Bürgermeister Marius Reusch (l.) und das Team des Gesundheitsmanagements stellen das Projekt vor
Langgöns (ikr). Die Tür zum kleinen Beratungsraum im Rathaus fällt leise ins Schloss, und Psychologin Elisabetta Bosso bittet eine weitere Mitarbeiterin zu einer vertraulichen Gesprächsrunde. Ein paar Zimmer weiter sorgt Iris Kosch mit einer professionellen Massage für entspannte Gesichter. Ein Bild, das vor wenigen Jahren noch undenkbar war und heute zum Alltag der Gemeinde Langgöns gehört - dank eines innovativen Gesundheitsmanagements. Bürgermeister Marius Reusch nennt es schlicht „eine Investition in das Wohl unserer Mitarbeiter“.
Bei der offiziellen Vorstellung des neuen Gesundheitsmanagements zog Reusch im Rathaus ein erstes Fazit: „Ich bin sehr positiv überrascht über den Strauß an Maßnahmen. Mit einem überschaubaren Budget, allein durch Kooperationen und die Fähigkeiten unserer Mitarbeiter, konnten wir bereits eine sehr schöne Palette auf die Beine stellen.“ Das Projekt ist vor kurzem gestartet und wird von einer engagierten Arbeitsgruppe getragen, die sich aus Mitarbeitern der Gemeinde sowie lokalen Partnern zusammensetzt.
„Das Projekt ist ein echter Mehrwert für unsere Mitarbeiter“, betont der Bürgermeister und sagt: „Unser Ziel ist es, durch gezielte Vorsorge und Prävention dafür zu sorgen, dass unsere Mitarbeiter körperlich und mental langfristig fit und gesund bleiben. Zum anderen wollen wir die Attraktivität als Arbeitgeber und die Mitarbeiterbindung stärken und weiter nach vorne bringen.“ Bereits zu Beginn seiner Amtszeit 2019 hatte Reusch das Thema angestoßen. Eine Arbeitsgruppe beschäftigte sich damals schon mit dem Gesundheitsmanagement, doch kurz darauf bremste die Corona-Pandemie die Pläne aus. Seit Anfang dieses Jahres nimmt die Gruppe ihre Arbeit wieder regelmäßig auf - nun in neuer Zusammensetzung und mit vielen frischen Ideen.
Eine zentrale Rolle übernimmt Elisabetta Bosso. Die Erzieherin in Diensten der Gemeinde, die berufsbegleitend ihren Bachelor und Master in Psychologie absolviert hat, bietet zweimal pro Woche psychologische Beratung an - vertraulich und unter Schweigepflicht. „Hilfe zur Selbsthilfe“ lautet ihr Konzept. Sie ist auch die offizielle Ansprechpartnerin des Projekts. „Es war uns wichtig zu schauen, wie wir die besonderen Fähigkeiten unserer Mitarbeiter einbringen können. Eine Psychologin im Haus zu haben ist etwas Besonderes und bietet eine niedrigschwellige Anlaufstelle bei psychischen Problemen. Das ist sehr wertvoll“, unterstreicht Reusch.
Auch Konstantin Laurent Fritsch, Erzieher mit Zusatzqualifikation als Motopäde, ist Teil des Teams. Er leitet sportliche Gruppenstunden, die einmal pro Woche nach der Arbeit am späten Nachmittag eine Stunde lang im Bürgerhaus Niederkleen stattfinden. Nach einem ersten Teil mit Gruppenspielen folgen Übungen zum Dehnen und zur Kräftigung des Rückens - besonders wichtig für Mitarbeiter, die viel am Schreibtisch arbeiten. Ab Herbst bringt Isabel Haub, Öffentlichkeitsbeauftragte der Gemeinde, zusätzlich ihre Erfahrung als Yoga- und Sporttrainerin ein. Sie wird wöchentlich Entspannungstechniken vermitteln, die einfach am Arbeitsplatz angewendet werden können, von Lockerungsübungen, auch direkt am Schreibtisch, bis hin zur schnellen Augenentspannung bei Bildschirmarbeit.
Neben diesen Kernangeboten gibt es weitere engagierte Teammitglieder: Denise Marsteller, Personalrätin und Organisatorin des Projekts im Jahr 2019, bringt ihre kreativen Ideen ein. Sie findet es „cool, dass wir schon so viel auf den Weg gebracht haben“. Lisa Paprot hat einen Flyer entwickelt und fungiert als Schnittstelle zwischen Gesundheitsmanagement und Belegschaft. Erzieherin Tanja Arnold sieht sich als „unterstützende Hand“. „Ich finde es sehr schön, dass die Initiativen vom Personal selbst kommen“, lobt Reusch das Team. Für die Durchführung von Angeboten im Gesundheitsmanagement werden Mitarbeiter von ihrer regulären Tätigkeit freigestellt - und wer z. B. das Angebot einer 30-minütigen Massage nutzt, bekommt als Anreiz nur 15 Minuten von seiner Arbeitszeit abgezogen. „Es ist schön, dass in unserer kleinen Gemeinde die Bereitschaft besteht, so etwas anzubieten - wir sind hier ziemlich modern aufgestellt“, hebt Isabel Haub hervor.
Ein wichtiger Baustein des Konzepts ist die Zusammenarbeit mit lokalen Kooperationspartnern. Das benachbarte Fitnessstudio „Pro Vita“ gewährt Rabatte für Gemeindemitarbeiter und stellt seine Duschen und Umkleiden kostenfrei Fahrradpendlern aus dem Rathaus zur Verfügung. "Natürlich machen wir da mit", bekräftigen Geschäftsführerin Kerstin Menges und Sport- und Gesundheitstrainerin Nele Bär. Für die Gemeinde fällt lediglich eine geringe Aufwandspauschale an. „Das ist eine sehr pragmatische Lösung. Andernfalls hätten wir im Rathaus aufwendig umbauen müssen. Das zeigt, dass auch kleine Maßnahmen richtig gut helfen können“, sagt Reusch. Gemeinsam mit der AOK werden zudem kostenlose Termine mit einer Ernährungsberaterin organisiert. Und Iris Kosch, Inhaberin eines Massagestudios in Lang-Göns, besucht mit ihrer mobilen Liege Kitas und Rathaus, um dort Massagen für die Mitarbeiter anzubieten - ein Angebot, das bereits großen Zuspruch findet.
Ob die Gemeinde Langgöns mit diesem Gesundheitsmanagement ein Modell für andere Kommunen sein möchte? „Diesen Anspruch erheben wir nicht. Wir freuen uns über unser Alleinstellungsmerkmal und sind bei Interesse offen für Informationen. Aber wir wollen nicht abheben, sondern einfach nur ein guter Arbeitgeber sein“, sagt Bürgermeister Reusch.