In Vorbereitung auf die Feier der ersten urkundlichen Erwähnung von Marbach vor bald 800 Jahren hat der Lehrer, Heimatforscher und Buchautor Günter Sagan im Pfarrheim einen Vortrag über die Auswirkungen des Zweiten Weltkriegs auf das Dorf gehalten. Das Interesse der Bevölkerung war größer, als die Arbeitsgruppe der Chronik „800 Jahre Marbach" als Veranstalter erwartet hatte.
Marbach war vom Krieg sicher weniger betroffen als größere Städte, dennoch gab es Spektakuläres zu berichten. Hier fiel nach den Worten von Sagan 1940 die erste feindliche Bombe im Raum Fulda. Wie er erklärte, war Fulda eine Einflugschneise für britische Kampfflugzeuge auf dem Weg nach Leipzig, weil es hier keine große Flugabwehr gab. Die Bombe hinterließ einen Trichter in einem Acker östlich der Kirche, und ein paar Fensterscheiben gingen zu Bruch. Es wurde mit einer regelmäßigen Flugwache der Feuerwehr reagiert. Jedes Mitglied musste etwa alle 14 Tage eine Nacht auf Wache verbringen und verdächtige Beobachtungen nach Fulda melden.
Der Marbacher Pfarrer Konrad Trageser fiel 1941 den braunen Machthabern zum Opfer. Er machte in einer Predigt in Rückers eine unvorsichtige Bemerkung („Wichtiger als Orden und Ehrenzeichen ist die Erhaltung des Seelenadels") und wurde von einer nicht ortsansässigen Frau denunziert. Er wurde verhaftet und kam wegen „Wehrkraftzersetzung" ins KZ, wo er am 14.01.1942 nach einer schlecht behandelten Verletzung an Blutvergiftung starb.
Lange blieb Marbach ansonsten vom Krieg relativ unberührt. Doch am 31.03.1944 stürzte ein britischer Bomber nahe Marbach im Michelsrombacher Wald ab. Von der Besatzung überlebte niemand.
Gegen Ende des Kriegs häuften sich auch in Marbach die Luftalarme. Die Bahnstrecke mit dem Marbacher Bahnhof und die Reichsstraße (heute B27) bei Lehnerz wurden wiederholt angegriffen und Teile davon zerstört.
Es wurde ein „Volkssturm" eingerichtet, der aus alten Männern und Jugendlichen bestand. Marbach erlebte Todesmärsche von Kriegsgefangenen. Ein russischer Lehrer starb auf dem Weg zum KZ Buchenwald in Marbach an Entkräftung. Um bei den sich bereits nähernden US-Truppen einen guten Eindruck zu machen, wurde er ehrenvoll beerdigt – sein Grab ist noch heute auf dem Marbacher Friedhof zu finden.