Sehr geehrter Herr Minister für Wirtschaft, Innovation, Digitales und Verkehr,
sehr geehrter Herr Minister für Inneres, Bauen und Sport,
liebe Gäste aus Landtag, Kreistag, Gemeinderat, Wirtschaft, Ehrenamt, Blaulichtfamilie und Gesellschaft,
liebe Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter,
liebe Ensdorferinnen und Ensdorfer,
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ich begrüße Sie sehr herzlich zu unserem Neujahrsempfang hier in Ensdorf. Ich wünsche Ihnen – auch im Namen des Gemeinderates und der Verwaltung – Gesundheit, Zuversicht und ein gutes neues Jahr 2026. Ich bin sehr froh und stolz darüber am heutigen Abend gleich zwei hochrangige Vertreter der Landesregierung zu Gast zu haben. Ich werte dies als Beleg dafür, dass dieses kleine - nicht gallische, sondern aus keltischem Ursprung entstandene Dorf - und dessen weitere Entwicklung im Saarbrücker Fokus ist und bleibt.
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Der Beginn eines neuen Jahres ist immer ein besonderer Moment.
Ein Moment des Innehaltens, ein Moment des Rückblicks - aber auch ein Moment des Aufbruchs.
Wir fragen uns: Wo stehen wir? Wo wollen wir hin?
Und vielleicht noch wichtiger: Was hält uns als Gemeinde zusammen?
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Ein bekannter Mann hat einmal gesagt:
Es gibt Orte, die erkennt man nicht zuerst an Gebäuden, an Straßen oder an Plätzen, sondern an den Menschen, die Verantwortung übernehmen. Menschen, die anpacken, die sich kümmern, die sich nicht wegducken.
Oft geschieht das leise und ohne große Bühne – aber immer mit großer Wirkung.
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Ich habe dieses Bild ganz bewusst als Einstieg gewählt, denn im weiteren Verlauf dieses Abends werden wir den Bürgerpreis der Gemeinde Ensdorf verleihen. Er geht in diesem Jahr an zwei Gruppierungen, die stellvertretend für viele stehen, die sich ehrenamtlich engagieren, die seit vielen Jahren oder durch ein ganz besonderes Projekt sich mit Zeit, Kraft und Herzblut für unsere Gemeinschaft einsetzen.
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Ohne dieses Ehrenamt wäre unsere Gemeinde um ein Vielfaches ärmer –
ärmer an Begegnung, ärmer an Menschlichkeit, ärmer an Lebensqualität.
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Bei einer Neujahrsansprache ist es neben dem Ausblick auf das kommende Jahr auch üblich, auf das vergangene Jahr zurückzublicken – mit allem, was gelungen ist, aber auch mit dem, was uns gefordert hat.
… und ja das Jahr 2025 war kein einfaches Jahr.
Es hat Verwaltung, Rat und auch Sie als Bürgerinnen und Bürger gefordert – organisatorisch, politisch und finanziell. Lassen Sie mich beispielhaft einige dieser Themen anreißen.
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Eine der schwierigsten Entscheidungen war die deutliche Erhöhung der Grundsteuer. Dieser Beschluss hat viele Betroffene verärgert und ist keinem der Entscheidungsträger leichtgefallen. Aber er war notwendig, um das Einnahmeniveau zu halten und den Gemeindehaushalt überhaupt genehmigungsfähig zu machen.
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Herausforderungen sind nicht immer nur finanzieller Art, sondern auch ganz praktische Eingriffe in den Alltag vieler Bürgerinnen und Bürger.
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So hat der Glasfaserausbau unseren Ort monatelang geprägt. Straßen waren aufgerissen, Verkehrsführungen geändert und viele Baustellen prägten den Alltag. Es gab Verzögerungen und Unmut – auch bei mir. Immer noch lässt die Anzahl der angeschlossenen Haushalte, obwohl die Tiefbauarbeiten nahezu beendet sind, zu wünschen übrig.
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Allerdings sehen wir heute auch:
Die baulichen Einschränkungen – auch die, die noch nach der Winterpause noch kommen - waren und sind nur vorübergehend.
Die Infrastruktur, die daraus entsteht, wird bleiben.
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Schnelles Internet ist keine Komfortfrage, sondern eine Standortvorteil für unsere Schulkinder, Familien und nicht zuletzt die Unternehmen im Ort.
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Und während wir in Ensdorf selbst mit diesen sehr konkreten Themen beschäftigt waren, wirken sich auch die überregional großen wirtschaftlichen Fragen auf die Gemeinde aus.
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Ein schmerzlicher Punkt war die endgültige Absage der geplanten Chipfabrik von Wolfspeed auf dem ehemaligen Kraftwerksgelände. Dies war ein herber Rückschlag für die gesamte Wirtschaftsregion - nicht zuletzt auch, weil so viele Hoffnungen damit verbunden waren.
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Trotzdem sage ich: Dieser Standort ist und bleibt hoch attraktiv - ein bedeutender Standort für Mittelstand und Industrie. Ich hoffe, sehr geehrter Minister Barke, dass Sie uns im Verlauf des weiteren Abends diesbezüglich Perspektiven aufzeigen können.
