Das Glück in barer Münze mit nach Hause nehmen konnten die Gäste des Neujahrsempfangs der Stadt Ortenberg, denn zur Begrüßung hatte der in Schornsteinfeger-Kluft gewandete Azubi Lukas Volz für jeden einen Glücks-Cent parat. Per Handschlag hießen Stadtverordnetenvorsteher Dirk Vogel, Bürgermeister Markus Bäckel und Erste Stadträtin Nina Bergmann alle Besucherinnen und Besucher persönlich zu der Traditionsveranstaltung im Bürgerhaus willkommen.
Mit den Landtagsabgeordneten Lisa Gnadl (SPD) und Patrick Appel (CDU) sowie der Wetterauer Beigeordneten Marion Götz hatte auch politische Prominenz den Weg nach Ortenberg gefunden, und auf lokaler Ebene führten Ehrenbürger Manfred Meuser und Ehren-Stadtverordnetenvorsteherin Ute Arendt-Söhngen sowie Ehrenstadtrat Uli Heck die Riege der Ehrengäste aus Politik, Kirchen, Schulen und Unternehmen, von Polizei, Banken, Forst und Behörden an. Außerdem gaben sich Glauburgs Bürgermeisterin Henrike Strauch, die Erste Stadträtin Katja Euler aus Büdingen und der Hirzenhainer Beigeordnete Michael Höhl sowie viele Vertreter der Feuerwehren und Ortenberger Vereine ein Stelldichein. Auch Fürst Alexander und Fürstin Caroline zu Stolberg-Roßla waren zugegen.
Sie wurden von „Louis Waldschmidt and Friends“ musikalisch auf einen kurzweiligen Programmablauf eingestimmt. Der 15-jährige Multi-Instrumentalist, der im vergangenen Jahr zwei Bundespreise abgeräumt hatte und an einem Weltrekord beteiligt war, sorgte als Pianist gemeinsam mit Vater Sven am Bass, Jürgen Sommerfeld am Saxofon und Christian Koch am Schlagzeug für gute Unterhaltung. Die Sternsinger unter der Leitung von Sonja Klein nutzten wie in jedem Jahr den Neujahrsempfang, um die aktuelle Kampagne bekannt zu machen. Diesmal hat sich die Sternsinger-Aktion dem Kampf gegen Kinderarbeit verschrieben - 138 Millionen Kinder weltweit sind dieser täglichen Tortur ausgesetzt, 54 Millionen von ihnen unter besonders ausbeuterischen Bedingungen.
Stadtverordnetenvorsteher Dirk Vogel stimmte in seiner Neujahrsansprache hoffnungsvolle, aber auch nachdenkliche Töne an. „Viele Entwicklungen - gesellschaftlich, wirtschaftlich und politisch - verlaufen schneller und komplexer als noch vor wenigen Jahren. Gerade deshalb kommt der kommunalen Ebene eine besondere Bedeutung zu. Denn hier, in unseren Städten und Ortsteilen, wird Demokratie konkret erlebbar. Hier begegnen wir uns, hier diskutieren wir, hier tragen wir gemeinsam Verantwortung“, so Vogel. Ortenberg sei mehr als eine Verwaltungseinheit, Ortenberg sei eine Gemeinschaft. Und diese Gemeinschaft lebe vom Engagement ihrer Bürgerinnen und Bürger. „Menschen, die sich einbringen, die Verantwortung übernehmen, die ihre Zeit und ihre Kraft für andere einsetzen - oft ganz selbstverständlich und im Stillen. Dafür möchte ich heute ausdrücklich Danke sagen.“
