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Lindener Nachrichten
Ausgabe 26/2026
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Aus dem Archiv: Raubkunst

Lost Art: Großen-Lindens verlorene Altarbilder

Verschollene Kunst, auch Raubkunst oder Lost Art genannt, sind heute Begriffe, die vor allem für solche Kunstwerke verwendet werden, die im Zuge der Kriegsgeschehen des zweiten Weltkrieges verschwunden sind. Einige dieser Kunstwerke sind dabei mit großer Wahrscheinlichkeit unwiederbringlich zerstört worden, etwa bei Bränden. Andere Kunstgüter wurden wiederum auf unrechtmäßige Art und Weise jüdischen Besitzern entrissen oder wurden gar versteckt und nie wieder gefunden.

Wie auch immer es dazu kam, dass diese Kunstwerke heute als verschollen gelten, das Interesse an solchen verschollenen Kunstwerken ist heute größer denn je. Zum einen ist man sich heute der Ungerechtigkeit von Raubkunst – egal ob diese von Jüdinnen und Juden oder den ehemaligen Kolonien entrissen wurden – mehr denn je bewusst und zum anderen tauchen immer wieder mediale Berichte auf, in denen die seit Jahrzehnten verschollenen Kunstwerke wieder aufgetaucht sind.

In den Schlagzeilen war zuletzt das „Portrait einer Dame“, dass durch eine argentinische Immobilienanzeige wiedergefunden wurde. Das Portrait des Künstlers Ghislandi gehörte einst dem jüdischen Kunsthändler Jaques Goudstikker, der 1940 auf der Flucht vor den Nationalsozialisten ums Leben kam. Es soll sich zuletzt im Besitz von Friedrich Kadgien, einer von Hitlers wichtigsten Finanzleuten und verantwortlich für die „Verwertung“ jüdischen Vermögens, befunden haben. Als seine Nachfahren sich 2025 nun dazu entschieden, die Villa in Argentinien zu verkaufen, landeten Fotos vom Wohnzimmer mit der grünen Couch und der Raubkunst im Internet. Das Portrait wurde mittlerweile von einem Anwalt an die rechtmäßigen Besitzer übergeben.

Das Bewusstsein für die verschollene Kunst wird dabei nicht nur durch Medienberichte oder Filme wie „Monuments Men“ mit George Clooney gesteigert, sondern auch durch die Lost Art Datenbank. Hier werden Kulturgüter dokumentiert und verzeichnet, die durch die Kriegstreiben verloren gegangen sind. Es handelt sich dabei nicht nur um unrechtmäßig entrissenes Eigentum von Jüdinnen und Juden, sondern um alle Kriegsverluste.

In der Datenbank finden sich zwei Einträge für Großen-Linden

Bei diesen handelt es sich um zwei Altarbilder, die zwischen Juni und Dezember 1944 aus der evangelischen Kirche Großen-Linden verschwunden sind und seitdem als verschollen gelten. Beide Werke zeigen die Anbetung des heiligen Kindes und sind auf das Jahr 1460 datiert. Die großformatigen Altarbilder wurden damals aus der Kirche entfernt, um sie vor der Zerstörung durch Bombenangriffe zu sichern und sind seitdem verschollen. Sucht man in der Lost Art Datenbank nach „Großen-Linden“, dann werden einem die verschollenen Werke mit allen dazugehörigen Informationen angezeigt.

 

 

Die Hoffnung, auch lange verschollene Objekte wiederzufinden, sollte man nicht aufgeben. Auch hierfür gibt es ein Beispiel aus der Großen-Lindener Geschichte: Die Großen-Lindener Ausschussfahne aus dem Jahr 1731galt 34 Jahre lang als verschollen, bis sie 2017 durch Zufall in einem Haushalt wiedergefunden und dem Heimatkundlichen Arbeitskreis übergeben wurde. Im Zuge dieses Fundes oder Wieder-Fundes musste zuerst geklärt werden, was jener Ausschuss überhaupt war. Der Heimatkundliche Arbeitskreis fand heraus, dass es sich bei dem Ausschuss um eine frühe Bürgerwehr handelte, die seinerzeit für den gesamten Hüttenberg zuständig war. Heute erinnern die vier Symbolfiguren des Marienmarktes (Marktleutnant, Marktmeister, Markttrommler und der Marktseargant) an diese frühe Bürgerwehr.

Der Heimatkundliche Arbeitskreis hat die Fahne im vergangenen Jahr an das Archiv der Stadt Linden übergeben, wo sie nun bis ans Ende der Zeit aufbewahrt wird.

Interessierte können die Lost-Art-Datenbank öffentlich unter folgendem Link einsehen: www.lostart.de/de/start

Das Archiv ist Mo-Fr von 8:00-14:00 Uhr unter 06403-605-52 oder via m.schreiner@linden.de erreichbar.