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Viele der zuvor genannten Entwicklungen des vergangenen Jahres haben auch Spuren hinterlassen – nicht nur im Haushalt und in der Infrastruktur, vor allem in der Gesellschaft.
Dementsprechend bereitet mir besonders das Abschneiden der AfD bei der Bundestagswahl im vergangenen Jahr – nicht zuletzt auch in unserer Gemeinde - Sorgen.
Das Ergebnis ist kein Anlass für moralische Belehrungen.
Es ist ein klarer Auftrag an alle demokratischen Parteien.
Es zeigt, dass Menschen sich nicht gehört, sich nicht ernst genommen –
… und ja, sich manchmal auch allein gelassen fühlen.
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Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht nur:
„Wie bekämpfen wir Populismus?“
sondern:
„Wie erreichen wir Menschen wieder?“
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Für mich bedeutet dies:
Präsent sein, zuhören, erklären, Probleme des Alltags ernst nehmen und Politik nicht als etwas Abgehobenes, sondern als etwas Nahes erlebbar zu machen.
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Gerade in solchen Zeiten zeigt sich, wie wichtig Orte des Miteinanders sind und es Menschen braucht, die diese Orte mit Leben füllen.
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Deshalb dürfen wir alle besonders stolz sein - auf unsere Vereine, unsere Hilfsorganisationen, unsere Blaulichtfamilie, unsere sozialen Einrichtungen und deren Engagement –
kurz gesagt: alle Menschen, die sich für Andere einbringen.
Sie organisieren Veranstaltungen, halten Traditionen lebendig, unterstützen sozial, bringen Jung und Alt zusammen. Ob Kirmes, Weihnachtsmarkt, Vereinsfeste oder kulturelle Veranstaltungen – überall sind Menschen am Werk, die ihre Freizeit investieren.
Sie sind das Herzstück unseres Gemeindelebens – denn dieses Engagement ist nicht selbstverständlich. Dies verdient nicht nur Dank und Applaus - sondern unseren Respekt und unsere Unterstützung.
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Und dennoch:
Bei allem Engagement vor Ort kommen wir um ein Thema nicht herum, das viele Entscheidungen bestimmt – unsere finanzielle Lage.
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Ich möchte das nicht abstrakt lassen, sondern ganz konkret an unserer Situation erläutern.
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Die Gemeinde Ensdorf verfügt über jährliche Einnahmen aus Steuern und Umlagen in einer Größenordnung von ca. 12,8 Millionen Euro.
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Davon stammen
Was zunächst nach stabilen Einnahmen klingt, relativiert sich sehr schnell:
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Mehr als 6,2 Millionen Euro fließen direkt wieder ab.
Allein rund 5,5 Millionen Euro werden über die Kreisumlage an den Landkreis gezahlt. Weitere knapp 500 Tsd. Euro gehen als Umlagen an das Land zurück. Und – das will ich an der Stelle auch einmal in Erinnerung rufen – 400 Tsd. Euro gehen als Sachkosten in der Umlage an die gKita GmbH. Und gute Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind adäquat zu entlohnen und schlagen mit einem Kostenblock von 5,2 Millionen Euro zu Buche
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Am Ende bleibt ein finanzieller Spielraum, der mit der Aufgabenerfüllung einer modernen Kommune kaum in Einklang zu bringen ist.
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Vor diesem Hintergrund braucht es klare Prioritäten, eine kreative Haushaltsführung und mutige Entscheidungen – auch unbequeme.
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Zugleich sage ich klar:
Wenn Kommunen immer neue Aufgaben übertragen bekommen, dann muss nach wie vor gelten: Wer bestellt, bezahlt.
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Eine verlässliche und auskömmliche Finanzausstattung der Kommunen ist keine großzügige Gabe des Staates, sondern eine im Grundgesetz – unter dem Aspekt der Gleichwertigkeit der Lebensverhältnisse – von den Verfassungsvätern postulierte Voraussetzung dafür, dass Demokratie vor Ort funktioniert.
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Vor diesem finanziellen Hintergrund ist es dann auch ambitioniert, was wir uns für 2026 vorgenommen haben.
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Der bisher von der Grundschule, der Kreisvolkshochschule und dem Musikverein genutzte Plattenbau wird im Sommer endlich abgerissen. Dort entsteht Raum für den Ersatzneubau der Grundschule und der Freiwilligen Ganztagsschule.
Dieses Millionenvorhaben ist nicht nur ein Bauprojekt; es ist eine Investition in die Zukunft unserer Kinder.
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Eine weitere große Maßnahme ist die Sanierung der Lochbach-Verrohrung. Das vorhandene Bauwerk ist stark beschädigt und muss dringend erneuert werden.
