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Stadtkurier Reichelsheim
Ausgabe 31/2026
Allgemeines
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NABU-Gruppe Bingenheim

Mehr Weißstörche als vor hundert Jahren

In Deutschland brüten so viele Weißstörche wie noch nie seit Beginn der systematischen Aufzeichnungen. Für die aktuelle Saison rechnet der NABU mit bundesweit mehr als 15.000 Brutpaaren. Selbst vor hundert Jahren gab es nicht so viele Störche.

„Im Gegensatz zu vielen anderen Arten haben wir beim Storch jetzt einen guten Erhaltungszustand“, freut sich Bernd Petri von der NABU-Bundesarbeitsgruppe Weißstorch. Lange galt der Weißstorch als Sorgenfall. In den 1980ern sank der Bestand in beiden deutschen Staaten unter 3000 Paare, in vielen Regionen waren die Störche komplett verschwunden. Vor allem Nahrungsmangel durch die intensivierte Landwirtschaft und Trockenlegungen sowie Gefahren auf den Zugwegen machten den Vögeln zu schaffen. Die Trendwende leiteten Naturschutzmaßnamen wie Wiedervernässung und auf den Weißstorch abgestimmte Grünlandbewirtschaftung ein.

Kurze Wege sparen Kraft

Der größte Teil des Aufschwungs ist aber der Anpassungsfähigkeit der Störche zu verdanken. „Alle unsere Weißstörche fliegen im Herbst nach Afrika, das weiß jedes Kind. Nur stimmt das nicht mehr“, erläutert Petri. „Durch Deutschland verläuft eine sogenannte Zugscheide. Östlich davon ziehen die Störche im Winter wie eh und je über den Balkan und Nahen Osten nach Afrika. Westlich der Zugscheide dagegen geht es nur noch bis Spanien. Auf Reisfeldern und Mülldeponien finden die Störche reichlich Nahrung, den Flug via Gibraltar nach Nord- und Westafrika sparen sie sich.“

Die verkürzte Zugstrecke ist ein großer Vorteil. Die Überlebensrate steigt, die Westzieher kommen früh und fit zurück. „Vor 30 Jahren waren drei Viertel unserer Störche Ostzieher, heute ist das Verhältnis umgekehrt: Drei Viertel ziehen nach Westen. Der Schwerpunkt der Storchenvorkommen hat sich grob gesagt von der Elbe an den Rhein verlagert“, so Petri. Der Weißstorch brütet in allen 16 Bundesländern. Waren lange Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg die storchenreichsten Regionen, sind es heute Niedersachsen und Baden-Württemberg. Die größte Storchendichte hat Hessen.

Jungstörche erkunden die Welt

Die Jungstörche können schon gut fliegen, das sichere Landen müssen sie noch üben. Deshalb kommt es in dieser Zeit vermehrt zu Unfällen. Auch die erfolgreiche Jagd nach Würmern, Heuschrecken, Fröschen und Mäusen will gelernt sein. „Das Leben außerhalb des elterlichen Horstes ist voller Gefahren“, erläutert Bernd Petri. „Wenn von den Jungstörchen, die jetzt das Nest verlassen, im nächsten Frühjahr jeder Vierte heil aus dem Süden zurückkommt, ist das schon viel.“

Bevor es auf den Zug geht, kurz oder lang, bilden sich größere Rastgruppen. Auf Wiesen und Stoppeläckern sieht man die Vögel jetzt zusammenstehen. In den ersten Augusttagen beginnt der Abflug, zunächst machen sich die Jungen auf den Weg. Die Storcheneltern sind noch von der anstrengenden Aufzucht gezeichnet, oft wiegen die Altstörche weniger als ihr Nachwuchs. Sie futtern sich jetzt erst mal wieder Reserven an und starten später nach Süden.