Richard Serra in Dillingen, 1999, ©Dirk Reinartz Estate-Deutsche Fotothek und Stiftung F.C
Am 26. März 2024 verstarb der weltbekannte amerikanische Bildhauer Richard Serra im Alter von 85 Jahren. Als Kind einer Einwandererfamilie in San Francisco studierte er zunächst Literatur, dann Kunst. Seinen Lebensunterhalt verdiente er sich durch Arbeit in einem Stahlwerk. Serras künstlerisches Konzept ist der Minimalismus. Es geht um neue Erfahrungen mit Materialien, wobei er zunächst mit schmelzbaren Materialien wie Gummi oder Blei arbeitet. Filme spielen in den 1960er und 1970er Jahren für ihn eine wichtige Rolle. In der Dillinger Ausstellung wird auch ein Film zu sehen sein, den er in der Heinrichshütte in Hattingen produzierte.
Kern von Serras Arbeiten ist die Auseinandersetzung mit dem Material Stahl. Während eine Reihe seiner Zeitgenossen den Edelstahl liebte, arbeitete Serra mit dem Effekt des Rostens. Rost steht für Vergänglichkeit des menschlichen Schaffens. Von besonderem Interesse war für ihn das Material CorTen, ein in den 1930 er Jahren in den USA entwickelter Stahl, der nur an der Oberfläche rostet. Das ist für Serras Arbeiten insofern wichtig, als sie nur durch eine ausgefeilte Statik überhaupt halten können. Würde das Material durchrosten, würde die Skulptur auseinanderbrechen.
Serras Arbeiten haben mehrere Aspekte. Einmal geht es darum, den Erfindergeist zu dokumentieren. Oft sind seine Arbeiten so gehalten, dass wir uns kaum vorstellen können, dass sie nicht zusammenbrechen. Die Arbeit „View Point“ im Dillinger Verkehrskreisel besteht beispielsweise aus sechs Blechen. In der Ausstellung ist ein 1:10-Modell zu sehen. Es vermittelt uns Erfahrungen im Grenzbereich der Physik. Trotz ihrer Größe und des sie ständig umgebenden Straßenverkehrs halten die sechs Bleche allen Erschütterungen und Wettereinflüssen stand.
Ingenieurleistungen aus Stahl stehen für den menschlichen Erfindergeist. Das ist bei allen seinen Skulpturen wichtig. Gerade darin liegt ihr emotionaler Gedanke. Ohne die technischen Leistungen der Ingenieure und Spezialisten in den Stahlbetrieben wären diese Arbeiten nicht denkbar. Serra gibt Ihnen einen Anlass, Grenzbereiche zu erproben, das herzustellen, was gerade noch technisch machbar ist.
Im Kunstverein zu sehen sind auch Druckgrafiken von Richard Serra. Auch hier geht es um die Frage des Grenzbereiches. Serra arbeitet häufig mit der Technik deren Radierung, bei der Metallplatten mit Säure geätzt werden. In die Vertiefungen wird Farbe eingebracht. Serra variiert diese Grundtechniken, in dem er die Flächen sowohl beim Ätzen, als auch beim Drucken anders behandelt. Es geht um die Entstehung großer, voluminöser Strukturen. Dazu verwendet er speziell angemischte schwarze Druckfarben.
Richard Serra: Die Ausstellung ist zu sehen vom 16. Juni bis 14. Juli 2024, geöffnet jeweils samstags und sonntags 14 bis 18 Uhr. Ort: Zentrum August Clüsserath, Stummstraße 33, 66763 Dillingen. Die Ausstellung ist barrierefrei zugänglich.