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Heimatblatt Langgöns
Ausgabe 43/2026
Gestaltung Innenteil Seite 3
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Gemeindearchiv Langgöns lässt zwei historische Amtsbücher restaurieren – Quellen berichten über Landwirtschaft, Gewerbe, Gemeindefinanzen und französische Soldaten

Zwei historische Amtsbücher aus dem Gemeindearchiv Langgöns konnten in diesem Jahr restauriert werden und stehen nun wieder für die historische Forschung und interessierte Bürgerinnen und Bürger zur Verfügung. Bei den restaurierten Bänden handelt es sich um ein sogenanntes „Cultur-Buch“ aus den Jahren 1793 bis 1827 sowie einen frühen Rechnungsband der Gemeinde Lang-Göns aus dem Jahr 1796. Beide historischen Dokumente bieten einen unmittelbaren und teilweise überraschend anschaulichen Einblick in das Leben der Gemeinde vor mehr als 200 Jahren. Sie dokumentieren eben nicht nur trockene Verwaltungs- und Finanzangelegenheiten, sondern geben beredt Auskunft über die damalige Landwirtschaft, neue Erwerbszweige, Bau- und Infrastrukturmaßnahmen sowie die Auswirkungen der französischen Besatzungszeit.

Das Kulturbuch aus den Jahren 1793 bis 1827 widmet sich unter anderem den damaligen „Landwirthschafts-Verbesserungen“ und dem daraus „folgenden verbesserten Zustand der Gemeinde“. Aufgeführt werden in tabellarischer Form zahlreiche Maßnahmen, mit denen die landwirtschaftlichen Erträge und die örtlichen Lebensbedingungen optimiert werden sollten. Dazu gehörten unter anderem die Förderung der Obst- und Holzzucht sowie die Anlage von Baumschulen. 120 Obstbäume ließ die Gemeinde beispielsweise auf der sogenannten „Sandkaut“ anbauen. Auch die Erschließung neuer Wiesen wird beschrieben. Am Niederhofen entwickelte man Wiesen aus sogenannten „Wüsteneien“ – also brach liegendem, ungenutztem Gelände. Bereits vorhandene Wiesen bemühte man sich durch das Anlegen von Gräben und Düngung zu verbessern. Auch der Anbau von Futterkräutern, beispielsweise Klee, wurde gefördert. Darüber hinaus dokumentiert das Amtsbuch verschiedene Maßnahmen zur Verbesserung der Infrastruktur, wie das Anlegen von Dämmen, Brücken und Stegen. Das Kulturbuch zeigt damit eindrucksvoll, dass sich die Gemeinde bereits vor rund 200 Jahren gezielt mit der Verbesserung der landwirtschaftlichen Nutzung ihrer Flächen beschäftigte.

Interessant ist auch ein Blick auf die Entwicklung des örtlichen Gewerbes. Für das Jahr 1821 wird das „Stricken“ von „Strümpf & Wämst“ – also Strümpfen und Westen – als neuer „Nahrungszweig“ in Lang-Göns genannt. Die Eintragung dokumentiert damit einen frühen Schritt zur Erweiterung der Erwerbsmöglichkeiten über die klassische Landwirtschaft hinaus.

Der zweite restaurierte Band, der Rechnungsband der Gemeinde Langgöns aus dem Jahr 1796, erlaubt einen besonders detaillierten Blick auf die damaligen kommunalen Einnahmen und Ausgaben. Aus den Eintragungen lässt sich beispielsweise ablesen, welchen Lohn der Lang-Gönser Nachtwächter Caspar Brückel erhielt. Auch die Besoldung des Organisten Anton Plätsch und die Kosten für das Stimmen seines monumentalen Instruments, der Lang-Gönser Kirchenorgel, durch den Orgelmacher Rühl wurden dokumentiert. Die Rechnungen geben aber auch Auskunft über alltägliche Ausgaben der Gemeinde. So wurde ein neuer Ofen für das Pfarrhaus angeschafft, Kirchen- und Schulbänke mussten repariert werden und bedürftige Lang-Gönser Bürger wurden unterstützt. Für arme Schulkinder stellte die Gemeinde beispielsweise Papier zum Schreiben zur Verfügung. Damit wird deutlich, dass sich hinter einem historischen Rechnungsbuch weit mehr verbirgt als reine Zahlen und Buchhaltung: Die Eintragungen erzählen von den Menschen, Einrichtungen und Aufgaben, die das Gemeindeleben im Jahr 1796 prägten. Auch die politischen und militärischen Ereignisse der Zeit hinterließen ihre Spuren in den Gemeinderechnungen. So lässt sich aus den Einträgen ersehen, dass sich französische Soldaten nicht nur in den umliegenden größeren Städten Frankfurt, Friedberg und Wetzlar aufhielten, sondern auch unmittelbar in Lang-Göns zugegen waren. Die Auswirkungen ihres Aufenthalts finden sich in ganz konkreten Einträgen wieder. So erhielt Johannes Müller 40 Kreutzer dafür, dass er „eine von den Frantzosen liegen gebliebene Kuh zu begraben“ hatte. In einem weiteren Eintrag wird festgehalten, dass Jacob Schmitt „das von den Frantzosen im Wald gehauene Holtz zusammen [...] tragen“ musste. Solche scheinbar nebensächlichen Eintragungen machen historische Ereignisse besonders greifbar. Sie zeigen, wie sich die großen politischen und militärischen Entwicklungen jener Zeit unmittelbar auf den Alltag einer kleinen Gemeinde und ihrer Einwohner auswirkten.

Die nun durchgeführten Restaurierungsarbeiten an den beschriebenen historischen Dokumenten sorgen dafür, dass diese Informationen auch weiterhin erhalten und allgemein zugänglich bleiben. Vor der Restaurierung waren beide Amtsbücher aufgrund ihres schlechten Erhaltungszustandes nicht mehr ohne Weiteres nutzbar. Die Bände wiesen unter anderem feuchtigkeitsbedingte Schimmelschäden auf, Einbände und Rücken waren beschädigt und die Bindung löste sich durch die Beanspruchung über zwei Jahrhunderte. Durch die Restaurierung konnten die wertvollen Quellen nun für die Zukunft gesichert werden. Gleichzeitig sind die beiden Amtsbücher wieder für die Benutzung zugänglich.

Für das Gemeindearchiv Langgöns sind die restaurierten Bände damit nicht nur historische Dokumente, sondern wichtige Zeugnisse der örtlichen Vergangenheit. Sie ermöglichen einen unmittelbaren Blick auf die Lebens- und Arbeitsbedingungen in Langgöns um 1800 und zeigen, mit welchen Herausforderungen und Entwicklungen sich die damalige Gemeinde auseinandersetzen musste.

Beide restaurierten Amtsbücher können ab sofort im Gemeindearchiv Langgöns von allen Interessierten eingesehen werden.

Dipl.-Archivarin Marei Söhngen-Haffer M.A., September 2026