Von Marius Schönherr
Fußballherz, was willst du mehr. Mittwochabend, Flutlicht und Winterholz, beide Mannschaften vor einem ihrer Dorffeste, die SG vor der Oberselterser Kerb und die Union vorm Dauborner Markt. Auf dem Kunstrasenplatz in Oberselters war alles angerichtet für einen spektakulären Fußballabend – es sollte an Nichts fehlen.
Die beiden Mannschaften konnten nicht viel unterschiedlicher in die Saison starten. Während die SG Selters/Erbach nach fünf Spielen noch ungeschlagen ist hält die Union mit zwei Punkten die rote Laterne der Liga. Von tabellarischen Begebenheiten war – und so viel kann man schon vornewegnehmen, an diesem Abend nichts zu sehen. Der Start ging trotzdem an die Einheimischen. Luis da Conceicao gewann nach einem langen Abschlag von Nicolas Keim den zweiten Ball und spielte auf Justin Wolter. Dieser nutzte einen Union-Fehler und setzte Philipp Freppon in Szene, der wohl im Abseits stand, welches nicht geahndet wurde. Der Schuss ins leere Tor war nun nur noch Formsache – 1:0 (7.). Dauborn/Kirberg/Neesbach/Ohren wusste aber sofort zu antworten und nutzte Defensiv-Unachtsamkeiten der SG aus. Ein langer Einwurf in den Strafraum landete beim sträflich freistehenden Volkan Subasi, der einnetzte und ausglich (13.). In einer intensiven Partie hatte die Union nun mehr vom Spiel. Nils Wettengl tauchte nach zwei Pässen über die linke Seite frei vorm Tor auf, visierte die lange Ecke jedoch zu genau an und verpasste den Führungswechsel (24.). Auf der anderen Seite war Wettengl als „Retter in der Not“ zur Stelle, kratzte ein SG-Kopfball aus dem Gewühl von der Torlinie (31.). Nur drei Zeigerumdrehungen danach war es Levin Albrecht, der nach einem tollen Dribbling in guter Position war, im letzten Augenblick aber von Nils Toffeleit gestoppt wurde. In der Nachspielzeit hatten die Gäste erneut den Torschrei auf den Lippen, als Nils Wettengl aus 15 Metern abzog und die Kugel auf dem Weg unter die Latte war, Nicolas Keim den Gegentreffer aus Sicht der SG aber mit einem sensationellen Reflex vereitelte (45.+1). Der zweite Durchgang startete erneut mit einem guten Dribbling Levin Albrechts, der vor dem Tor dann aber zu viel wollte (52.). Die SG Selters/Erbach selbst hatte derweil Probleme, den Ball in der gegnerischen Hälfte laufen zu lassen, die Union verteidigte resolut und unermüdlich gegen den Ball und war immer zur Stelle. Auch die Standardsituationen brachten keinen Ertrag für die Bach- und Wassermänner. Zu allem Überfluss kamen die Gäste nach einer solchen zu einem aussichtsreichen Konter. Daniel Helfenstein war gegen die viel zu offenen SG-Verteidigung auf und davon und traf ins rechte Eck zum 1:2 (56.). Spätestens ab diesem Zeitpunkt war auf dem Kunstrasen „Kampf pur“ angesagt. Die SG stemmte sich vergebens gegen die Niederlage, denn die Gäste unterbrachen mit cleveren Fouls, aber auch immer wieder mit recht harten Regelverstößen die Offensivbemühungen. Schiedsrichter Bastian Behring, der zu Beginn keine klare Linie an den Tag legte, bestrafte diese zu selten und inkonsequent. Tom Rieth nahm den Ball nach einer starken Annahme aus der Luft, traf aber nur die Latte (78.). Weitere zwingende Chancen waren auf Seiten der SG bis zum Ende der regulären Spielzeit Mangelware, weswegen man bis dorthin glaubte, dass die Siegesfeier am Wochenende wohl auf dem Dauborner Markt stattfindet. Die Nachspielzeit gab jedoch weitere Auskunft: In einer beinahe aussichtslosen Situation riss Unions Paul da Silva nach einem langen Ball Justin Wolter im Strafraum um und es gab folgerichtig Strafstoß. Philipp Freppon war sich seiner Sache sicher und versenkte den Ball im rechten Eck zum 2:2 (90.+2). Der Frust auf der einen Seite und der Jubel auf der gegenüberliegenden ging ins Unermessliche, doch Schiedsrichter Berhring hatte noch lange nicht genug gesehen. Auch die vierfache Spielgemeinschaft kam per Freistoß noch einmal zu einer Torchance, das Duell zwischen Johannes Helfenstein und Keeper Nicolas Keim ging jedoch an Keim. Selters/Erbach startete einen letzten Angriff, welcher kurz vor dem Sechszehner jäh von Steffen Helfenstein beendet wurde, der Tom Rieth „wegflexte“ und mit der roten Karte in Richtung Dusche geschickt wurde. Luis da Conceicao legte sich den Ball ca. 18 Meter vor dem Objekt der Begierde zurecht. Der Unparteiische pfiff und da Conceicao schoss die Kugel in der achten Minute der Nachspielzeit mit aller Selbstverständlichkeit ins kurze Eck – 3:2! Der Jubel kannte in der Folge auf Seiten der SG Selters/Erbach keine Grenzen, der Abpfiff kurze Zeit später verlagerte die Feierlichkeiten durch eine fabelhafte Nachspielzeit doch noch in Richtung der Oberselterser Kerb!
Mit dem Sieg rutscht die Mannschaft von Stefan Rieth und Samuel Stähler vorrübergehend auf den zweiten Platz der Kreisoberliga. Am kommenden Mittwoch steht nach einem spiel-, aber niemals spaßfreien Wochenende das Auswärtsspiel bei der FSG Wirbelau/Schupbach/Heckholzhausen an.