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Heimatblatt Langgöns
Ausgabe 8/2026
Vereinsgeschehen
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OGV pflanzt einen Korbiniansapfel: ein Baum mit besonderer historischer Bedeutung - Jahresprogramm vorgestellt

Theo Steffens pflanzt im Beisein der Kursteilnehmer den Korbiniansapfel.

Professionell setzt der Fachmann das junge Bäumchen in den Boden.

Auch den richtigen Obstbaumschnitt lernen die Teilnehmer von Theo Steffens.

Lang-Göns (ikr). Es ist ein grauer, kalter Vormittag, knapp über null Grad, ein schneidender Wind streicht über die Obstbaumallee am Lochermühlsweg in Lang-Göns. Dick eingepackt stehen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Obstbaumschnittkurses des Obst- und Gartenbauvereins Langgöns (OGV) zwischen Leitern und Astscheren, als der Spaten in die kalte Erde sticht. Was an diesem Vormittag von Kursleiter Theo Steffens gepflanzt wird, ist mehr als nur ein gewöhnlicher Apfelbaum – es ist ein lebendiges Zeichen der Erinnerung.

Im Rahmen des Schnittkurses setzt der OGV einen sogenannten Korbiniansapfel in den Boden. Hinter dieser Sorte verbirgt sich eine außergewöhnliche Geschichte: Der Korbiniansapfel, auch unter der Bezeichnung KZ-3 bekannt, ist eine Sorte des Kulturapfels, die von dem katholischen Priester und Pomologen Korbinian Aigner aus Bayern während seiner Haft im KZ Dachau gezüchtet wurde.

Aigner (1885 – 1966), oft der „Apfelpfarrer“ genannt, war ein leidenschaftlicher Obstbaukundler. Schon vor seiner Inhaftierung widmete er sich der Pomologie – der Lehre von Obstsorten. Im Konzentrationslager Dachau gelang es ihm, zwischen zwei Baracken Apfelkerne auszusäen. Unter schwierigsten Bedingungen entwickelte er vier neue Apfelsorten, die er KZ-1 bis KZ-4 nannte. Die Sorte KZ-3 überlebte bis heute. Kurz vor Kriegsende gelang es Aigner, bei einem Gefangentransport zu fliehen und so sein Leben zu retten. Und er schaffte es auch, einige der Pflänzchen aus dem Lager zu schmuggeln. Die Sorte KZ-3 wurde 1985 anlässlich Aigners 100. Geburtstag offiziell „Korbiniansapfel“ getauft.

Der Korbiniansapfel ist nicht einfach nur eine alte Sorte: Er gilt als robust und leicht anzubauen, mit einem aromatischen, saftigen und ausgewogenen Geschmack. Reif zwischen Oktober und November, lagerfähig bis in den Frühling hinein, eignet er sich nicht nur als Tafelobst, sondern auch zum Kochen, zur Mostherstellung und zur Verarbeitung zu Apfelwein und Kompott.

Über seine Herkunft hinaus steht der Baum heute auch als Symbol für Standhaftigkeit, Widerstand und Hoffnung. In unterschiedlichen Regionen Deutschlands und darüber hinaus wurden Korbiniansapfelbäume als Erinnerungsbäume gepflanzt – u. a. bei der documenta 13 in Kassel.

Als der junge Korbiniansapfel in Lang-Göns an diesem kalten Februartag sorgfältig eingeschlämmt, mit einem Drahtnetz gegen Wühlmäuse geschützt und angebunden war, wurde zwischen Astschnitt und Fachgesprächen deutlich: Hier wächst nicht nur irgendein Baum heran. Mit der Pflanzung verbindet der OGV Langgöns gärtnerisches Engagement mit historischer Verantwortung.

Im Rahmen der Baumschnitt- und Pflanzaktion informierte der Vorsitzende des OGV, Prof. Dr. Diedrich Steffens, auch über das Jahresprogramm 2026. Der Verein setzt dabei auf praktische Wissensvermittlung ebenso wie auf gemeinschaftliche Erlebnisse: So stehen im Frühjahr weitere Termine zur Baumpflege an: Am 28.02. treffen sich die Mitglieder um 09:00 Uhr „In den Gräben“, am 07.03. ebenfalls um 09:00 Uhr am Lochermühlsweg. Wie jedes Jahr sollen die Bäume in den Streuobstanlagen fachgerecht geschnitten und gepflegt werden.

Ein neues Angebot richtet sich an Gartenneulinge: Von März bis Oktober gibt es eine praktische Anleitung für den Gemüseanbau im eigenen Garten. Unter der Leitung von Diedrich Steffens werden Bodenansprüche, Aussaat, Pflege und Ernte anschaulich vermittelt. Der Auftakt findet am 14.03. um 14:00 Uhr in der Holzheimer Straße 47 in Langgöns statt, eine Anmeldung ist erforderlich, per Mail an eheline.steffens@gmx.de.

Nach dem überaus erfolgreichen Start im vergangenen Jahr plant der Verein zudem erneut einen Familientag. Am 02.05. ab 11:00 Uhr verwandelt sich der Treffpunkt Alte Feuerwehr im Niederhofen in einen Ort für Spiele, Pflanzentausch und geselliges Beisammensein.

Auch Exkursionen stehen auf dem Programm. Am 30.05. führt Förster Frank Bremer durch das Gelbbauchunkengebiet zwischen dem AMC-Gelände und dem Magna Park und erläutert die vielfältigen Funktionen des Waldes als Lebensraum, Klimaschützer und Erholungsraum. Treffpunkt ist um 14:30 Uhr die Parkbucht im Wehrholz (von Lang-Göns kommend Richtung Niederkleen auf der linken Seite).

Zudem ist für Ende Juni oder Anfang Juli eine Führung durch den Botanischen Garten Gießen geplant.

Den Abschluss des Vereinsjahres bildet am 19.09. um 14:00 Uhr die Jahreshauptversammlung mit anschließendem Mostfest – ebenfalls an der Alten Feuerwehr in Niederhofen.