Gustav Ullrich rezitiert den Richtspruch von 1957 beim Bau der neuen Sakristei der Blofelder Christuskirche
Die drei Referenten zum Fotovortrag über die Blofelder Christuskirche: Friedel Schmidt, Gustav Ullrich und Reiner Laasch
Die Zeichnung zum ersten Umbau der Blofelder Kirche aus dem Jahr 1749.
Am Dienstag, dem 18. August 2026, trafen sich mehr als 30 interessierte Besucherinnen und Besucher in der evangelischen Christuskirche in Blofeld zu einem besonderen Abend zur Geschichte des Gotteshauses. Der Trägerverein Blofelder Dorftreff e.V. hatte gemeinsam mit dem Heimat- und Geschichtsverein Reichelsheim e.V. zu einem Fotovortrag über die Blofelder Kirche und ihr historisches Umfeld eingeladen.
Dorfchronist Friedel Schmidt nahm die Besucherinnen und Besucher mit auf eine eindrucksvolle Reise durch die Geschichte der Kirche, die im Jahr 1349 erstmals urkundliche erwähnt wird. Anhand zahlreicher Fotos, Urkunden und Zeichnungen zeigte er die Entwicklung des Gotteshauses mit verschiedenen Umbauten von einer kleinen mittelalterlichen Kapelle über die Dorfkirche aus dem Jahr 1749 bis zur heutigen Gestalt seit der erheblichen Erweiterung im Jahr 1902. Schmidt beleuchtete dabei auch die Auswirkungen der Umbauten wie die notwendige Verlegung von Gräbern bzw. die komplette Neuanlage des Friedhofes. Die erhaltenen Briefwechsel und die Abrechnungen der Handwerker gaben Einblicke in die historische Bürokratie des 18. und 19. Jahrhunderts. Genehmigungsverfahren und verschiedenste Zuständigkeiten zwischen den Kirchengemeinden Leidhecken, Dauernheim und Blofeld konnte Schmidt sehr exakt mit Dokumenten belegen. Dabei wurden historische Zusammenhänge sichtbar, die vielen Anwesenden in dieser Form bislang nicht bekannt waren.
Einen weiteren Schwerpunkt bildete die künstlerische Ausstattung der Kirche. Reiner Laasch erläuterte die Ikonografie und die Bedeutung verschiedener sakraler Kunstwerke. Besonderes Augenmerk galt dem großen Glasfenster hinter dem Altar aus dem Jahr 1902 und der dreigeteilten Deckenmalerei in der Apsis. Die vergoldete Pelikanfigur auf der Kanzel sowie die Bildtafeln mit Darstellungen von Personen aus dem Alten und Neuen Testament konnte Laasch mit alten Legenden und Überlieferungen nachdrücklich beschreiben. Die Erläuterungen machten deutlich, dass die Ausstattung der Christuskirche nicht nur der Verschönerung des Kirchenraumes dient, sondern zahlreiche religiöse und historische Aussagen enthält.
Für einen besonderen Höhepunkt des Abends sorgte Gustav Ullrich. Er trug den überlieferten Zimmermannsspruch zum Richtfest der neuen Sakristei aus dem Jahr 1957 vor. Mit seiner eindrucksvollen Rezitation ließ er ein Stück lebendiger Blofelder Geschichte wieder aufleben und verlieh dem historischen Rückblick einen ganz persönlichen und emotionalen Zugang.
Die Besucherinnen und Besucher dankten allen drei Referenten mit langanhaltendem Beifall. Der Abend zeigte eindrucksvoll, wie vielfältig die Geschichte der Blofelder Christuskirche ist und welchen Wert historische Dokumente, Bilder und mündliche Überlieferungen für die Bewahrung der örtlichen Geschichte besitzen.
Für die Veranstalter war der gut besuchte Abend damit zugleich eine Bestätigung für das große Interesse an der Geschichte Blofelds und seiner Kirche.