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Der Stadtkurier
Ausgabe 15/2021
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NABU-Gruppe Bingenheim - Wild und voller Leben

Wild und voller Leben

Wie heimische Wildpflanzen unsere Gärten bereichern

In vielen Gärten haben Wildpflanzen kaum noch Platz. Hier dominieren Kulturpflanzen, die durch Züchtungen aus den alten Wildpflanzen hervorgingen. Viele Gärtner empfinden Wildpflanzen als störend, manche werden akribisch entfernt - dabei können sie mit Vorzügen aufwarten, die ihre gezüchteten Kollegen erblassen lassen.

Als Gärtner haben wir es in der Hand, wie unser eigenes Stück Natur aussehen soll. Wählen wir wilde, heimische Arten? Dann werden wir belohnt: durch satte Düfte, leuchtende Blüten und eine Fauna, die staunen lässt.

Die Wildpflanzen haben die Reise durch die Zeit jedoch nicht allein gemeistert. Insekten, Säugetiere und Vögel standen ihr genauso bei, wie das Klima und der Boden. Im Laufe der Zeit haben sich beispielsweise die Insekten perfekt an die Pflanzen angepasst - und umgekehrt. Schmetterlinge zum Beispiel bevorzugen ganz bestimmte Pflanzen, die sich wiederum perfekt an ihre Bestäuber, die Schmetterlinge, angepasst haben. Auch die Vögel und Säugetiere sind auf heimische Kost und Baumaterialien angewiesen. Fettreiche Nüsse, Samen und Früchte helfen vielen Arten wie Siebenschläfer, Eichhörnchen und anderen Säugetieren über den Winterschlaf oder die Winterruhe. Ist man im Winter aktiv, benötigt man ebenfalls pflanzliche Kost. Hagebutten, Nüsse, Samen und andere Früchte, Wurzeln sowie unter dem Schnee weiterwachsendes Blattwerk bereichern den winterlichen Speiseplan vieler Tiere.

Heimische Wildpflanzen haben weitere Vorteile: sie sind perfekt an das hiesige Wetter angepasst. Oft trotzen sie im Winter Temperaturen von bis zu minus 30 und im Sommer von bis zu 45 Grad Celsius. Exoten sind dagegen oft nicht „winterhart“ und müssen teilweise vor starken Temperaturschwankungen geschützt werden.

Über pflanzliche Botenstoffe können Pflanzen sogar miteinander kommunizieren. Sekundäre Pflanzenstoffe halten Fressfeinde fern, rufen Nützlinge herbei und veranlassen andere Pflanzen dazu, sich vorsichtshalber schon mal zu wappnen. Zudem „sprechen“ Pflanzen auch über ihre Blüten und Düfte zu ihren potentiellen Bestäubern. Ein bekannter Stinker ist der Baldrian (Valeriana officinalis). Sein herber Duft gefällt uns Menschen nicht so gut. Falter hingegen finden ihn wundervoll: Sie werden durch den Geruch angelockt und tragen dann zu deren Bestäubung bei.

Wildpflanzen sind also unverzichtbare Mitglieder der Lebensgemeinschaft der Arten. Sie sind Lebensgrundlage vieler Tiere und begünstigen sich gegenseitig. Grund genug, ihnen in unseren Gärten einen Raum zu geben.