Sehr gut gefüllt war die Weyrer Kirche an jenem frühen Sonntagnachmittag, als der Vogelsberger Pfarrer Henner Eurich zu Gast war. Mit halber Stelle ist er Pfarrer in mehreren Vogelsberger Dörfern. Mit einer halben Stelle ist er aber auch als Kabarettist unterwegs. „Trittbrettpfarrer“ nennt er sich. Denn, das weiß er als Pfarrer wie als Kabarettist: Nur allzu gerne springen wir auf Themen auf, die gerade vorbeikommen.
Mit Witz und Bedacht und mit schmissigem Klavierspiel nahm er sich und seine Zunft dabei auch nur allzu gerne selbst auf die Schippe. Technisch unterstützt durch seine Tochter Karlotta. Eingangsthema „Faschingsgottesdienst“: Unter dem Motto: „Reim dich oder ich fress dich“ steigt da der Pfarrer in seine zur Bütt umbenannte Kanzel und reimt sich von einer Peinlichkeit zur nächsten.
Mit spitzer Feder nahm Eurich sich dann des Themas „Eintritt für den Kölner Dom“ an. Und nahm all die Themen der Kirchenfinanzen aufs Korn. Schließlich müsse man ja jetzt Eintritt nehmen, weil mit der Reformation die Einnahmen der Kölner Kirche von den Wallfahrten zu den Reliquien der Heiligen Drei Könige weggebrochen seien, sodass man 300 Jahre nicht hatte weiterbauen können.
Natürlich gab es auch noch andere Themen, auf die es sich aufzuspringen lohnte. So bekamen alle Influenzer ihr Fett weg, genau wie die Kritik an der Kritik an der Kritik aller Genderverbote von der Apostelin Junia bis zur Gegenwart.
Wobei sich da der Vogelsberger Pfarrer als Meister der Sprache outete, der nicht nur auf Hochdeutsch, sondern auch in seiner Vogelsberger Muttersprache „klugscheißern“ kann. Und in Worten wie in Liedern sowohl das Dickicht in seinem Pfarrgarten wie auch den sprachlichen Urwald vor die Motorsäge nahm.
Dass Pfarrer bei Hochzeiten oft nur noch als dekoratives Traditionselement eine Rolle spielen dürfen. Oder: wie eine Schlusskonferenz der Gottesdienst-Bundesliga sich anhört. Wer an diesem Nachmittag in der Weyrer Kirche dabei war, erfuhr so manches, bei dem man so als Trittbrettpfarrer aufspringen kann.
Als närrische Zugabe gab es dann wohlbedachte Gedanken zur Schriftgutordnung der Evangelischen Landeskirche, bevor dann mit Vaterunser und Segen unterhaltsame 90 Minuten pralles Programm wie im Fluge zu Ende gingen.