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Der Stadtkurier
Ausgabe 33/2020
Aus dem Rathaus wird berichtet
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Damals

Erntezeit in Beienheim 1951

Unser Bild zeigt den Einsatz eines Mähdreschers im Jahre 1951. Der wurde noch von einem Traktor gezogen und durch dessen Antriebswelle auch angetrieben.

So lange ist es noch nicht her, dass nach dem Abmähen des Getreides dessen Halme zu Garben gebunden, nachfolgend zur Scheune gebracht, um dort, nach weiterer Lagerung, entweder von Hand oder später durch eine Dreschmaschine ausgedroschen zu werden.

Unsere jüngere Generation kennt diese schweren Sommerarbeiten für Frauen und Männer nur noch aus Erzählungen oder aus alten Filmen!

Nach dem Krieg begann das Zeitalter der „neuen“ Erntemaschinen - die Zeit der Mähdrescher.

Zuerst noch als Mäh-Dresch-Binder auch kurz MDB genannt bis hin zu den ab ca. 1953 entwickelten Selbstfahrern (SF genannt). Diese kamen, durch ihren hohen Preis bedingt, bei unseren Landwirten hier im Ort erst später zum Einsatz.

Das Bild zeigt den dritten MDB hier in Hessen. Dies entnahm ich der handschriftlichen Info auf der Rückseite der Ablichtung. Es zeigt den Typ Super 500 der Firma Claas!

Die Aufnahme stellte uns die Tochter des traktorfahrenden Besitzers Walter Bingel, Margit Schudt, zur Verfügung. Als Helfer sind hinter dem Trekkerfahrer links der „Navigator“ sein Vater Adolf. Als Unterstützung des Helfers Ludwig Lorey auf der Abfüllplattform ist die Mutter vom Fahrer, Marie Bingel, zu sehen.

In Europa und vor allem in Deutschland stand nach dem Krieg der Einsatz von Mähbindern und stationären Dreschmaschinen dagegen noch in voller Blüte.

Bis Ende der 1950er war auch hier in Beienheim der alte rote Dreschkasten in den Scheunen der Landwirte zugegen. Die Nutzung der neuen “Alleskönner“ schritt aber schnell voran; denn immer mehr Leute fanden und suchten Arbeit in der Industrie, dem Handwerk und im Büro und standen somit als Helfer in der Landwirtschaft nicht zur Verfügung!

Diese Geräte mähten in einem Arbeitsgang das Getreide, droschen es aus, reinigten das ausgedroschene Korn und legten das Stroh auf dem Feld in gebundenen Ballen ab. Dieses Stroh wurde dann in den Viehställen als Unterlage verwendet. Da auch die Viehhaltung sich änderte wird das Stroh heute zum Teil, zwecks besserer Einarbeitung und Verrottung, gehäckselt, und auf dem Acker verteilt. Die nahezu vollständige Verdrängung der alten Ernteverfahren durch den Mähdrescher erfolgte in Deutschland etwa Ende der 1960er Jahren. Heute wird die gesamte Ernte mit einem SF von einer Person durchgeführt. Diese sitzt in einer klimatisierten Kabine mit Musikberieselung aus dem Smartphone sowie mit Navigationsgerät, welches auch noch den richtigen Acker zum Abernten findet!

Bericht und Recherche Rainer Rosenbecker, HGV Reichelsheim e.V.,

Ortsteil Beienheim.

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Verantwortlich und Ansprechpartner für die Rubrik "Damals" ist:

Horst Diehl, Vorsitzender des Heimat- und Geschichtsverein Reichelsheim/Wetterau e.V. (HGV)

Bingenheimer Straße 29

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