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Der Stadtkurier
Ausgabe 9/2020
Allgemeines
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Feuerwehren der Stadt Reichelsheim - Atemschutztag

Atemschutzgeräteträger trainieren den Ernstfall Die Ausbildung ist schweißtreibend. Sie tun es um Menschen zu retten, für ihre eigene Sicherheit und um im schlimmsten Fall ihre eigenen Kameraden retten zu können. Einen ganzen Tag lang haben Reichelsheimer Atemschutzgeräteträger für den Ernstfall trainiert. Die Feuerwehrmänner haben eine spezielle Ausbildung, um im Einsatz unter Atemschutz arbeiten zu können.

Für diese jährliche Fortbildung hatte Stadtbrandinspektor Nicklas Pipperek für die rund 30 Teilnehmer das derzeit geschlossene Reichelsheimer Bürgerhaus von der Stadtverwaltung zur Verfügung gestellt bekommen. In den verschiedenen teils verwinkelten Räumlichkeiten konnten so realitätsnah Einsatzübungen durchgeführt werden. In der Großküche wurde beispielsweise die Rettung eines verunfallten Feuerwehrmannes geübt. Mit abgedeckten Sichtfenstern der Atemschutzmasken mussten je

zwei Feuerwehrmänner unter Anleitung von Alexander Kleinhans und Jakob Hennigs einen im Gebäude vermissten Feuerwehrmann suchen. Dabei diente als einzige Orientierung eine Schlauchleitung, die der Verunfallte zuvor im Gebäude verlegt hatte. Erschwert wurde die Suche durch allerhand Holz und Paletten, die einen fiktiven Teileinsturz des Gebäudes simulieren sollten. Der Feuerwehrmann musste anschließend aus dem Gebäude transportiert werden.

Als weitere Übung waren in einem anderen Teil des Gebäudes von den Rettern vier mit Disconebel verrauchte Räume nach einer kurzen Belastungsübung systematisch abzusuchen. Dabei galt es Hinweisschilder zu finden und die Inhalte per Funk korrekt an die Übungsleiter Markus Ritter und Alexander Hitz zu übermitteln. Beispielsweise mussten hierbei komplexe chemische Bezeichnungen oder finnische Namen buchstabiert

werden. Hierbei übten die Einsatzkräfte die Orientierung in nahezu identischen Räumlichkeiten und die Kommunikation mit dem Einsatzleiter

über Funk und unter Belastung.

Eine weitere Ausbildungsstation war das gegenüberliegende Gebäude des 'Agendaraums' (ehemaliger Faselstall). Hier übten die Feuerwehrfrauen und -männer mit dem Atemschutzgerät auf dem Rücken mit Feuerwehrleitern Mauern zu überwinden und auf Terrassen aufzusteigen. Hierbei wurde von den Ausbildern Benjamin Freiter und Ingo Fechtner das Augenmerk auf Sicherheit, Schnelligkeit und die richtigen Knoten beim Befestigen von Schläuchen gelegt.

Einige speziell ausgebildete Teilnehmer schlüpften zum Abschluss des Ausbildungstages zusätzlich noch mit Atemschutzgerät in Chemikalienschutzanzüge. Die Arbeit in diesen Schutzanzügen, die meist

bei Unfällen mit gefährlichen Stoffen zum Einsatz kommen, ist besonders

belastend. Deshalb ist es wichtig, den Umgang damit und die Belastung im Einsatz zu üben. Dabei mussten vom Bürgerhaus zur Grundschule je zwei 20 Kilo schwere Kanister getragen werden.

Für die übrigen Teilnehmer gab es abschließend noch eine Orientierungsübung. Mit drei Nebelmaschinen hatten die Ausbilder den rund 200 Quadratmeter großen Saal des Bürgerhauses vollständig eingenebelt. Über zwei Eingänge galt es im Saal nach Kuscheltieren zu suchen. Dies war gar nicht so einfach. Abgesehen von der eingeschränkten Sicht, versperrten außerdem Stühle, Tische und Turngeräte den Weg.

Außerdem mussten die Trupps sich merken, wie sie in den Raum gelangt

waren, um anschließend wieder den Rückweg zu finden. Eine entsprechend eingespielte Geräuschkulisse sorgte für das 'realitätsnahe Feeling'.

Auch einen theoretischen Pflichtteil beinhaltete der Ausbildungstag.

Dabei vermittelte Stadtbrandinspektor Nicklas Pipperek im Reichelsheimer Feuerwehrhaus wichtige Grundsätze für den sicheren Einsatz mit Atemschutzgeräten. Zum Abschluss des Tages stärken sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer dort auch bei einem deftigen Mittagessen.

Das Fazit zu diesem vielseitigen Ausbildungstag fällt bei den Teilnehmern positiv aus. 'Man kann sich mit seinen Kameraden mal intensiv mit dem Atemschutzeinsatz auseinandersetzen, zusammen neue Techniken probieren und erlernen', resümiert ein Feuerwehrmann. 'Das Bürgerhaus war ein super Übungsobjekt, vor allem weil wir die Räumlichkeiten vorher nicht kannten.', ergänzt ein anderer.

Gerade haben die beiden Feuerwehrmänner einen verunfallten Kameraden gefunden. Sie mussten sich blind vortasten - die Sichtfenster der Masken sind vollständig abgedeckt. Bei der Rettung ist Teamwork gefragt: Der eine sucht den Rückweg, der andere hat den Verletzten im Schlepp.

Mit sportlichen Übungen machten sich die Feuerwehrmänner warm und üben die Belastung mit dem Atemschutzgerät. Hier trainieren sie gerade mit Feuerwehrschläuchen als sogenanntes 'Battle Rope'.