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Ober-Mörler Nachrichten
Ausgabe 11/2026
Büchereinachrichten
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Öffentliche Gemeindebücherei St. Remigius Ober-Mörlen

Kirchplatz 4

61239 Ober-Mörlen

Tel.: 06002-916884

E-Mail: info@buecherei-ober-moerlen.de

Homepage: www.buecherei-ober-moerlen.de

Online-Katalog: www.bibkat.de/obermoerlen

facebook: Bücherei Ober-Mörlen

Instagram: @buecherei_obermoerlen

Öffnungszeiten:

montags:

18:00 Uhr bis 19:00 Uhr

mittwochs:

16:00 Uhr bis 18:00 Uhr

sonntags:

11:00 Uhr bis 12:00 Uhr

Gepflegt und wachgeküsst

Spannende Geschichte(n) vom Renaissanceschloss zum Rathaus

Als Hans Georg von und zu der Hees im Jahr 1589 am Usa-Ufer in Ober-Mörlen ein Herrenhaus aus Bruchsteinen bauen ließ, konnte er nicht ahnen, dass daraus ein stattliches Schloss und später das Wahrzeichen der selbständigen Gemeinde Ober-Mörlen erwachsen würde. Er hatte sich verkalkuliert und wurde das Gebäude schneller los als es ihm lieb war. Besitzerwechsel, Erweiterungen, Brände und Sanierungen bestimmten die Geschichte eines Renaissanceschlosses, das seit 1920 in Gemeindebesitz ist und heute strahlend schön das Ortsbild prägt.

Wie es dazu kam, erzählten am Donnerstagabend die Archäologin und Geschichtsforscherin Dr. Vera Rupp und Steffen Herrmann-Adamczyk, der als Architekt die jüngste Sanierung geleitet hatte. Über das riesige Interesse im voll besetzten Bonifatiussaal freuten sich die Ehrenamtlichen der Öffentlichen Gemeindebücherei St. Remigius, die als Veranstalter und in Kooperation mit der Gruppe „Wir für unser Dorf“ zum Vortragsabend eingeladen hatten. Mit dem historischen Teil fesselte Rupp das Publikum, Herrmann-Adamczyk zeigte Details zu 15 Jahren Sanierungsgeschichte und ordnete die Gebäudeteile baugeschichtlichen Epochen zu: Haupthaus Renaissance, Anbau Barock.

„Wir Bürger sind alle Schlossbesitzer“, stieg Rupp mit einem breiten Strahlen in die Geschichte(n) ein - und natürlich auch Parkbesitzer, seitdem die Kommune das Anwesen vor über hundert Jahren kaufte. Dass es überhaupt zu dieser Chance kam, hatte der vorletzte Schlossbesitzer zu verantworten: Viktor Hugo Eugen Wilhelm Freiherr von Nordeck zu Rabenau hatte in seiner Spielsucht alles Hab und Gut verzockt. Beinahe wäre das Schloss 1885versteigert worden, aber Baronesse Gabriele von Fechenbach, im Dorf bekannt als „die Baronin“, wendete die Katastrophe ab und verkaufte das Anwesen der Gemeinde am 20. Mai 1920 für 250.509 Mark.

Ein Frankfurter Auktionshaus versteigerte die üppige Innenausstattung aus 25 Wohn- und Schlafräumen, darunter allein 85 Gemälde und 10000 Bücher. Auf wundersame Weise kam ein Gemälde 1952 wieder in den Besitz der Gemeinde, bis heute kennzeichnet die „Lustige Schlittenfahrt“ des Malers Dietricy aus dem Jahr 1753 den Beginn der Ober-Mörler Fassenacht. Es stammt aus einer Zeit, in der die reich begüterte Familie von Wetzel das Gesicht des Schlosses nachhaltig geprägt hatte.

