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Der Stadtkurier
Ausgabe 26/2020
Allgemeines
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NABU Bingenheim

Die Entdeckungsfrage 2020 dreht sich um zwei Marienkäfer

Wir kennen sie, wir lieben sie. Marienkäfer sind gute Flieger und so niedlich wie nützlich.

In Deutschland gibt es ungefähr 70 verschiedene Marienkäferarten. Am häufigsten entdecken wir in Deutschland den einheimischen Siebenpunkt-Marienkäfer und den Asiatischen Marienkäfer, der erst vor wenigen Jahren vom Menschen eingeführt wurde. Vielerorts verdrängt der Asiatische Marienkäfer den Siebenpunkt und andere einheimische Marienkäferarten.

Schwarzroter Glücksbringer
Der Siebenpunkt-Marienkäfer im Porträt

Als Glücksbringer erfreut sich der Siebenpunkt-Marienkäfer - mit wissenschaftlichem Namen Coccinella septempunctata - großer Beliebtheit. Die Zahl Sieben, in diesem Fall die Anzahl schwarzer Punkte auf den roten Flügeldecken des Käfers, galt schon seit je her als Glückszahl und mystische Zahl, vereint sie doch in sich die irdische Vier (vier Elemente) und die göttliche Dreizahl. Marienkäfer sollen Kinder beschützen und Kranke heilen. Sie galten etwa als geheiligte Tiere der Freya, der germanischen Göttin der Liebe und Fruchtbarkeit. Bereits eine etwa 20.000 Jahre alte Schnitzerei aus Mammutelfenbein zeigt einen Marienkäfer. Auch heute finden sich Marienkäfer-Motive in Hülle und Fülle im Handel als Lampenschirme, Kuschel-, Schoko-, Glastiere oder Schlüsselanhänger.

Fakt ist, dass beim Anblick der Käfer mit den wunderbaren roten Flügeldecken und den sieben Glückspunkten weder von Kindern noch Erwachsenen "Igitt"-Ausrufe zu hören sind. Glück für den Käfer! Und er hat noch mehr Glück: Vögel verschmähen das bitter schmeckende Tier und werden durch seine rote Warnfarbe abgeschreckt. Die Menschen stufen ihn als Nützling ein, da die Larven und die Käfer große Mengen an Blattläusen vertilgen. Für die Bauern im Mittelalter waren sie ein Geschenk der heiligen Maria; daher der Name. Langzeituntersuchungen zeigen, dass die Käfer im Getreidefeld auf jeden Fall gefördert werden sollen.

Der Siebenpunkt gehört zur großen Familie der Marienkäfer (Coccinellidae). Weltweit kennt man etwa 5.500 Arten vor allem in den Tropen und Subtropen. In Deutschland wurden bisher 80 Arten nachgewiesen. "Alle kennen ihn, und doch gibt es immer noch viele irrige Vorstellungen", so Prof. Dr. Holger Dathe, Leiter des Deutschen Entomologischen Instituts und Vorsitzender des Kuratoriums. "Weit verbreitet ist, dass die Zahl der Punkte etwas mit dem Alter des Käfers zu tun hätte. Die Zahl der Punkte ist aber sein ganzes, maximal einjähriges Leben lang gleich. Nur deren Größe nimmt von West nach Ost zu."

Viele Punkte und ein Harlekin
Asiatischer Marienkäfer (Harmonia axyridis)

Der Asiatische Marienkäfer wurde seit 2002 in Deutschland gesichtet. Ursprünglich stammt er aus Asien und ist über die USA zu uns nach Europa gelangt. In Deutschland gibt es 70 Marienkäfer-Arten. Der Asiatische Marienkäfer ist dabei sehr wandelbar in seinem Aussehen.

Der Asiatische Marienkäfer wurde seit den 80er Jahren im großen Stil zur biologischen Schädlingsbekämpfung in Gewächshäusern eingesetzt. 1988 tauchten dann erste Tiere in den USA im Freiland auf. Zur Jahrtausendwende kamen die Tiere auch in Europa, vor allem in Belgien, den Niederlanden und Deutschland vor.

Merkmale des Asiatischen Marienkäfers

Das markante Erkennungsmerkmal des Asiatischen Marienkäfers ist das Halsschild. Es ist hell-gelblich gefärbt und zeigt die charakteristische Zeichnung in Form eines schwarzen „M“ bzw. „W“. Die Färbung des Asiatischen Marienkäfers ist sehr variabel. Ihre Färbung reicht von orange ohne Flecken bis zu schwarz mit roten Flecken. Seine Deckflügel sind hellgelb bis dunkelrot. Meist hat er 19 schwarze Flecken. Aufgrund seiner Farbenvielfalt wird der Asiatische Marienkäfer auch als Harlekin-Marienkäfer bezeichnet.

Lebensweise und Vorkommen

Der Asiatische Marienkäfer kommt überall dort vor, wo er seine Leibspeise Blattläuse findet. Egal ob Garten, Park oder Wiese er vermehrt sich im Gegensatz zum deutschen Marienkäfer in bis zu drei Generationen pro Jahr. Das erklärt auch seine schnelle und enorme Ausbreitung in Europa und Deutschland. Er wird fast nie krank. Im Körper dieses Marienkäfers fanden Wissenschaftler 50 verschiedene Peptide (kleine Proteine) zur Infektionsabwehr. Bei allen Freilanduntersuchungen, die bis ins Jahr 2012 andauerten, fanden sich allerdings keine Anzeichen dafür, dass heimische Marienkäfer durch die invasive Art verdrängt würden.

Das steht auf dem Speiseplan

Die Leibspeise des Asiatischen Marienkäfers sind Blattläuse. Pro Tag kann er bis zu 250 Blattläuse vertilgen. Hinzu kommt, dass heimische Marienkäfer wie der Siebenpunkt Holunderblattläuse meiden, da diese Giftstoffe absondern. Den robusten Asiatischen Marienkäfern stören diese Giftstoffe nicht. Es werden auch andere Insekten, Larven oder Insekteneier gefressen. Der Asiatische Marienkäfer ernährt sich auch gerne von Trauben und Früchten, so dass er in Weinbaugebieten auch massenhaft auftreten kann.

NAJU Bingenheim

Aufgrund der aktuellen Ausbreitung des Coronavirus (COVID-19) sind bis auf weiteres alle NABU Veranstaltungen abgesagt, d.h. auch die Treffen der Jugendgruppe müssen entfallen