Bürgermeister Marius Reusch (4. v. r.) begrüßt die Teilnehmer der Waldexkursion am Sportheim in Oberkleen. Revierförster Frank Bremer (2. v. l.) informiert anschließend über Trockenschäden und den langfristigen Umbau des Langgönser Gemeindewaldes.
Während der Exkursion.
Bei Waldexkursion des BUVA stehen Schäden an Buchen und jungen Kulturen im Mittelpunkt – Waldwirtschaftsplan 2027 mit knapp 12 500 Euro Überschuss
Langgöns (ikr). Das Ausmaß der Schäden ist kaum zu übersehen: Wo im Frühjahr noch junge Bäume als Hoffnungsträger für den Wald der Zukunft gepflanzt worden waren, stehen vielerorts vertrocknete Setzlinge. Die extreme Hitze und Trockenheit des Sommers 2026 haben auch dem Langgönser Gemeindewald massiv zugesetzt. Bei einer Exkursion des Langgönser Bau-, Umwelt- und Verkehrsausschusses (BUVA) erläuterte Revierförster Frank Bremer den aktuellen Zustand und die Perspektiven des knapp 1900 Hektar großen Gemeindewaldes.
Neben Bürgermeister Marius Reusch (CDU) und den Ausschussmitgliedern um die Vorsitzende Ute Dassler (CDU) nahmen Vertreter der Jagdgenossenschaften, Jagdpächter, Mitglieder des Gemeindevorstands und Stefan Ambraß, Leiter des Forstamtes Wetzlar und Mitarbeiter sowie Wolfgang Weber von der Solms-Braunfelsschen Forstverwaltung an der Exkursion teil.
Bremer machte deutlich, unter welchen extremen Bedingungen der Wald in diesem Jahr zu leiden hatte. So sei der Sommer 2026 in Hessen der heißeste seit Beginn der regelmäßigen Aufzeichnungen 1881 gewesen, zudem war er auch hochgradig trocken.
Ein großes Zukunftsthema ist die Rotbuche, die im Langgönser Wald stark vertreten ist und mit den Folgen des Klimawandels zunehmend Probleme bekommt. Das führt zu einem folgenschweren Kreislauf: Werden Buchenbestände durch Trockenheit und Absterben zunehmend lichter, geht das feucht-kühle Waldinnenklima verloren. Die verbleibenden Bäume sind dadurch noch stärker Sonne und Austrocknung ausgesetzt. Auch die wirtschaftliche Bedeutung der Buche steht damit zunehmend infrage. Für die kommenden Jahrzehnte seien planbare Erträge aus hochwertigem Buchenholz gerade auf trockenen und flachgründigen Standorten stark gefährdet.
Wie schwierig jedoch die Ausgangslage für den geplanten Waldumbau ist, zeigt sich besonders deutlich bei den diesjährigen Frühjahrskulturen: Insgesamt wurden rund 15.000 Setzlinge gepflanzt. Erste Schätzungen gehen davon aus, dass etwa 80 Prozent davon vertrocknet sind. Damit muss die Gemeinde ihre ursprüngliche Planung ändern: Statt 2027 wie vorgesehen neue Kulturen anzulegen, sollen zunächst Ausfälle ergänzt und Flächen entsprechend erneut bepflanzt werden.
Bürgermeister Marius Reusch bedauerte: „Besonders tragisch“ sei, dass die Gemeinde in den vergangenen Jahren mit großem Aufwand den Waldumbau vorangetrieben und neue Baumarten eingebracht habe – und nun so viele der jungen Anpflanzungen verloren gegangen seien.
Dass die Buche in Langgöns nicht von heute auf morgen verschwinden wird, sondern ein schrittweiser Umbau erforderlich ist, machte Bremer deutlich. Als mögliche Zukunftsbaumarten kommen unter anderem Trauben- und Stieleiche, Hainbuche sowie verschiedene Edellaubhölzer wie Elsbeere, Speierling, Esskastanie, Spitzahorn und Winterlinde infrage.
Die Ablösung der Buche soll sich planmäßig über die nächsten 30 bis 40 Jahre erstrecken. Für die Forstwirtschaft ist das ein außergewöhnlich schneller Zeitraum. Gleichzeitig bleibt der Gemeindewald auch ein Wirtschaftsfaktor. „Es ist hier auch ein Wirtschaftswald, wir gewinnen Rohstoffe daraus“, betonte Reusch. Trotz der schwierigen und kaum zuverlässig planbaren Bedingungen funktioniere die Zusammenarbeit mit dem Forstamt Wetzlar und der Solms-Braunfelsschen Forstverwaltung bei der Holzvermarktung gut, lobte er.
Passend zu den Eindrücken der Exkursion befasste sich der Ausschuss anschließend mit dem Waldwirtschaftsplan 2027. Diesen empfahl das Gremium einstimmig der Gemeindevertretung zur Beschlussfassung. Der Plan schließt mit einem Überschuss von rund 12.500 Euro ab, der in den Haushaltsplan 2027 übernommen werden soll. Trotz der enormen Aufwendungen und der nachhaltigen Bewirtschaftung des Waldes habe man damit erneut eine schwarze Null erreicht, sagte Reusch: „Das gelingt uns in der aktuellen Situation planmäßig noch ganz gut.“ Wie lange sich die Folgen der zunehmenden Wetterextreme auch wirtschaftlich auffangen lassen, dürfte allerdings zunehmend davon abhängen, wie schnell und erfolgreich der Wald an die veränderten Klimabedingungen angepasst werden kann.