Der 27. Januar als Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus ist ein würdiger Anlass, um Jehovas Zeugen als eine der ersten von der Verfolgung durch die Nationalsozialisten betroffenen Gruppen hervorzuheben. Aus Gewissensgründen weigerten sie sich, den Hitlergruß zu zeigen, NS-Organisationen beizutreten oder Militärdienst zu leisten, was sie zur Zielscheibe des Regimes machte. Laut Historikern verloren unter der NS-Herrschaft mehr als 1.700 Zeugen Jehovas ihr Leben. Tausende wurden wegen ihres Glaubens in ganz Europa in Konzentrationslagern inhaftiert und systematisch gefoltert. Ihre Geschichte zeigt, wie wichtig eine Erinnerungskultur ist, um Werte wie Menschenrechte und moralische Standhaftigkeit lebendig zu halten.
Im Juni 2026 wird im Berliner Tiergarten ein eigenes Mahnmal für die Zeugen Jehovas eröffnet. Ein Ort, der an ihren friedlichen Widerstand erinnert und zeigt, wie wichtig es ist, für sein Gewissen und seine Überzeugungen einzustehen.
Die Ausstellung „Niemals Allein“ im Zweigbüro von Jehovas Zeugen „Auf dem Steinfels“ erzählt die Geschichte der Glaubensgemeinschaft in Zentraleuropa – vor, während und nach der systematischen Verfolgung im Dritten Reich.
Mit Hilfe historischer Dokumente und persönlicher Geschichten verbindet die Ausstellung die Erfahrungen von Einzelpersonen und Familien mit aktuellen gesellschaftlichen Herausforderungen wie Hassrede, Intoleranz und Ausgrenzung. Der Eintritt ist frei, und die Ausstellung ist so gestaltet, dass sie für alle Besucher zugänglich ist. In den ersten vier Monaten seit Eröffnung wurden bereits über 24.000 Besucher verzeichnet.
Die heutige Realität ist nicht mit den Verbrechen der NS-Zeit vergleichbar. Dennoch hilft das Erinnern neuen Generationen, zu erkennen, wie Hassrede und Stigmatisierung – unabhängig von religiösem oder kulturellem Hintergrund – verheerende Folgen haben können, wenn sie nicht hinterfragt werden. Genau deshalb ist es so wichtig, Geschichte sichtbar zu machen und im öffentlichen Bewusstsein zu verankern. Dieses Erinnern fördert die Achtung der Glaubensfreiheit und die Verantwortung füreinander in einer vielfältigen Gesellschaft.