Gruppenbild aller Beteiligten beim Treffen anlässlich der 25. Beladung eines Hilfsgütertransports in die Ukraine.
Ivan Bohdanov und seine Frau Viktoria bei ihrem Musikvortrag, links Hans-Joachim Naumann.
Langgöns (ikr). Ein Jubiläum, das niemand feiern möchte: Zum 25. Mal hat die Ukrainehilfe Langgöns einen Hilfsgütertransport in das vom Krieg gezeichnete Land auf den Weg gebracht. In der Lagerhalle der Firma Eimer trafen sich die ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer, um den Sattelschlepper mit dringend benötigten Gütern für die ukrainischen Städte Korosten und Borispol zu beladen.
„Normalerweise freue ich mich über ein Jubiläum – diesmal will ich es nur benennen“, sagte Eberhard Klein, Pfarrer i. R. und Initiator der Ukrainehilfe Langgöns. Der 25. Transport sei weniger Anlass zur Freude als vielmehr Ausdruck der anhaltenden Not der Menschen in der Ukraine – und zugleich der großen und verlässlichen Solidarität in Langgöns und der Region.
Zu dem Treffen waren auch Bürgermeister Marius Reusch, der Erste Beigeordnete Hans Noormann sowie Pfarrer Achim Keßler gekommen. Klein dankte der Firma Eimer ausdrücklich für die Bereitstellung der Lagerhalle: „Das ist nicht selbstverständlich.“ Sein Dank galt ebenso allen Ehrenamtlichen, der Zivil- und der Kirchengemeinde.
„Global gedacht und lokal gehandelt“ – dieser Leitspruch von „Brot für die Welt“ passe auch auf die Arbeit der Ukrainehilfe, betonte Klein. Angesichts des zynischen Vorgehens Russlands gehe es darum, konkret zu helfen und zumindest ein wenig Wärme, Licht und Sicherheit zu ermöglichen. Der jüngste Spendenaufruf zur Winterhilfe brachte allein im Januar rund 51.000 Euro ein. Mit diesen Mitteln konnten nahezu 60 Generatoren und Powerstationen beschafft werden.
Wie dringend diese Hilfe benötigt wird, machten Nachrichten deutlich, die Klein aus Korosten und Borispol erreichten. Darin schilderten die Absender eindringlich den Alltag im Krieg: Leben im Winter ohne Strom, ohne warmes Wasser und unter ständiger Bedrohung – Schilderungen, die die Anwesenden sichtlich bewegten.
Der aktuelle Sattelzug ist mit 17,64 Tonnen Hilfsgütern beladen. Die Lieferung umfasst 34 Paletten sowie zahlreiche Einzelkartons und Plastiksäcke. Ein Schwerpunkt liegt erneut auf der Energie- und Winterhilfe. Auf zehn Paletten befinden sich 56 Generatoren und Powerstationen, außerdem Gasheizungen, Heizstrahler, Heizlüfter, Gaskocher samt Kartuschen, Taschenlampen, LED-Leuchten und Powerbanks. Ein Teil dieser Technik ist für weiter östlich gelegene Regionen wie Saporischschja und Dnipro bestimmt.
Weitere zehn Paletten mit Lebensmitteln sichern die Grundversorgung. Geladen wurden unter anderem Mehl, Zucker, Nudeln, Spaghetti, Reis, Polenta, Fleisch- und Fischkonserven sowie Kaffee und Tee. Speziell für Kinder und Kitas wurden drei Paletten mit rund 90 Paketen gepackt, gefüllt mit Spielzeug, Kinderkleidung, Schuhen sowie einzelnen größeren Sachspenden wie Schlitten oder Skateboards. Ergänzt wird dies durch Kisten mit Spielsachen.
Fünf Paletten mit rund 150 privat adressierten Hilfspaketen enthalten Lebensmittel, Hygieneartikel, Kleidung, Schuhe, Medikamente und Spielsachen. Für Krankenhäuser, Pflegeeinrichtungen und Reha-Stationen wurden auf zwei Paletten medizinische Verbrauchsmaterialien, Hygieneartikel, Verbandskästen, Windeln und weitere Hilfsmittel verladen.
Zur Ladung gehören außerdem Öfen, ein Kühlschrank, Computer, Notebooks, Monitore, Drucker und ein Beamer sowie zahlreiche Einzelstücke wie Matratzen, Pflege- und Einzelbetten. Mehrere hundert Kartons und Säcke enthalten warme Kleidung, Decken, Schlafsäcke, Isomatten, Bettwäsche und Haushaltswäsche.
Bürgermeister Marius Reusch, der einen Stromerzeuger für den 25. Transport mitgebracht hatte, dankte allen Beteiligten für die breite Unterstützung. „Ganz Langgöns steht hinter euch. Dieser Transport zeigt nicht nur, wie viel gesammelt wurde, sondern vor allem die Konstanz der Hilfe. Dieses Zeichen der Solidarität ist genauso wichtig wie die sachliche Unterstützung.“ Er sprach dem Team großen Respekt aus.
Auch Pfarrer Achim Keßler dankte den Ehrenamtlichen für ihren Einsatz. Die Zahlen seien beeindruckend. „Ich wünsche mir, dass der Krieg bald endet und eure Arbeit bald nicht mehr nötig ist.“
Im Namen des Helferteams würdigte Hans-Joachim Naumann schließlich Eberhard Klein: „Am Anfang hat niemand an 25 Transporte gedacht. Diese Leistung braucht einen Organisator – und den haben wir in Eberhard Klein gefunden.“
Mit melodisch-melancholischem Gesang aus ihrer ukrainischen Heimat und der Begleitung auf dem Handpan sorgten Ivan Bohdanov und seine Frau Viktoria, die mit ihrer Familie in Lich leben, für einen stillen, würdevollen Abschluss des Treffens. Hans-Joachim Naumann hatte den Auftritt als Überraschung und Zeichen des Dankes an Eberhard Klein organisiert.