Demokratie lebe vom Austausch unterschiedlicher Standpunkte, vom Ringen um die beste Lösung. Und sie lebe davon, dass dieser Austausch respektvoll, sachlich und verantwortungsbewusst geführt werde. „Gerade in Zeiten, in denen der Ton in der öffentlichen Debatte rauer geworden ist, ist es wichtig, sich dieser Grundwerte immer wieder bewusst zu werden“, mahnte Vogel. Als Stadtverordnetenvorsteher sei es ihm ein besonderes Anliegen, die Rolle der Stadtverordnetenversammlung als Herzstück der kommunalen Demokratie zu betonen. „Hier werden Entscheidungen vorbereitet und getroffen, die unmittelbare Auswirkungen auf das Leben der Menschen in Ortenberg haben von der Entwicklung unserer Infrastruktur über Bildungs- und Betreuungsangebote bis hin zur Gestaltung unserer Ortsteile.“ In diesem Zusammenhang wies Vogel auch auf die Kommunalwahl am 15. März hin, die den Bürgerinnen und Bürgern die Möglichkeit gebe, mitzuentscheiden, wer Verantwortung übernehme und welche Schwerpunkte gesetzt werden sollen. „Das neue Jahr wird uns vor Aufgaben stellen, die wir nur gemeinsam bewältigen können. Dabei wird es nicht immer einfache Lösungen geben. Umso wichtiger ist es, miteinander im Gespräch zu bleiben, zuzuhören und Kompromisse zu suchen. Unterschiedliche Meinungen sind kein Hindernis - sie sind eine Stärke, wenn wir sie konstruktiv nutzen. Ich bin überzeugt: Wenn wir auch im kommenden Jahr mit Offenheit, Respekt und’ Verantwortungsbewusstsein handeln, dann wird es uns gelingen, unsere Stadt weiter positiv zu entwickeln.“
Bürgermeister Markus Bäckel ließ in seiner Rede zunächst für die Stadt Ortenberg bedeutsame Ereignisse und Entwicklungen des vergangenen Jahres Revue passieren, nannte die Sanierung des Tiefbrunnens in Usenborn und die Behebung zahlreicher Wasserrohrbrüche, die zwar immer wieder Verkehrsbehinderungen verursachten und vor allem für die Anwohner Belastungen darstellten, aber immerhin dafür sorgten, dass Wasserverluste deutlich reduziert werden konnten und damit auch die Kosten für das Wasser.
Im Verkehrsbereich seien wichtige Weichen gestellt worden. Die Brückensanierungen bei Konradsdorf sowie zwischen Effolderbach und Stockheim seien abgeschlossen, der Bau des Radwegs von Selters nach Ranstadt habe begonnen und werde in diesem Jahr fortgesetzt. Das Projekt solle bis zur Landesgartenschau 2027 beendet sein. Ferner sei es gelungen, in kürzester Zeit die Planung für den Ausbau des Rad- und Fußwegs entlang der Straße „Am Kloster“ voranzubringen und die erforderliche Förderung zu beantragen. Dieses Projekt diene der besseren Anbindung des Schulzentrums sowie der Domäne Konradsdorf mit der Klosterkirche an den neuen Radweg und verfolge das Ziel, die Verkehrssicherheit in diesem Bereich für die Schülerinnen und Schüler nachhaltig zu erhöhen. Auch diese Maßnahme solle rechtzeitig zur Landesgartenschau fertig werden.
Mit der Renaturierung der Bleiche habe ein wichtiges Umweltprojekt begonnen, das den Naturraum langfristig bereichern werde. Ziel des Projekts sei es, den Bach auf der gesamten Länge von 20 Kilometern naturnah umzugestalten. Die Gerty-Strohm-Stiftung habe die Planung und Ausführung und somit auch die Finanzierung der Renaturierung übernommen. Auch wirtschaftlich und strukturell habe sich viel getan: Mit dem ersten Spatenstich für den interkommunalen Gewerbepark iGO GREEN, an dem die Stadt Ortenberg beteiligt ist, sei ein Meilenstein gesetzt worden. Großes Interesse erfahre auch das Projekt Weinberg Jakobsäcker. Die Heim- und Werkstätten Rauher Berg hätten mit dem Kirschbaumhof in Eckartsborn nun einen weiteren Standort und damit einen zusätzlichen Baustein für regionale Produkte und kurze Wege.
