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Der Stadtkurier
Ausgabe 4/2021
Allgemeines
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NABU-Gruppe Bingenheim

Biologische Heizung im Bienenstock

Während die Enten erfolgreich der Kälte trotzen, ziehen sich zahlreiche andere Arten im Winter zurück, halten in Höhlen und anderen Verstecken Winterruhe oder Winterschlaf, verfallen gar in Kältestarre. Viele Insekten überwintern nicht als ausgewachsene Tiere, sondern als winzige Eier, als Larven oder Puppen. Bei den sozial lebenden Insekten wie Wespen oder Hornissen ist nun bis auf die Königin das gesamte Volk abgestorben, nur Ihre Majestät übersteht den Winter.

Anders halten es die Honigbienen, hier wird gemeinsam überwintert. Natürlich ist einem Bienenvolk schönes Wetter und ein großes Nahrungsangebot an blühenden Pflanzen auch lieber. Aber auf die kalte Jahreszeit sind Bienen von Natur aus und mit Hilfe des Imkers bestens vorbereitet. Die Bienenvölker sind im Spätsommer und Herbst gegen die Varroa-Milbe behandelt worden, ein Parasit, der ohne Behandlung ein Bienenvolk rasch ausrottet. Im Winter hat ein Bienenvolk etwa 10.000 bis 20.000 Tiere, im Sommer bis zu 80.000. Im Spätsommer ergänzt der Imker individuell das Winterfutter der Bienen, entweder lässt er ihnen genug Honig oder ersetzt einen Teil durch invertierte Zuckerlösung, welche die Bienen dann zu Futter verarbeiten.

Dieses energiereiche Winterfutter nutzen die Bienen dann zum Heizen. Die Wärme entsteht in der Brustmuskulatur der überwinternden Bienen. Jede Biene kann etwa 30 bis 40 Minuten lang eine recht hohe Temperatur von bis zu 40 Grad Celsius erzeugen, während der Brutzeit wird das Nest auf konstant 35 Grad Celsius gehalten. Im Winter, wenn das Volk nicht brütet, sinkt die Temperatur an der Peripherie des Bienenvolkes auf rund zehn Grad Celsius. Im Innern der Wintertraube ist es wärmer und die Bienen wechseln sich ab: Jede kommt mal von außen nach innen, um sich aufzuwärmen, selber zu heizen und den „Öltank“ mit Futter aus den Vorratszellen wieder aufzufüllen.

Aus Sicht der Bienen ist ein kalter, trockener Winter besser zu ertragen als ein warmer, feuchter Winter. Mit genügend Vorräten ausgestattet, in einem trockenen Bienenstock sitzend, überstehen sie die kalte Jahreszeit problemlos. Für den Imker ist jetzt nicht viel zu tun, er kontrolliert lediglich, ob sich eventuell hier und da eine Maus eingeschlichen hat oder ob Schnee oder Eis das Flugloch blockiert. Den Rest müssen die Bienen schaffen.