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Poppenhausener Nachrichten
Ausgabe 33/2026
Was ist los im Biosphärenreservat
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100 Jahre Segelflug in der Rhön

Max Kegel (Gewittermaxe) und Paul, Erbauer des Rekordflugzeuges

Max Kegel im Segelflugzeug

Max Kegel mit Wolf Hirth, Ferdinand Schulz, Fritz Stamer, Robert Kronfeld und Edgar Dittmar

Vor 100 Jahren - der Segelflug erfindet sich in der Rhön

Schon seit 1920 trafen sich Flugbegeisterte, um an den Hängen der Wasserkuppe mit ihren selbstgebauten Apparaten den Hang hinunter oder am Hang entlang zu gleiten. Beim Rhön-Segelflugwettbewerb 1926 gab es schon erste Überlandflüge in der näheren Umgebung, jedoch stets getragen von Hangwinden - also horizontalen Winden, welche die Rhönlandschaft nach oben ablenkte und so den Gleitfliegern kleine Flüge ermöglichten.

Am 12. August 1926 zog jedoch ein Gewitter auf, so dass die Flieger mit ihren zerbrechlichen Apparaten schnell landeten. Nicht so der Luftpolizist Max Kegel, seit Jahren dienstlich auf der Wasserkuppe. Mit seiner selbstgebauten Maschine sog das Gewitter beide in die mächtigen Wolken. Kegel verlor die Orientierung, versuchte aber immer seinen "Vogel" stabil zu halten. Das gelang ihm, bis er sich in kürzester Zeit in einer bisher unerreichten Höhe wiederfand. Die thermischen Aufwinde der Gewitterwolke, also eine vertikale Luftstömung, hatte ihn auf fast 2 Kilometer Höhe gebracht. Die Landschaft erkannte Kegel nicht mehr, seine Orientierung war verloren. Also gleitete er die enorme Höhe in ruhigerer Luft ab. Auf der Wasserkuppe machten sich alle große Sorgen, wo mag Kegel geblieben sein? Die Spannung wandelte sich in Jubel, als Kegel sich per Fernsprecher meldete. Er sei in Gompertshausen gelandet. So wie Sie es vermutlich auch nicht wissen, erging es vor 100 Jahren den Segelfliegern. Hierzu aus der Zeitschrift "Flugsport":

"Alles stürzte nach den in der Sportleitung aufgehängten Umgebungskarten und suchte Gompertshausen. Aber o weh! So weit reichte das Kartenmaterial nicht. Erst nach langem Suchen gelang es, bei einem Automobilfahrer eine Karte zu requirieren, aus welcher hervorging, daß Gompertshausen 54 km entfernt liegt. Ein lang anhaltendes Hurrarufen auf Max Kegel dröhnte durch das Lager."

Diese "Welthöchstleistung" ebnete den Weg zur Erforschung der Meteorologie und den Zusammenhängen zwischen Sonneneinstrahlung und Wolkenbildung. Im Folgejahr wurde die Thermik entdeckt, mit deren Hilfe die Segelflieger bis heute ihre Höhe mit Sonnenkraft gewinnen und so von Wolke zu Wolke "überland" fliegen - in Mitteleuropa heute teilweise über 1.000 Kilometer an einem Tag weit.

Der Ausgangspunkt war ein kühner Polizist vor 100 Jahren am Berg der Segelflieger, der Wasserkuppe.

Text und Bilder: Deutsches Segelflugmuseum mit Modellflug