In Konradsdorf sei Birgit Bingel als langjährige Schulleiterin verabschiedet worden, und Tobias Stolte habe diese Aufgabe übernommen. Die Gesamtschule habe vom Land Hessen das Prädikat Umweltschule erhalten und mit Tanzgruppen große sportliche Erfolge bis hin zum Sieg im Bundesfinale von „Jugend trainiert für Olympia“ gefeiert. In den Vereinen habe es zahlreiche neue Impulse für Geselligkeit und Miteinander gegeben, die Feuerwehren gingen in Ausbildung und Übung moderne, kreative Wege und zeigten Professionalität und Zusammenhalt. Ein starkes Zeichen für Zusammenhalt sei auch die Gründung des Vereins „Freunde des Ortenberger Freibades“ - eine Entwicklung, die zeige, wie sehr das Bad den Menschen am Herzen liege. Mit Madhia Idrees und Sebastian Hennermann seien zwei neue Engagementlotsen ausgebildet worden, die mit dem Projekt „Heimathüpfer” einen digitalen Stadtführer für alle Stadtteile entwickeln wollen - ein Projekt, auf das man sehr gespannt sein dürfe.
Das Jahr 2025 sei aber auch von den finanziellen Herausforderungen geprägt gewesen. „Wir haben gespürt, wie die stark steigende Kreisumlage, die finanziellen Belastungen durch die Kindertagesstätten und die unzureichenden Schlüsselzuweisungen unseren kommunalen Haushalt belastet haben. Trotz gesteigerter Gewerbesteuereinnahmen und positiver Entwicklungen in einzelnen Bereichen bleibt der Druck spürbar - und auch für 2026 stehen wir vor der Aufgabe, den Haushalt verantwortungsbewusst zu gestalten.“
Ortenberg habe deshalb wie viele andere Kommunen begonnen, sparsamere Wege zu gehen und die Einnahmesituation zu stabilisieren. Dabei seien Entscheidungen wie die Anpassung der Hebesätze in 2025 nicht leicht gewesen. „Sie waren jedoch notwendig, um die Stadt handlungsfähig zu halten“, so Bäckel. Diese Lage sei kein lokales Phänomen, sondern betreffe Hessen insgesamt: „Der Hessische Städtetag hat wiederholt darauf hingewiesen, dass die Finanzausgleichsmasse trotz steigender Aufgaben nicht in ausreichendem Maße angepasst wurde, und fordert eine spürbare Erhöhung der kommunalen Ressourcen, um unseren Verpflichtungen gerecht werden zu können.“
Auch 2026 würden die Finanzen eine wesentliche und gleichzeitig die schwierigste Herausforderung sein, so Bäckel. Hier sei die weiter steigende Kreisumlage mit einer Mehrbelastung von rund 640 000 Euro für Ortenberg zu nennen. Bereits im vergangenen Jahr habe die Erhöhung der Kreis- und Schulumlage zu einer Mehrbelastung von rund 750000 Euro geführt.
Die Unterfinanzierung der Kitas sei eine große Belastung für alle Kommunen. Die Stadt Ortenberg habe hier aktuell eine Unterdeckung von rund 3,1 Millionen Euro. Gleichzeitig erfordere immer mehr Bürokratie mehr Personal und erschwere praktisches Handeln. Hinzu komme, dass die Stadt seit Jahren ein finanzielles Loch vor sich herschiebe, welches zum Jahresende 2025 von 4,8 Millionen auf rund 4,2 Millionen Euro reduziert werden konnte. Insgesamt habe Ortenberg 2025 rund 2,4 Millionen Euro Schulden abgebaut.
