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Der Stadtkurier
Ausgabe 49/2018
Aus dem Rathaus wird berichtet
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Damals

Weckesheim

Hausschlacht bei Familie Pfarrer

Ende November bis kurz vor Weihnachten begann für die Hausmetzger auf dem Lande die erste Hochsaison. Die Bauern schlachteten meist in zwei Etappen. Die „kleine“ Schlacht am Ende vom Jahr - denn die Feldarbeit war noch nicht vorbei. Es musste noch gezackert und gesät werden. Die Rangen und die Rüben mussten beispielsweise noch ausgemacht, eingebracht oder zum Verladen transportiert werden und, und, und.

Im Januar, Februar, wenn es dann richtig kalt war und wenn man auch die Zeit dazu hatte, wurde dann noch einmal „groß“ geschlachtet.

Es wurde meistens morgens recht früh geschlachtet, um viel Zeit zum Auskühlen des geschlachteten Schweins zu gewinnen. Das Zerlegen und Ausnehmen soll sich viel leichter an kaltem Fleisch durchführen lassen (habe ich mir sagen lassen).

Da es vor den 1950er Jahren noch nicht die Möglichkeit des Einfrierens gab, war die traditionelle Konservierungsform in aller Regel anbraten und/oder einkochen, pökeln und vor allem Räuchern. Verarbeitet wurde alles - die gesamte Wutz, vom Kopf bis zum Schwanz. Den Anus (oder die vaginale Öffnung) des Schweines hatte man wegen seiner Beschaffenheit gerne als Winterfutter für die Vögel aufgehängt. Ganz früher hatte man sogar die Borsten noch gesammelt und einer Verwendung zugeführt. Fahrende Händler haben danach gefragt und an die hatte man dann die Borsten verkauft. Die Knochen wurden zersägt und fanden als Suppen- oder Sulberknochen Verwendung - sprich sie wurden beim Einkochen mit hinzugenommen. Die restlichen Knochen hatte man meist vermahlen und verfüttert oder gleich dem Hund gegeben. Selbst all das, was an Kleinstresten über war und auf den Mist kam, wurde im Prinzip verwertet, denn das wurde von den Hühnern aufgepickt, die täglich auf dem Haufen nach Nahrung kratzten.

In den Kriegsjahren wurde das Hausschlachten durch die nationalsozialistische Verwaltung kontrolliert. Man durfte zwar schlachten, aber nur einen nach der Größe der Familie bemessenen Anteil des Fleisches behalten. Gerne wurde in dieser Zeit oft heimlich an der Partei vorbei geschlachtet. Es soll selbst treue Endsieganhänger gegeben haben, die der Verwaltung nicht immer das richtige Kontengent gemeldet hatten.

Das Foto wurde uns von Helmut Pfarrer, Weckesheim zur Verfügung gestellt.

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