Kurz nachdem Reichsfreiherr Johann von Wetzel das Herrenhaus gekauft hatte, ließ er 1684 die vier Meter hohe Mauer mit Holztor sowie 1691 den Treppenhausvorbau mit geschweiftem Giebel und Wappen bauen. Wetzels Sohn Eugen Alexander rundete das Anwesen 1704 mit dem Wirtschaftshof ab, baute anlässlich seiner zweiten Ehe 1710 den Hochzeitsbrunnen vorm Schloss und ließ 1717 das schöne Mansardendach und die Stuckdecken erneuern, nachdem der Dorfbrand 1716 das Schloss zwar verschont, aber viele Menschen obdachlos gemacht hatte. Einige Familien kamen im Schloss unter.

Das war auch nach dem Zweiten Weltkrieg so, als zwischen 1939 und 1949 durch den Zuzug von Heimatvertriebenen und Flüchtlingen die Einwohnerzahl von 3000 auf 4500 Menschen stieg, wie Rupp erläuterte. Unter anderem ließ die Gemeinde das Schlossdach für die Aufnahme von Familien ausbauen. Umso größer war die Not, als am 16. April 1966 der Dachstuhl ausbrannte. „Jeder im Dorf weiß noch genau, was er an diesem dem Vorabend zum Weißen Sonntag gemacht hat, als das Schloss brannte und die Feuerwehren aus allen Richtungen heranbrausten.“

Aus der Zeit nach dem Brand stamme die detaillierte Bauaufnahme durch die Denkmalpflege, knüpfte Herrmann-Adamczyk an und schwenkte zum Jahr 2002, als er mit der Sanierung des Komplexes betraut wurde. Bereits vor dem Start des damaligen Landesprogramms „Einfache Stadterneuerung“ hatte sich das Schlossinnere im Jahr 2000 einer kompletten Verjüngungskur unterzogen. Zuerst sollten dann der Hof und die Nebengebäude aus ihrem Dornröschenschlaf geweckt werden, dann das Schloss selbst.

„Die Schlosshofsanierung hat unter Bewahrung denkmalgeschützter Bausubstanz in Kombination mit modernen Elementen ein multifunktionales Kulturzentrum für private und öffentliche Belange zum Ziel“, hieß die Vorgabe. Im Jahr 2006 wurden Bäume gefällt, Spielplatz und Brunnen verschwanden. Eine Naturtribüne entstand, im ehemaligen Ökonomiegebäude wurden das Jugendzentrum und im „Eichkopf“ ein Veranstaltungsraum untergebracht. Der Schlosshof wurde gepflastert und eine Naturbühne gebaut. Die beiden Remisen feierten Ende 2007 Richtfest, der „Gaulskopf“ wurde zum Veranstaltungsraum, in der anderen startete im November 2011 der „Schlossgeist“. Da waren auch die Arkaden als verglaste Veranstaltungsfläche fertig.

Im Hauptgebäude folgten 2015 umfangreiche Untersuchungen und Brandschutz-Umbauten. Vor dem Haupteingang wurden der Söller, die Sandsteinbalustrade und die Treppe erneuert, und 2016 schloss sich die Fassadensanierung an mit alleine 98 neuen Fenstern, Stein-, Putz-, Dach- und Spenglerarbeiten. Die Wandfarbe strahlt in hellem Ocker wie auf historischen Bildern vom Renaissance-Schloss, und auch das liebevoll restaurierte Wappen orientiert sich am historischen Vorbild. Ende September 2017 wurde das Ende der Sanierung gefeiert, also genau 300 Jahre nach der Sanierung durch den damaligen Schlossherrn Eugen Alexander Freiherr von Wetzel.

Jahreszahlen im Schlosswappen

An vielen Stellen rund ums Schloss, aber auch in der katholischen Kirche und auf dem Friedhof erzählen Jahreszahlen und Wappen spannende Geschichte(n). „Jetzt gehe ich mit einem ganz anderen Blick durchs Dorf“, sagten viele Besucher am Ende des spannenden Vortragsabends. Die Kerndaten findet man im Wappen unter dem Giebel:

1589: Hans Georg von und zu der Hees beginnt mit dem Schlossbau

1691: Eugen Alexander Freiherr von Wetzel lässt den Treppenhausvorbau errichten

1717: Eugen Alexander Freiherr von Wetzel lässt nach dem Dorfbrand sein Schloss sanieren

Text und Fotos: Annette Hausmanns

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