Autor des Gedichts „Òm Gaau“ ist Manfred Neutzling und dieser Text ist Mundarttext des Monats im Oktober 2022, darauf hat sich das Kolloquium der Bosener Gruppe verständigt. Der Text wurde ausgesucht, so Karin Klee, Autorin und Sprecherin der Gruppe, denn er gibt unter anderem Aufschluss darüber, dass menschliche Dummheit und menschliche Gier zu den Dingen gehören, die garantiert grenzenlos sind. Und es wohl auch in Zukunft noch lange bleiben werden.
Über den ausgewählten Text schreibt der Autor und Sprecher der Bosener Gruppe Peter Eckert:
In einer Zeit, in der an so vielen Stellen alte und neue Gräben aufgerissen werden, Grenzen neu errichtet oder undurchlässig reaktiviert, Völkerhass und Kriege wieder als Mittel der Politik gelten, erinnert das Gedicht daran, dass auch nach bitteren Erfahrungen aus einem Gegeneinander ein Miteinander werden kann. Verfasst wurde es vor genau 40 Jahren; im damaligen Saarländischen Mundartwettbewerb wurde es mit einem 1. Preis ausgezeichnet. Der Autor Manfred Neutzling (1935-2009) war ein hochgeschätzter Heimatkundler, aus diesem Umfeld stammen die Themen der wenigen von ihm verfassten Mundartgedichte.
Òm Gaau
Aich wahnen lej
mai Nòba wahnt lòò.
Ma wahnen richt riwwa
grad iwwa de Gaß.
Ma breichen kän Heck
kän Graawen, kän Zaun,
mia se gudd draan,
Uus Grenz es de Schdròòß.
De Finnschdan louen niwwa,
de Finnschdan louen riwwa.
Ma louen uus en de Stuff
on louen uus en de Aauwen.
Ma breichen kän Heck,
kän Graawen, kän Zaun,
mia se gudd draan.
Uus Grenz es de Schdròòß.
Ma stehn òff da Gaß
ze schpròòchen, ze maajen.
Aich saan. „Bes mòamòa“
da Piäa rouft. „Salü!“
Ma breichten kän Heck,
kän Graawen, kän Zaun,
mia se domm draan.
Uus Schdròòß es de Grenz.
Manfred Neutzling