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Heimatblatt Langgöns
Ausgabe 32/2020
Titel Amtsblatt
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„Ambientetrauungen“ im Alten Rathaus Oberkleen jetzt möglich

Bürgermeister Marius Reusch wird am 15. August die erste Trauung im Alten Rathaus vornehmen.

Ein Raum mit „Wow-Effekt: Der Saal im Alten Rathaus von Oberkleen steht ab sofort für Ambientetrauungen offen.

Strahlende Gesichter beim Rathauschef und dem Vorbereitungsteam für die Ambientetrauungen (v. l.): Christiane Messerschmidt, Nadine Riesener, Elfi Reitz und Marius Reusch.

Langgöns (ikr). „Ambientetrauungen“, allein dieses Wort bezaubert und weckt sicherlich bei manchem romantische Vorstellungen. Im kürzlich nahezu originalgetreu restaurierten Alten Rathaus von Oberkleen können Brautpaare sich ab sofort im reizvollen und charmanten Fachwerkflair des Saals im Obergeschoss des historischen Gebäudes aus dem Jahre 1582 das Ja-Wort geben. Darüber hinaus sind im Kernort Lang-Göns demnächst „Scheunentrauungen“ möglich. Weitere Lokalitäten sind in Planung.

„Wir freuen uns sehr, dass es jetzt losgehen kann. Die Arbeitsgruppe, bestehend aus Standesbeamtin Nadine Riesener und ihren Kolleginnen aus der Verwaltung, Elfi Reitz und Christiane Messerschmidt, hatte richtig schöne Ideen. Das Ergebnis kann sich wirklich sehen lassen!“, lobte der Langgönser Bürgermeister Marius Reusch ganz ausdrücklich das Vorbereitungsteam, das seit dem vergangenen Sommer die Umsetzung von Ambientetrauungen plant.

In Oberkleen ist die erste Trauung in dem fast 440 Jahre alten Repräsentationsgebäude aus dem frühen Barock für den 15. August terminiert. Dann wird der Rathauschef höchstpersönlich einen ehemaligen Handballkameraden verheiraten. Es ist die dritte Amtshandlung dieser Art für Marius Reusch, der dafür extra einen Lehrgang gemacht hat und damit die Zulassung erwarb, Trauungen vorzunehmen.

„Diese Arbeit hat uns sehr viel Spaß gemacht“, bekennen die drei Damen aus dem Organisationstrio. Nachdem der erste Trautermin im ortsbildprägenden und denkmalgeschützten Gemäuer in Oberkleen feststand, gab es ein wenig Zeitdruck, denn passendes Mobiliar für das Trauzimmer musste binnen weniger Wochen noch angeschafft werden. Doch alles traf rechtzeitig ein. Die Raumgestaltung zeugt vom stilsicheren Geschmack der Frauen: „Das hat was!“, zeigte sich der Bürgermeister beim ersten Blick in den neugestalteten Raum sehr angetan. Ein antiker Holztisch, umgeben von fünf barock anmutenden Stühlen mit taubenblauen Bezügen, die mit der fast identischen Wandfarbe harmonieren, steht im hinteren Bereich des Raums im Mittelpunkt. Der Tisch ist mit Kerzen, einem Blumenarrangement und einer silbernen Skulptur, die ein umschlungenes Paar darstellt, dezent dekoriert. Hier nehmen der Standesbeamte oder die -beamtin, das Brautpaar und die Trauzeugen Platz. Für die Gäste stehen historische Schulbänke bereit, auf denen cremefarbene Sitzkissen liegen: „Der Raum selbst ist schon sehr dekorativ, da brauchten wir gar nicht mehr so viel dazu tun“, erklärten die Rathausdamen. Er ist tatsächlich ein Raum mit "Seele", der seine Jahrhunderte alte Geschichte förmlich ausstrahlt: Hier wurden die Dielen in der Holzfarbe belassen, bis zu den Fenstern ist der Raum in einem hellen Blaugrau gestrichen, das Fachwerk wurde im historischen Schwarz-Braun gestaltet.

„Hintergrund unserer Überlegungen war es, Trauungen schöner und attraktiver zu gestalten, denn heutzutage haben standesamtliche Trauungen einen anderen Stellenwert als früher“, erklärte der Bürgermeister die Idee der Ambientetrauungen. Das Gebäude in Oberkleen habe sich nach seiner Renovierung förmlich aufgedrängt: „Im Saal im Obergeschoss können die Trauungen stattfinden, im Erdgeschoss, der ehemaligen Markthalle, wo es auch eine Küche gibt, ist genug Platz für einen anschließenden Sektempfang. Dort hat man auch direkten Zugang zum Vorplatz des Rathauses, der ebenso in die Feierlichkeit eingebunden werden kann“, so stellt sich Marius Reusch eine typische Zeremonie vor. Vorteilhaft ist auch, dass in Zeiten von Corona aufgrund der Größe des Raums insgesamt 15 Personen an einer Trauung teilnehmen dürfen, das sind fünf mehr als im Trauzimmer des Langgönser Rathauses. Das einzige Manko vor Ort ist, dass der Raum im Obergeschoss nicht barrierefrei zu erreichen ist: Das Brautpaar und seine Gäste müssen eine Holztreppe hinaufsteigen, um in den Ehehimmel zu gelangen.

Marius Reusch freut sich auch darüber, dass mit der Möglichkeit von Ambientetrauungen auch das Ziel, nach der Renovierung des Hauses wieder richtig Nutzung und Leben ins historische Gemäuer zu bringen, erreicht wird. Bereits jetzt werde das Haus, das vom Heimat- und Geschichtsverein Oberkleen (HGO) federführend betreut wird, sehr gut von verschiedenen Vereinen beispielsweise für Sitzungen frequentiert, „denn es steht allen Vereinen offen“, betonte der Bürgermeister.

Doch Marius Reusch und sein Team wollen noch weitere Örtlichkeiten mit Ambiente für standesamtliche Trauungen anbieten. In der Langgönser Schillerstraße wird Harry Windirsch zukünftig seine ausgebaute Scheune, die wie ein bäuerliches Museum gestaltet ist, für „Scheunentrauungen“ öffnen. „Wir wollten auch im Kernort Ambientetrauungen anbieten. Harry war sofort Feuer und Flamme und mit von der Partie“, erzählte der Rathauschef. Wegen Corona ist man hier zeitlich etwas im Rückstand, „ein Vertrag muss noch geschlossen werden, aber das Vorhaben ist bereits in trockenen Tüchern“, verriet Reusch. Und damit ist es nicht genug: Er und sein Team haben noch ein bis zwei weitere Trauorte im Sinn, die aber momentan noch nicht spruchreif sind. „Es geht in Richtung einer Trauung ganz im Freien und um einen weiteren schönen historischen Ort“, verrät der Bürgermeister.

Für die Ambientetrauungen werden feste Termine eingeplant, vor allem in den Sommermonaten und auch eher zum Wochenende hin. Die bisherigen Trauungen im Rathaus der Gemeinde sind selbstverständlich weiterhin möglich. „Das Trauzimmer im Rathaus soll nach inzwischen 20 Jahren auch etwas umgestaltet werden“, informierte Nadine Riesener. Bezüglich der Anmeldungsformalitäten für eine standesamtliche Ambientetrauung hat sich übrigens nichts geändert.