Bei einer Informationsveranstaltung in der Burghalle in Lißberg informierten sich knapp hundert Bürgerinnen und Bürger über einen geplanten Windpark am Höllberg. Entlang der Gemarkungsgrenze zwischen Ortenberg-Lißberg und Nidda-Schwickartshausen plant das Gießener Unternehmen iTerra energy GmbH auf Waldflächen des Landes Hessen den Bau von sieben Windkraftanlagen, je drei in der Gemarkung Lißberg, weitere drei in der Gemarkung Schwickartshausen und eine weitere Anlage weiter südlich Richtung Usenborn. Die sieben Windkraftanlagen könnten 2027 in Betrieb gehen und sollen dann etwa 90.000 Megawattstunden Strom pro Jahr liefern.
Die Stadt Ortenberg hatte nun iTerra energy eingeladen, die Bürgerinnen und Bürger über die Planungen zu informieren und Fragen zu beantworten. Da aktuell das Genehmigungsverfahren für die Windkraftanlagen beim Regierungspräsidium Darmstadt läuft, war Oliver Meseth von der Projektgruppe Windenergieanlagen am Regierungspräsidium nach Lißberg gekommen und beantwortete Fragen zum Verfahren. Anselm Möbs vom Forstamt Nidda erläuterte die forstliche Sicht auf die Planungen. Das Bürgerforum Energiewende der LandesEnergieAgentur Hessen (LEA) hatte gemeinsam mit der Stadt Ortenberg den Abend organisiert. Jonas Müller von der LEA beantwortete zudem ebenfalls Bürgerfragen.
Ortenbergs Bürgermeister Markus Bäckel war es ein besonderes Anliegen, dass die Menschen mit der Veranstaltung die Möglichkeit erhalten, sich aus erster Hand und im Detail über die Windpark-Pläne zu informieren und ihre Bedenken zu äußern, wie er einführend erklärte. Für Lißberg sei es vor allem wichtig, dass der Bau und Betrieb von Windkraftanlagen am Höllberg und damit verbundene Bodenverdichtungen die Risiken von Starkregenereignissen nicht erhöhe. Um das bereits jetzt hohe Risiko für den Ort zu verdeutlichen, zeigte Lißbergs Ortsvorsteher Rudolf Kramny Fotos und Filmaufnahmen von Überschwemmungen, bei denen 2014 und 2021 in Folge von Starkregen der Hillersbach über die Ufer getreten war.
David Coolhaas, Projektleiter bei iTerra energy GmbH, und Geschäftsführer Frank Sauvigny erklärten, wie das Unternehmen dies bei seinen Planungen berücksichtig. Ein Fachbüro werde sich in den kommenden Monaten damit befassen, ob und wie Drainagen und eine Erweiterung vorhandener Retentionsflächen sinnvoll seien. Stefan Möbs vom Forstamt empfahl dazu vor allem, zusätzliche Feuchtbiotope anzulegen. Die Details, so iTerra energy, würden in ein zweites Genehmigungsverfahren, das sogenannte Annexverfahren, einfließen. Sauvigny kündigte an, dass das Unternehmen auch prüfen werde, wie das vorgesehene Angebot einer finanziellen Beteiligung speziell für Maßnahmen des Starkregenschutzes der Stadt Ortenberg eingesetzt werden könnte.
In zahlreichen Nachfragen bekräftigten Bürgerinnen und Bürger ihre Bedenken hinsichtlich der Starkregengefahr. Es kamen aber auch andere Themen zur Sprache. So erläuterte der Naturschutz-Experte von iTerra energy, Sven Lauke, die Ergebnisse der Artenschutzgutachten, die das Unternehmen für den Genehmigungsantrag erstellt hat, beispielsweise zum Vorkommen von Großvögeln im Planungsgebiet. Ebenso erklärte er, dass bestimmte Fledermäuse umgesiedelt werden müssten vor dem Bau der Anlagen. Weitere Bürgerfragen drehten sich beispielsweise um mögliche Beeinträchtigungen desr im Planungsgebiet verlaufenden Bonifatiusroute, den Schutz historischer Grenzsteine oder um den Schutz der Menschen vor übermäßigem Schattenschlag und Lärm. Sowohl für Schatten wie auch für Lärm gebe es Grenzwerte, die nicht überschritten werden dürfen, erläuterte dazu Oliver Meseth vom Regierungspräsidium.
Bürgermeister Bäckel betonte zum Abschluss, dass die Stadt Ortenberg an dem Thema dran bleiben und es weiter konstruktiv, aber auch kritisch begleiten werde. Vor allem dürfe von Windkraftanlagen keinerlei erhöhtes Risiko für die Folgen von Starkregenereignissen für die anliegenden Ortschaften ausgehen. Im besten Fall sollte sich die Situation durch Schutzmaßnahmen sogar verbessern, so Bäckel.
Die Stadt Ortenberg wird in Kürze einen Link mit der Vorstellung des Windparks auf ihrer Homepage einrichten.