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Stadtkurier Reichelsheim
Ausgabe 38/2026
Allgemeines
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NABU-Gruppe Bingenheim Seltene Gäste im Ried

Seltene Gäste im Ried

Im Bingenheimer Ried ist für dreieinhalb Wochen ein seltener Gast außergewöhnlich gut zu sehen gewesen: Ein Schlangenadler lockte ab Anfang August zahlreiche Vogelbegeisterte, heute oft als Birder bezeichnet, in das Naturschutzgebiet.

Schlangenadler haben bis vor rund 160 Jahren in Hessen gebrütet, berichtet Stefan Stübing von der HGON in Echzell. Die Hauptbeute der großen, imposanten und unterseits auffallend hell gefärbten Vögel sind Schlangen. Heute gibt es nirgends in Deutschland noch eine ausreichende Nahrungsgrundlage, um Bruten der großen Adler zu ernähren. Der Schlangenadler zählt daher zu den in Deutschland ausgestorbenen Vogelarten. Die nächstgelegenen Brutgebiete befinden sich nun im mittleren Frankreich und in Norditalien. Von dort gelangen sehr selten einzelne Adler bis nach Hessen. Nach vorliegenden Beobachtungen nutzte der Adler als Beute vor allem Ringelnattern, die er im Rüttelflug erspähte und dann in einem rasanten Sturzflug erbeutete.

Wer besonders viel Glück hatte, konnte gleichzeitig auch einen Seeadler über dem Ried kreisen sehen, der schon länger in der Wetterau anwesend ist. Zur selben Zeit zogen auch die ersten Fischadler auf ihrem Weg von den Brutgebieten in Ostdeutschland und Skandinavien zu den Winterquartieren in Westafrika über die Wetterau hinweg. Ein solches Zusammentreffen von gleich drei Arten ist ganz außergewöhnlich. Die Beobachtungen zeigen die große Bedeutung der Schutzgebiete in der Wetterau für zahlreiche brütende und durchziehende Vogelarten, wie auch für nur selten erscheinende Gäste.

Zur Unterscheidung: Beim Schlangenadler fallen die großen, gelben Augen und die kurzen Schwanzfedern auf. Fischadler sind durch die dunkle Augenmaske im sonst weißen Kopf gekennzeichnet. Der Seeadler ist noch mal deutlich größer und bis auf die Schwanzfedern dunkel gefärbt.