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Heimatblatt Langgöns
Ausgabe 31/2026
Heimatblatt
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Keine LKW mehr durch die Ortsdurchfahrt?

Sie fordern im Namen der Bürgerinitiative Verkehrswende Lang-Göns ein Verbot von Schwerlastverkehr in der Ortsdurchfahrt (v. l.): Berndt Schwan, Anne Michel, Gerd Boller und Werner Müller, es fehlen urlaubsbedingt die aktiven Mitglieder Doris Piel und Ulrich Arnheiter.

So sprudelt das Trinkwasser beim einem der Wasserrohrbrüche im Juni und Juli auf Höhe der Obergasse 32 aus der Straße.

Im Juni war die Obergasse wegen Wasserrohrbrüchen über zwei Wochen lang voll gesperrt

Bürgerinitiative fordert Konsequenzen aus wiederholten Leitungsschäden

Langgöns (ikr). Die wiederholten Wasserrohr- und Kanalschäden in der Langgönser Obergasse haben die Bürgerinitiative Verkehrswende Lang-Göns einmal mehr auf den Plan gerufen. Sie hatte sich 2021 mit dem Ziel gegründet, die Durchgangsstraßen im Kernort zu entlasten. Bei ihrem jüngsten quartalsmäßigen Treffen mit Bürgermeister Marius Reusch diskutierten die Mitglieder nun auch die Möglichkeit, die Ortsdurchfahrt (L 3133) dauerhaft für den Schwerlastverkehr zu sperren.

Auslöser der Debatte sind die mehrfachen Leitungsschäden der vergangenen Wochen. Im Juni musste die Obergasse gleich zweimal vollständig gesperrt werden, nachdem es im Bereich der evangelischen Kirche sowie wenig später erneut zu unterirdischen Wasserrohrbrüchen gekommen war. Zeitweise fiel die Trinkwasserversorgung für Anwohner aus. Den Gemeindewerken und den beteiligten Baufirmen gelang es jedoch jeweils, die Versorgung innerhalb kurzer Zeit wiederherzustellen. Beim Rohrbruch am 1. Juli dauerten die Arbeiten sogar bis 1 Uhr nachts.

Während der Straßensperrung, die etwa zwei Wochen dauerte, erlebten die Anwohner ihre Straße von einer ungewohnten Seite. Werner Müller erinnert sich: „Die Tage ohne Schwerlastverkehr haben eindrucksvoll gezeigt, wie ruhig und angenehm unsere Straße eigentlich sein könnte.“

Auch Anne-Marie Michel beschreibt diese Erfahrung als außergewöhnlich: „Es war eine himmlische Ruhe während der Straßensperrung. Wir haben mit Stühlen auf der Straße zusammengesessen und es richtig genossen.“ Für die Bürgerinitiative sei dies ein Beleg dafür, wie stark der tägliche Lkw-Verkehr die Lebensqualität der Anwohner beeinträchtige.

Während der Sperrung mussten alle PKW und auch Lastwagen über die Straße „Am Wingert“ ausweichen. Beschwerden aus der Logistikbranche habe es in den beiden Wochen der Sperrung oder danach nicht gegeben, betonen die Vertreter der Bürgerinitiative.

Für Kritik sorgte allerdings das Verhalten einzelner Verkehrsteilnehmer. Trotz eindeutiger Beschilderung mit „Einfahrt verboten“ und Hinweisen auf die Sackgasse seien Absperrungen immer wieder missachtet worden. Besonders in Erinnerung geblieben sei ein Lastzug mit Anhänger, der an der Baustelle nicht mehr weiterkam und schließlich die gesamte Obergasse rückwärts verlassen musste.

Gerd Boller sagt dazu: „Solche Situationen sind völlig unnötig und gefährlich. Wer Sperrungen ignoriert, gefährdet nicht nur sich selbst, sondern auch andere Verkehrsteilnehmer.“ Der Vorfall sei dokumentiert und der Straßenverkehrsbehörde gemeldet worden, ergänzt Berndt Schwan.

Bürgermeister Marius Reusch berichtete auf Nachfrage der Initiative, dass es seit 2021 bereits zu 14 größeren Kanalschäden mit entsprechenden Reparatur- und Baumaßnahmen gekommen sei. Aufgrund der maroden Leitungen unter Obergasse und Moorgasse rechneten die Gemeindewerke zudem mit einem jährlichen Trinkwasserverlust von fünf bis sieben Prozent durch Leckagen. Als wesentlichen Belastungsfaktor sehe man das hohe Gewicht des durchfahrenden Schwerlastverkehrs, das sowohl den Fahrbahnbelag als auch die darunterliegenden Leitungen beschädige. Die Wasserleitungen in dem Bereich sind immerhin bereits um die 100 Jahre alt.

Die Vertreter der Bürgerinitiative ziehen aus der Situation eine klare Schlussfolgerung: „Die Erfahrungen der vergangenen Wochen zeigen, dass ein Durchfahrtverbot für den Schwerlastverkehr ernsthaft geprüft werden sollte. Damit ließen sich nicht nur Anwohner entlasten, sondern möglicherweise auch weitere Schäden an der Infrastruktur vermeiden.“ Bürgermeister Marius Reusch habe zugesichert, die Forderung bei der zuständigen Behörde Hessen Mobil vorzubringen und auf eine zeitnahe Entscheidung zu drängen. Die Prioritäten sollten bei der Wasserversorgung der ortsansässigen Bevölkerung liegen und nicht bei der Durchfahrt der LKW, da ja offensichtlich auch die Umleitung während der Vollsperrung problemlos funktioniert habe. „Das war gewissermaßen bereits ein Feldversuch“, findet Anne-Marie Michel.

Zur geplanten Sanierung der Ortsdurchfahrt erklärte Reusch laut Aussagen der Bürgerinitiative, dass seit Februar dieses Jahres ein Planungsbüro mit der Ausarbeitung der Förder- und Bauanträge beauftragt sei. Läuft alles nach Plan, könnte nach seinen Worten bereits im Sommer 2027 der erste Spatenstich für den ersten Bauabschnitt in der Obergasse erfolgen. Ob dieser Zeitplan tatsächlich eingehalten werden kann, wollen die Mitglieder der Bürgerinitiative mit großem Interesse verfolgen.