den Revierbeamten wurden für die Durchführung des Monitorings spezielle Pheromonfallen ausgehändigt, mit denen die männlichen Falter des Schwammspinners eingefangen werden. Durch das wöchentliche Auszählen der Fänge kann dann eine Prognose für die Situation im kommenden Jahr erstellt werden Die Falterzählung wird noch bis Ende August durchgeführt. Im Herbst beginnt dann der nächste Schritt des Monitorings. Dazu werden nach einem standardisierten Verfahren die Dichte der Eigelege des Schwammspinners in den Eichenwäldern ermittelt. Die Ergebnisse des Monitorings werden dann zeigen, ob eine Bekämpfung von den Forstfachleuten empfohlen wird. Ob diese Maßnahmen dann tatsächlich ergriffen werden, entscheiden letztlich die betroffenen Waldeigentümer und die zu beteiligenden Behörden. Bei mehrmaligem Kahlfraße in der Eiche besteht die Gefahr, dass die Eichenbestände absterben. Er äußert jedoch die Hoffnung, dass die Vermehrung des Falters wieder zurückgeht und keine Bekämpfung notwendig sein wird. Grundsätzlich weist er darauf hin, dass von den Faltern des Schwammspinners keine Gefahren für die Menschen ausgehen. Die mit langen Haaren besetzten Raupen des Schwammspinners sollten jedoch ebenso wie die ähnlich aussehenden Raupen des Eichenprozessionspinners nicht angefasst werden, da hiervon unter anderem schwere allergische Reaktionen ausgehen können.

Uwe Müller
Umweltberater