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Der Stadtkurier
Ausgabe 15/2020
Allgemeines
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NABU Gruppe Bingenheim

Rund ums Osterei

Mit Pflanzensäften Hühnereier zum Leuchten bringen

Jetzt leuchten sie wieder überall: die bemalten und gefärbten Ostereier. Doch woher kommt eigentlich dieser Brauch? Und warum ist der Lieferant der bunten Geschenke ausgerechnet ein Hase? Wir klären auf und geben Tipps zum Eierfärben mit Farben aus der Natur.

Das österliche Eierfärben wird in Deutschland seit Jahrhunderten praktiziert - und macht auch heute noch genauso viel Spaß! Passend zu den leckeren Bio-Eiern kann man auch bei den Farben ganz auf die Natur setzen. Die Farbergebnisse sind zwar nicht so knallig wie die gekaufte Variante aus dem Supermarkt, aber dafür kommen Naturfarben ganz ohne E-Nummern aus und schon ihre Herstellung bereitet Spaß für die ganze Familie! Für ein Ostern im Sinne der Müllvermeidung empfiehlt der NABU, die Zutaten anschließend so weit wie möglich zum Kochen zu verwerten.

Ostereier färben mit Pflanzensäften

Das wird gebraucht

Natürlich Eier. Sowohl weiße als auch braune Eier können zum Färben verwendet werden. Weiße Eier ergeben eher leuchtende oder hellere Farben, braune Eier einen dunkleren Farbton. Wir verwenden natürlich Bioeier: Diese haben außerdem eine dickere und stabilere Schale und eignen sich deshalb zum Färben besonders gut.

Und jetzt noch die Pflanzenfarben aus der Natur. Grundsätzlich eignen sich alle färbenden Lebensmittel, der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt. So kann man auch beispielsweise mit frischem Spinat, Karottenschalen oder Hibiskusblüten experimentieren. Wir haben es mit folgenden Pflanzen versucht:

  • Blau: frischer Rotkohl

  • Rot: eingelegte Rote Beet· Orange: Schalen vom frischen Kurkuma (gemahlener Kurkuma geht auch gut)

  • Gelb bis goldbraun: Zwiebelschalen

  • Grün: frische Minze

  • Braun: Kaffeesatz

Bunte Ostereier: Woher kommt dieser Brauch? Und warum bringt der Hase die Ostereier?

Nicht nur in Deutschland wird während der Vorbereitung des Festes viel mit Farbe hantiert. Von Armenien über Russland, Griechenland, den Mittelmeerraum bis hin nach Mitteleuropa hat sich die Tradition des Eierbemalens durchgesetzt. Möglicherweise stammt der Brauch ursprünglich aus einer viertausend Jahre alten Religion, die im Gebiet des heutigen Armenien und Kurdistan weit verbreitet war, dem Jesidentum. In Deutschland fand das österliche Eierfärben erstmals im 16. Jahrhundert Erwähnung. Hundert Jahre später wurde dann von dem Brauch berichtet, Eier für die Kinder zu verstecken.

Begehrte Gewinne bei traditionellen Osterspielen

Zunächst galten die aufwändig bemalten Eier als ein Geschenk zum Zeichen der Anerkennung oder Liebe. So schenkten junge Frauen früher ihren Auserwählten ein besonders hübsch verziertes Ei. Familien zeigten Ärzt*innen und Pfarrer*innen mit selbst bemalten Eiern ihre Dankbarkeit und natürlich sollten die bunten Eier schon damals Kinder glücklich machen. Nicht zuletzt waren die Ostereier ein begehrter Gewinn bei einem der vielen Osterspiele.

Welches Spiel ist in Ihrer Familie bekannt?

  • Eiertitschen: Dieses Spiel ist vielleicht am weitesten verbreitet. Hierbei treten zwei Spieler gegeneinander an. Jeder hält sein Ei in der Hand auf ein Zeichen schlagen die beiden Kontrahenden ihre Eier gegeneinander. Der, dessen Ei unbeschadet bleibt, hat gewonnen.
  • Eierschleudern: Ein Osterei wird in ein aus Wolle gehäkeltes Säckchen mit einem langen Band gesteckt: Dieses schleudert man und lässt es los. Sieger ist, wessen Ei am weitesten fliegt und dabei heil bleibt.
  • Münzenwerfen: Der eine hält sein Ei in der Hand, der andere zielt mit einer Münze auf das Ei und wirft. Bleibt die Münze im Ei stecken, so gehört das Ei dem Werfer.
  • Ostereierschieben: Ein traditionelles Spiel aus der Gegend von Bautzen. Die Eier werden einen Hang hinunter gerollt. Unten stehen Kinder und versuchen, die Eier aufzufangen.

Kuckuck, Fuchs oder Hase? Wer bringt die Eier?

Warum legt und färbt ausgerechnet ein Hase die Ostereier? Diese Geschichte ist noch nicht so alt. Noch vor 200 Jahren war der Osterhase in Deutschland weitgehend unbekannt. In Teilen der Schweiz war als Überbringer der bunten Eier der Kuckuck bekannt. In Schleswig-Holstein, Sachsen, Oberbayern und Österreich lieferte der Hahn die begehrten Ostergrüße. In Thüringen übernahm den Dienst der Storch und in Westfalen der Fuchs. Doch inzwischen hat sich überall der Hase durchgesetzt.

Eine Hypothese für den Ursprung dieser Geschichte ist, dass die Protestanten im 17. Jahrhundert dem Hasen die Überbringung der Eier zugeschrieben haben, um sich von den Katholiken zu distanzieren, deren Fastenbräuche und insbesondere die Eierweihe sie ablehnten. Doch die vielleicht netteste Erklärung ist diese hier:

Die Sophisten und die Pfaffen

stritten sich mit viel Geschrei:

Was hat Gott zuerst erschaffen,

Wohl die Henne? wohl das Ei?

Wäre das so schwer zu lösen?

Erstlich ward ein Ei erdacht:

Doch weil noch kein Huhn gewesen,

Schatz, so hat‘s der Has gebracht.

(Auszug aus dem Gedicht „Auf ein Ei geschrieben“ von Eduard Möricke)

NAJU Bingenheim

Aufgrund der aktuellen Ausbreitung des Coronavirus (COVID-19) sind bis auf weiteres alle NABU Veranstaltungen abgesagt, d.h. auch die Treffen der Jugendgruppe müssen entfallen.