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Neuenstein Nachrichten
Ausgabe 13/2020
Kirchliche Nachrichten
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Evangelisches Pfarramt Neuenstein II

Gott schenkt uns Kraft, Liebe und Besonnenheit

Liebe Neuensteiner, die Tage und Wochen, die wir zur Zeit erleben sind so ganz anders als wir das kennen. Da kann man sich auf einmal nicht mehr unbeschwert treffen, die Hand zur Begrüßung reichen oder sich umarmen. Körperlich Abstand halten - das ist das Gebot der Stunde, um andere und sich selbst nicht zu gefährden.

Wenn wir uns die täglichen Nachrichten anschauen, dann können sich schon Gefühle wie Furcht und Angst einschleichen. Das Corona-Virus verbreitet sich rasch unter uns. Wir können es nicht sehen und auch nicht anfassen. Bei schwerem Krankheitsverlauf führt es zum Tod. Fragen stellen sich da: Werde auch ich krank werden? Wenn ja, werde ich die Krankheit gut überstehen? Die momentane Situation stellt uns vor eine ganz neue Herausforderung. Um die Begrenztheit unseres eigenen Lebens wissen wir. Auch mussten wir schon so manchen lieben Menschen hergeben. Doch eine solche akute Bedrohung durch ein Virus ist uns fremd.

Verse aus dem Neuen Testament, aus dem 2. Timotheusbrief, liegen da nahe. Paulus schreibt hier an Timotheus, der ebenfalls in einer schwierigen Lage ist. Timotheus soll die frohe Botschaft von Jesus Christus verkünden und stößt dabei jedoch auf Schwierigkeiten. Timotheus selbst ist eher ein sensibler und ängstlicher Mensch. Er überlegt, ob er nicht vielleicht mit seiner Verkündigungstätigkeit aufhört. Paulus will Timotheus Mut machen und schreibt: Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Furcht, sondern der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit. (2. Timotheus 1,7)

Gott ist unter uns gegenwärtig, auch in dieser schwierigen Zeit. Wir sind nicht allein, auch wenn wir uns vielleicht isoliert fühlen und uns nicht mehr versammeln können, um z.B. Gottesdienst zu feiern. Gott schenkt uns den Geist der Kraft. Nicht das Gefühl der Ohnmacht und das Gefühl ausgeliefert zu sein, sollen unsere Gedanken bestimmen. Gott ist ein Gott, der uns Menschen begleitet durch alle Höhen und Tiefen in unserem Leben. Durch ihn gewinnen wir Kraft und Mut, auch in diesen Zeiten. In Neuenstein probieren wir zur Zeit neue Gottesdienstformen aus. So nehmen wir Gottesdienst auf und stellen sie ins Internet. Auf diese Weise können wir uns im Geiste versammeln und stärken lassen.

Gott gibt uns den Geist der Liebe. Normalerweise treffen wir uns gerne und bekunden oft, dass wir einander schätzen und mögen. In diesen Tagen ist ein Treffen nur noch bedingt möglich. Und doch können wir einander das Gefühl geben, dass der andere uns wichtig ist und wir aneinander denken, z.B. durch ein Telefonat, einen Brief oder auf digitalem Wege im Internet oder per Handy. Der Geist der Liebe erzeugt in uns Solidarität. In diesen Tagen bedeutet Solidarität, den körperlichen Kontakt mit anderen zu meiden, damit die Ausbreitung des Corona-Virus sich verlangsamt. Denn: Werden zu viele Menschen gleichzeitig krank, werden nicht mehr alle gleichermaßen klinisch versorgt werden können. Nächstenliebe bedeutet nun: Abstand halten - nicht weil ich dich nicht mag, sondern gerade weil du mir etwas bedeutest.

Gott schenkt uns den Geist der Besonnenheit. Gott gibt uns die Möglichkeit, zur Ruhe zu kommen, realistisch die Dinge zu betrachten, die Situation ernst zu nehmen und Abstand zu halten, jedoch nicht in Panik zu geraten oder gar zu resignieren.

Die Verse des Paulus an Timotheus stärken auch mich. Kraft, Liebe und Besonnenheit sind gerade in diesen Zeiten unabdingbar. Gott schenkt uns diese Tugenden; immer wieder.Ich wünsche Ihnen, dass sie in diesen Tagen gesund und behütet bleiben und immer wieder Kraft schöpfen können aus unserem christlichen Glauben.

Liebe Grüße, Ihre Pfarrerin Susanne Leinweber