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Dillinger Bote
Ausgabe 14/2025
Aus Vereinen und Verbänden
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Bunker 20 öffnet wieder seine Panzertüren

Am 21. März 1945, vor nun 80 Jahren schwiegen an der Saar die Waffen. Nach einem fast 6 Jahre andauernden, für alle Seiten mit hohen Verlusten sowohl an Soldaten als auch an Zivilisten, harten Ringen. Dieser Krieg verwischte zum ersten Mal die Grenze zwischen Front und Heimat. Hier wurde nicht nur an der Front gekämpft sondern auch an der sog, „Heimatfront“. Nach zahllosen Bombardierungen deutscher Städte mussten in Ermangelung von Männern Frauen und auch Kindern an der Heimatfront ihren Dienst versehen. An diesem 21. März 1945 schwiegen nach mehr als 3monatigem Artilleriefeuer und (Jagd-)Bomberangriffen schwiegen endlich die Waffen. Unendliches Leid und Zerstörung war über unsere Region hereingebrochen in einem vorher nie gekannten Ausmaß. So waren insbesondere die Städte Saalautern (Saarlouis) und Dillingen zu 80 bis 90 % zerstört. Es gab kaum ein Haus, welches nicht in Mitleidenschaft gezogen worden war. Die Zivilbevölkerung war im Dezember 1944 nicht wie im September 1939 systematisch in Sicherheit gebracht worden. Jeder musste gucken wie er sich vor den Granaten und Bomben schützen konnte. Viele suchten in den ausgebauten Keller Schutz. Wohl dem, der einen Platz in den zahlreichen Westwallbunker zugewiesen bekam. So auch im Bunker WH 20 in der Dillinger Annastraße. Hier waren 41 Zivilisten zugewiesen gewesen. Die Anlage, ein Kampfbunker aus dem Jahre 1939, war ausgelegt für 12 Mann Besatzung. Diesen Platz durften sich nun 1944 dreieinhalb mal so viele Personen teilen! Wer schon einmal da war, kennt die beengten Platzverhältnisse, wenn sich einmal 10 Besucher dort drängeln. Nun muss man sich einmal vor Augen halten, was es bedeutet sich den Raum mit der vierfachen Menge an Menschen über Stunden auszuhalten.

Im letzten Jahr machten sich knapp 400 Besucher ein Bild von dieser Situation. Dabei scheuten sie nicht Tausende Kilometer Anfahrt. Unsere top ten der „Kilometerfresser“ im vergangenen Jahr:

Besucher international:

Platz

Land

Entfernung in KM

Besucher

10

Luxemburg

65

2

9

Niederlande

297

12

8

Schweiz

410

7

7

Belgien

450

1

6

Österreich

866

2

5

GB (Isle of man)

1.205

4

4

GB(Schottland)

1.380

2

3

Ukraine

2.124

3

2

Südkorea

8.900

2

1

USA (Hawaii)

12.112

5

Besucher national:

Platz

Stadt

Entfernung in KM

Besucher

10

Dortmund

340

2

9

Nürnberg

390

2

8

Erfurt

455

1

7

Weimar

469

1

6

München

548

1

5

Riesa

648

2

4

Dresden

657

1

3

Hamburg

690

1

2

Warmlage

722

1

1

Berlin

743

1

Am kommenden Sonntag, dem 6. April öffnet das über die Grenzen des Saarlandes hinaus bekannte Westwallmuseum „Bunker 20“ wieder seine Panzertüren für die Besucher. Das Museum startet dann in seine 17. Besuchersaison. ab Sonntag kann das Museum wieder alle zwei Wochen (1. und 3. Sonntag im Monat) in der Zeit von 14:00 bis 18:00 Uhr besichtigt werden. Wer glaubte die Bunker gehören der Vergangenheit an, wird gerade aktuell eines besseren belehrt. Wie sieht es aber in so einem monströsen Teil aus 1.700 Kubikmeter Beton aus? Wer es in den vergangenen 16 Jahren immer noch nicht geschafft hat, hat nun Gelegenheit dies nachzuholen. Man sieht die Bilder aus dem Kriegsgeschehen weltweit im Fernsehen, die aber doch eher theoretischer Natur sind. In Dillingen besteht die Gelegenheit zu erleben, was es heißt 6 Meter unter der Erde unter Bomben- und Granathagel auszuharren. Wie beklemmend ist das Gefühl, in so einem Teil zu hocken, während rund um einen herum die Granaten einschlagen. Zumindest versuchen wir das Gefühl dafür zu vermitteln. Was damals wirklich geschah, kann Niemand - auch nur ansatzweise - darstellen. Die Lebensbedrohung war allgegenwärtig. Dieser Krieg verwischte die Trennung von der (vermeintlich sicheren) Heimat und der Front.

Das Museum zeigt wie das Leben damals war - in seiner spartanischen Art. Während die 12 Soldaten noch vergleichsweise "großzügig" mit dem Platz umgehen konnten - sah die Situation für die 30 Zivilisten ganz anders aus. Da musste sich die dreifache Menge an Menschen den gleichen Raum teilen.

Unternehmen Sie einen Ausflug in die Vergangenheit. Lassen Sie das Dröhnen der zentnerschweren Panzertüren auf sich wirken. Versuchen Sie sich vorzustellen, bei dem Lärm des Lüfters zu schlafen.

Kommen Sie am Sonntag ab 14:00 Uhr in der Annastraße vorbei - wir freuen uns auf Sie und beantworten auch gerne Ihre Fragen.

Für diverse Ausstellungen und der Komplettierung unseres Museums suchen wir vor allem militärische Ausrüstungsgegenstände aus der Zeit. Auch alles andere Material, wie z. B. Fotos ist herzlich willkommen, für wechselnde Ausstellungen.

INFO an Johannes Dräger, Tel. 0177 2972845 oder über unserer Weltnetzseite www.bunker20.de