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Amtsblatt der Gemeinde Lohra
Ausgabe 35/2023
Aktuelles
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Tag des offenen Denkmals am 10. September 2023 in der Landsynagoge Roth

Das Motto für den Tag des offenen Denkmals lautet in diesem Jahr „Talent Monument“. In diesem Sinne können Besucher*innen in der Synagoge vielschichtige Erfahrungen und Erkenntnisse gewinnen: Was sagen uns die verschiedenen Farbschichten, die in der Synagoge zu finden sind? Was bedeuten die hebräischen Inschriften? Woher rühren die Kerben in einer Säule, die die Frauenempore trägt? Warum fehlt altes Mobiliar? Was will uns der zerbrochene Davidstern mit all seinen Namen sagen? Welche Schicksale verbergen sich hinter den transparenten Porträts in den Fenstern?

Als besondere Attraktion eröffnet sich für die Besucher*innen eine neue Dimension: Mit einer Virtual Reality-Brille wandeln sie in der Synagoge der 1920er Jahre und werfen auch einen Blick in die Zeit um 1900.

Zur Vertiefung der jüdischen Kulturgeschichte und dem Verständnis heutiger jüdischer Alltagspraxis präsentiert Thorsten Schmermund unter dem Motto „Judentum zum Anfassen“ Gegenstände aus dem jüdischen Alltag und Feiertag und führt mit Hilfe dieser Objekte in die jüdische religiöse Praxis ein.

Das Programm sieht weiter vor:

11:00 Uhr Gang über den jüdischen Friedhof, Treffpunkt Synagoge

14:00 Uhr Dorfrundgang zu jüdischem Leben, Treffpunkt Synagoge

Beide Führungen finden in Kooperation mit der VHS des Kreises Marburg-Biedenkopf statt.

Öffnungszeit: 11:00-17:00 Uhr

Mit freundlichen Grüßen

AK Landsynagoge Roth e. V.


Der Arbeitskreis Landsynagoge Roth lädt zum 64. Rother Synagogengespräch ein mit einem

Vortrag von Barbara Wagner (Berlin), „Das Hochzeitsfoto. Aus der Geschichte der Familie Nathan aus Lohra“

Termin: 7. September 2023 um 20:00 Uhr in der Landsynagoge Roth

Das 1937 in Marburg aufgenommene Hochzeitsfoto von Theodor Nathan aus Lohra und Blanka Plaut aus Merzhausen scheint deutsche Normalität zu zeigen, verweist jedoch bei näherer Betrachtung auf die deutsche Vergangenheit, als jüdischen Menschen durch die NS-Ideologie das Lebensrecht abgesprochen wurde. Die Lebens- und Leidensgeschichten der Hochzeitsgäste stehen exemplarisch für diesen grausamen Teil der deutschen Geschichte.

Das frisch vermählte Paar verließ Deutschland direkt nach der Hochzeit und floh vor dem NS-Rassenwahn nach Palästina. Wie lebenswichtig diese Flucht war, zeigt die Tatsache, dass neun der auf dem Foto abgebildeten Hochzeitsgäste im Holocaust ermordet wurden.

Das Foto fand 2011 nach Marburg zurück, als sich Sohn Gad Nathan und Tochter Ruth Kastner mit ihren Familienauf die Spur ihrer Eltern und Verwandten in Hessen machten. Durch den Kontakt mit der Geschichtswerkstatt Marburg und dem Arbeitskreis Landsynagoge Roth entstand ein regelmäßiger Austausch. Daraus entwickelte sich die Idee einer Dokumentation der Familiengeschichte, die Barbara Wagner von der Geschichtswerkstatt Marburg erstellte und 2022 erstmals öffentlich präsentierte.

Beim diesjährigen Rother Synagogengespräch legt sie den Fokus auf den Lohraer Familienzweig. Herausgearbeitet werden die vergifteten Lebensbedingungen in Lohra in der NS- und der frühen Nachkriegszeit sowie die Schicksale von Mitgliedern der Familie Nathan.

Der Arbeitskreis freut sich, Gad Nathan aus Jerusalem zu diesem Anlass ebenfalls begrüßen zu können, der gerne Nachfragen zu seiner Familiengeschichte beantwortet.

Hochzeitsfoto von Theodor Nathan und Blanka Plaut im Hof des Cafés Blumenfeld in Marburg im Sommer 1937. Foto: Familie Nathan/Kastner