Im neuen Jahr werde die Stadt mit vereinten Kräften die begonnenen Projekte wie Wasserzähleraustausch, Hochwasserschutz, Gewerbeansiedlung, Bauhof, Entwicklung von Bauland und die Stadtentwicklung, Kinderbetreuung, Digitalisierung der Verwaltung und vieles mehr weiter vorantreiben. Im Haushaltsentwurf sei aktuell ein Gesamtvolumen von knapp 6,3 Millionen Euro für Investitionen vorgesehen. Dazu zählten die Wasserversorgung zwischen Usenborn und Gelnhaar, der Rad- und Fußweg Konradsdorf, das Bürgerhaus Gelnhaar, die Kanalsanierung Ortenberg und der zweite Bauabschnitt für Wasser und Kanal in Gelnhaar. „Im Rahmen des Förderprogramms Lebendige Zentren, an dem wir gemeinsam mit Gedern und Hirzenhain teilnehmen, werden wir in diesem Jahr einen städtebaulichen Wettbewerb durchführen, um Ideen von Fachplanern für eine zukunftsfähige Stadtentwicklung zu erhalten“, so Bäckel. „Wir werden unsere städtischen Pflichtaufgaben weiterhin zuverlässig erfüllen - durch eine solide Haushaltsführung, durch gezielte Investitionen und durch kluge Prioritätensetzungen. Projekte zur Förderung von Infrastruktur, Bildung und Mobilität sollen mit Fördermitteln begleitet werden, wo immer dies möglich ist - ohne unsere kommunalen Finanzen zu überfordern. Der Dialog mit Land und Kreis bleibt zentral: Wir setzen uns dafür ein, dass die Herausforderungen der Kommunen ernst genommen und langfristig tragfähige Lösungen gefunden werden. Wir wollen gemeinsam mit Ihnen, liebe Bürgerinnen und Bürger, die Potenziale unserer Stadt nutzen - sei es im Ehrenamt, in der Vereinsarbeit, in der Wirtschaft oder im Engagement für eine nachhaltige Zukunft. Stillstand ist keine Option.“
Im Rahmen des Neujahrsempfangs wurden auch Anerkennungsprämien an Feuerwehrleute für jahrzehntelangen Dienst in der Einsatzabteilung vergeben. Seit zehn Jahren sind Benjamin Rausch und Florian Cholschreiber im aktiven Feuerwehrdienst, seit 30 Jahren Björn Liebegott-Sattler, Christoph Leinberger und Jens Hofmann. Aus den Händen von Stadtbrandinspektor Willibald Goldbach und Bürgermeister Markus Bäckel konnten sie die entsprechenden Urkunden und Anerkennungen, die auch in finanzieller Form gezollt werden, entgegennehmen.
Auch die Preise für besonders engagierte Teilnahme am Stadtradeln wurden beim Neujahrsempfang ausgegeben. Erstmals hatte sich die Stadt Ortenberg 2025 an dieser Initiative beteiligt, und dank großzügiger Sponsoren konnten Gruppen und Einzelpersonen, die dabei besonders aktiv gewesen sind, mit Sachpreisen und Gutscheinen belohnt werden. Das größte Team mit den meisten Radelnden hatte die Gesamtschule Konradsdorf gestellt, das radel-aktivste Team, also das Team mit den meisten Fahrradkilometern pro Teilnehmer, war das Team „Dorfbeweger“ mit 280,8 Kilometern pro Kopf. Einzelprämien gingen an die jüngsten Teilnehmenden Fea und Malin Zahn, den ältesten Teilnehmer Norbert Hartmann und die drei „Wochensieger“ Norbert Stephan (323 Kilometer in Woche eins), Johannes Frühwein (300,5 Kilometer in Woche zwei) und Christian Schäfer (394,8 Kilometer in Woche drei). Die beste Einzelleistung bei den Herren hatte Lorenz Traxl mit 813,9 Kilometern erbracht, bei den Damen Petra Piccolo mit 301,2 Kilometern. Insgesamt hatten sich 63 Personen aus neun Teams am Stadtradeln beteiligt und bei 661 Fahrten insgesamt 12005 Kilometer abgespult und damit über zwei Tonnen Kohlendioxid eingespart.