Etwa ab Mai wird es (leider) eine rund 16-monatige Großbaumaßnahme geben - vor allem im Bereich der Saarlouiser Straße. Wir versuchen, die Beeinträchtigungen so gering wie möglich zu halten, aber wir werden sie nicht vollständig vermeiden können. Möglicherweise wird das ein Vorgeschmack auf das sein, was uns im Zusammenhang mit der Sanierung des Brückenbauwerks 99 in Fraulautern und dem sich daraus ergebenden Umleitungsverkehr rund um den bisherigen Rathauskreisel erwartet.
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Auch Projekte, die uns bereits länger begleiten, sind nicht aus dem Blick geraten:
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Wir entlassen die DB nicht aus ihrer Zusage im Jahr 2028 mit der Sanierung des Bahnsteigs und des Ausbaus der Unterführung mit Park-and-Ride Station in Richtung Nussgartenstraße zu beginnen.
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Um auf die Stichwörter mutig und ambitioniert zurückzukommen:
Ohne die Hilfe des Landes geht nichts mehr. Über das LuKiFG (Gesetz zur Finanzierung von Infrastrukturinvestitionen von Ländern und Kommunen) stehen Ensdorf rund 3,5 Millionen Euro über einen Zeitraum von zwölf Jahren zur Verfügung.
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Der Gemeinderat wird darüber zu entscheiden haben, ob diese Mittel in ein einzelnes Großprojekt oder in mehrere Teilprojekte fließen.
Mut und Ambitionen haben aber auch ihre Grenzen. Besonders deutlich wird dies, wenn Wunsch und Wirklichkeit wie beim Thema Schwimmbad, aufeinandertreffen. Landesweit stehen zwar 113 Millionen Euro an Fördermitteln zur Verfügung. Ensdorf allein bräuchte aber schon rund 27 Millionen Euro, wenn das Bad in seiner heutigen Größe und mit seinem besonderen Charme erhalten bleiben soll.
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Ich bin unendlich dankbar für jede Unterstützung des Landes - aber gleichzeitig äußere ich die Befürchtung:
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Die Mittel werden – bei allem guten Willen – vermutlich nicht auskömmlich sein.
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Neben all diesen Vorhaben und ihren Finanzierungsnöten gibt es 2026 aber auch Ereignisse, auf die wir uns einfach nur freuen dürfen.
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Vom 15. bis 20. Juni 2026 ist das Saarland Gastgeber der Special Olympics.
Rund 4.000 Athletinnen und Athleten sowie viele Begleitpersonen und Volunteers werden unser Land in eine große Bühne des Miteinanders verwandeln.
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Ich bin besonders stolz, dass die Fackel – in Form einer Grubenlampe – am Morgen des 11. Juni auf unserer Bergehalde landen wird und anschließend per Gleitschirmflug auf die Landewiese an der Sporthalle gebracht wird. Von dort wird sie dann zu den beiden Sportstätten im Landkreis – nach Dillingen und Saarlouis verbracht.
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Das wird ein Ereignis sein, das man sicherlich nicht vergisst.
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Und wir haben noch ein zweites Ereignis, das weit über Ensdorf hinaus strahlen wird:
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Im August wird am Saarpolygon die „West Side Story“ aufgeführt.
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Das ist nicht nur Kultur – das ist ein Gänsehautprojekt vor einer einmaligen Kulisse.
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Ein weltbekanntes Musical, aufgeführt an einem Ort, der wie kaum ein anderer für den Wandel unseres Saarlandes steht:
Vom Bergbau in die Zukunft.
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All das – Herausforderungen, Projekte, Momente des Miteinanders, sportliche und kulturelle Höhepunkte – beschreibt, was uns im kommenden Jahr erwarten wird.
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Dürfen wir, darf das Saarland entgegen zahlreichen Unkenrufen optimistischer auf 2026 blicken?
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Ich glaube – ja. Vor dem Jahreswechsel habe ich in einer kommunalen Zeitschrift einen Artikel entdeckt, in dem der Autor mir aus der Seele spricht. Gestatten Sie mir, diesbezüglich zu zitieren:
„Halleluja, der Puls ist noch da. Aber es ist so: In Rathäusern, Bauhöfen und Feuerwachen wird 2026 besser werden als das Vergangene. Das prognostiziert der Zukunftsforscher Daniel Dettling. Der Grund: Bürgermeister – und mir ist es wichtig zu betonen: natürlich jeder mit seiner Mannschaft - reparieren, organisieren, vermitteln – jeden Tag, ohne Show, aber mit Wirkung. Der Bund redet über Stimmungen, die Kommunen schaffen Realität.
Mein Rat: Wer Optimismus sucht, sollte weniger nach Berlin schauen und öfter ins nächste Rathaus gehen. Da wird nicht geunkt, da wird gemacht. Und genau deshalb entsteht Zukunft nicht in Strategiepapieren, sondern zwischen Bürgermeister, Kämmerin, Bauamt, Gemeinderat und Bürger. Kurz gesagt: Hoffnung hat eine Postleitzahl.“
In dem Fall 66806
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Meine sehr verehrten Damen und Herren,
liebe Gäste,
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lassen Sie uns auf ein gutes, gesundes und auf ein friedliches neues Jahr 2026 anstoßen.
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Danke für Ihre Aufmerksamkeit - Glückauf!