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Rosbacher Nachrichten
Ausgabe 39/2026
Seite 6+7-Seiten für Seniorinnen und Senioren
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Interview mit Markus Goossens

Warum engagieren Sie sich als Digitaler Helfer für die Stadt Rosbach?

Es hat in der Corona Zeit angefangen. Hier hatte mir das generelle Motto der Stadt "Wege aus der Einsamkeit" gefallen, unter dem sich verschiedene Gruppen der Stadt für die älteren Mitbürger (damals vorwiegend vulnerable, meist alleinlebende über 80-Jährige) engagiert haben. Das waren der SIB, die HIR und die digitalen Helfer. Damals ging es um Einkaufs-, Arzt- oder Impffahrten oder einfach nur ein Plaudern mit Menschen in der Einsamkeit der Lockdown-Pandemie. Da wollte ich dabei sein, um etwas für andere Menschen tun, um selbst nach langem Arbeitsleben nicht in die Wirkungslosigkeit abzugleiten, sondern etwas Sinnvolles mit Gleichgesinnten zu machen.

Was macht Ihnen an Ihrer Tätigkeit als Digitaler Helfer besonders viel Freude?

Das schließt an die 1. Frage an:

Die Freude ergibt sich unmittelbar aus dem sinnvollen Helfen. So freut es besonders, wenn den Geholfenen ein Lächeln übers Gesicht huscht und es zu einem Ah-Ha Erlebnis mit dankbarer Freude kommt. Oft werden ja Fragen gestellt, die man selbst nicht gleich beantworten kann, da hilft dann der Kontakt in der Gruppe zu jemandem der weiterweiß. Das ist ein freundliches Geben und Nehmen, oft mit viel Herz und Humor, das einfach Freude macht.

Mit welchen Problemen kommen Senioren am häufigsten zu Ihnen?

Ohne Statistik schwer zu sagen. Da ich meist einfache Probleme bearbeite, sind es oft einfache Fragen: Warum oder Wie geht diese oder jene App (nicht)?

Wie kann ich einen Arzttermin organisieren, eine Bahnreise/Fahrt buchen oder ein bestimmtes Geschäft, Arzt oder Restaurant finden?

Wie kann ich ein Notizbuch oder einen Kalender einrichten und bedienen. Warum funktioniert die Rewe App nicht?

Wie sicher sind meine Passwörter und wie kann ich sie sichern? Gibt es eine Möglichkeit Bilder meiner Enkel zu sichern oder in ein Album zu laden? Wie kann ich alte Daten auf mein neues Handy transferieren? Brauche ich eine Cloud? Letzteres gehört dann schon zu den anspruchsvolleren Aufgaben, da helfen wir uns gegenseitig.

Was sagen Sie jemandem, der Angst hat, etwas am Smartphone falsch zu machen?

Ich kenne das Gefühl, bei Eingaben am Handy Fehler zu machen, aber die Erfahrung ist: Alles kann rückgängig gemacht, gelöscht oder wieder repariert werden.

Wir helfen Ihnen weiter und finden i.d.R. auch akzeptable Lösungen, gemeinsam gegen die Unsicherheit.

Welche Erfahrungen machen Sie bei Ihren 1-zu-1-Schulungen im Vergleich zur Gruppenschulung?

Bei 1- zu 1- Schulungen öffnen sich die Betroffenen wahrscheinlich schneller oder erst überhaupt, um ihr individuelles Problem zu formulieren. Sie fühlen sich wahrscheinlich schneller oder direkter abgeholt und erfahren so direkt, dass vieles leichter ist als sie dachten.

Welches Erlebnis aus Ihrer ehrenamtlichen Tätigkeit ist Ihnen besonders in Erinnerung geblieben?

In der Corona-Zeit konnte ich jemandem helfen, die per E-Mail gesendeten Bilder seines Enkels aufs Smartphone zu laden. So konnte er sich diese ansehen und mit der Installation von WhatsApp täglich auch über Sprachnachrichten kommunizieren. Der 93-Jährige konnte so am fernen Studentenleben seines Enkels teilhaben.

Warum sollten Senioren den „Marktplatz der Digitalen Möglichkeiten“ im Oktober besuchen?

Bei dieser Veranstaltung wird es Vorort einen zwanglosen Überblick geben, zu allen nützlichen Möglichkeiten, die mit Smartphone oder Tablet bzw. digital von uns vermittelt und beraten werden. Die Senioren können sich hier umfassend informieren, welche Vorteile und Anwendungen für Sie ganz individuell und persönlich nützlich sein könnten. Diese Situation ist in ihrer Art einmalig, kostenfrei und gekoppelt an lockeres, zwangsfreies Informieren und Kontakte knüpfen unter gleichgesinnten Senioren.

Hat sich Ihrer Meinung nach der Umgang der Senioren mit digitalen Medien seit Beginn Ihrer Arbeit im Jahr 2021 verändert?

Ja unbedingt, da sich die Entwicklung in riesigen Schritten, wie jeder weiß z.B. mit KI, weiterbewegt, macht dies zwangsläufig auch vor Senioren nicht halt.

Es gibt diejenigen die sich verängstigt zurückziehen und sagen, das ist nichts mehr für mich und diejenigen, welche neugierig sind und zuversichtlich damit versuchen zurechtzukommen und es teils als Chance für Ihr Älterwerden verstehen. Letzteres ist unser Ansatz in der Beratung, dass die Senioren gesellschaftlich nicht "abgehängt" werden.

Was können Angehörige tun, wenn Eltern oder Großeltern Schwierigkeiten mit Smartphone und Co. haben?

Sie sollten unbedingt unserem Ansatz folgen und mithelfen die Angst abzubauen, damit die gewöhnlichen Dinge mit dem Smartphone von Ihnen selbst erledigt werden können. Das wird auch die Jüngeren, die voll im Leben stehen und Kleinkinder haben, entlasten können. Somit sollten sie aus Eigennutz mit etwas Geduld dazu beitragen, dass die Eltern digital zurechtkommen.

Warum ist es aus Ihrer Sicht wichtig, dass Senioren auch in Zukunft den Anschluss an die digitale Welt behalten?

Eine Gesellschaft, welche die ganz Jungen und die Älteren nicht würdigt, nicht einbezieht und teilhaben lässt, verkommt zur inhumanen Gesellschaft. Unser gesamtes Gemeinwesen muss sich daran messen lassen, wie genau damit, den ganz Jungen und den Älteren umgegangen wird. Zumal die Gesellschaft tendenziell immer älter wird.

Wenn Sie einem Senior nur einen einzigen Tipp für den Einstieg in die digitale Welt geben dürften - welcher wäre das?

Trau dich, habe Vertrauen in deine Fähigkeiten. Es kann nichts passieren und ein Versuch schadet nichts. Wir helfen die Angst gemeinsam abzubauen.